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Baders Versandgebäude an der Adolf-Richter-Straße in Pforzheim. Es soll zum Outlet-Center werden und jährlich bis zu drei Millionen Kunden anlocken.

Hohe Hürden für Outlet-Pläne: Bürger euphorisch, Behörden drücken auf Bremse

Pforzheim. Wie ein Lauffeuer hat sich nach dem PZ-Bericht in Pforzheim und der Region die Nachricht verbreitet, dass das Versandhaus Bader als Investor an seinem bisherigen Standort im Brötzinger Tal ein Marken-Outlet mit 80 Shops plant. Das Gros der Bürger reagiert regelrecht euphorisiert, das Stadtparlament vorsichtig optimistisch. Doch das Projekt könnte nicht über den Status einer Idee hinauskommen. Zumindest sind die bürokratischen Hürden enorm hoch.

So bezeichnet etwa der Regionalverbandsdirektor Matthias Proske das Vorhaben als „sehr sportliche Herausforderung“. Denn solche Mode-Sortimente seien zentrenrelevant. Sprich: Kann ein derart geballter Einzelhandel am Stadtrand nicht in Einklang mit dem Regional- und Landesentwicklungsplan gebracht werden, wäre das Projekt nicht genehmigungsfähig. Auch das Regierungspräsidium verweist darauf, dass Auswirkungen auf regionale Wirtschaft und Infrastruktur zu prüfen und bewerten seien. Umgehend will Pforzheims Rathausspitze nun mit den übergeordneten Behörden ins Detail gehen. Indes senden Nachbargemeinden wohlwollende Signale.

Studien zeigen: Pauschal lassen sich die Auswirkungen von Outlet-Centern nicht formulieren. Während Gegner aufgrund immenser Verkaufsfläche und ähnlichem Sortiment befürchten, Innenstädte samt ihrer gewachsenen Strukturen könnten veröden oder es könnte zum Verkehrskollaps kommen, sehen Befürworter große Chancen in neuen Arbeitsplätzen und steigenden Tourismuszahlen. Beispiele gibt es für beide Seiten: In Zweibrücken und Soltau schlossen mehrere Geschäfte. Dort haben die Outlets allerdings wohl eher den Strukturwandel bloß beschleunigt. Vielerorts schlug Investoren heftiger Widerstand entgehen. Aktuell wehren sich Einzelhandel und Industrie in Baden gegen die geplante Erweiterung des Outlets in Roppenheim im Elsass. Doch es gibt auch positive Beispiele: In Neumünster nahe Hamburg sank die Zahl der Leerstände, die der Übernachtungen stieg. Im nordrhein-westfälischen Bad Münstereifel wurde das Outlet in die historische Altstadt integriert.

Eine Umfrage von PZ-news hatte indes ergeben, das rund 80 Prozent der rund 2000 Befragten das Outlet in Pforzheim positiv begrüßen würden. Weitere Stimmen aus der Stadt, der Region, dem Handel und aus dem Netz gibt es hier: Vorsichtige Vorfreude: Das sagen Handel, Stadt, Region und Netz zum geplanten Outlet in Pforzheim

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