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Was ist an der Nachricht dran, die in Pforzheim und der Region kursiert? 

Kettenbrief kursiert durch Soziale Medien: Ist in Pforzheim ein Mann mit einem Van unterwegs und spricht Kinder an?

Pforzheim. "Achtung an alle", ist der Anfang eines Kettenbriefes, der sich derzeit wie ein Lauffeuer in den Sozialen Medien verbreitet. "Hier in Pforzheim ist ein Mann mit einem schwarzen Van unterwegs, der Kinder anspricht", heißt es darin weiter. Doch was ist dran an der Nachricht, die in Pforzheim und der Region kursiert?

Es ist Mittwochmittag, als der Redaktion von PZ-news zahlreiche Leser-Nachrichten vorliegen und sich ebenso viele Eltern telefonisch gemeldet haben - aus Sorge um ihre Kinder. Die Sprache ist von einer Nachricht, in der vor einem Mann gewarnt wird, der vor allem im Bereich der Pforzheimer Weiherbergschule unterwegs sein soll. Laut Informationen der "Pforzheimer Zeitung" fahre außerdem die Polizei bereits seit Dienstagabend gegen 17 Uhr den Bereich der Südweststadt ab.

Und tatsächlich: Wie die Polizei am Mittwochnachmittag gegenüber der Presse bestätigte, ist es am Dienstagnachmittag gegen 16.30 Uhr an der Ecke Wagnerstraße/Bergstraße zu einem Vorfall gekommen, bei dem ein Kind von einem Unbekannten aus einem schwarzen Van verdächtig angesprochen worden sein soll.

"Dabei soll der Unbekannte versucht haben, einen sechsjährigen Jungen, der Spielsachen aus der Garage auf den Gehweg räumte, an den Van zu locken", so die Polizei. Als der neunjährige Begleiter, der sich zu diesem Zeitpunkt laut den Beamten in der Garage befand, dies merkte, zog er den Jüngeren weg. Die beiden Jungen rannten im Anschluss in die Wohnung.

Der Unbekannte wurde nach Angaben der Polizei wie folgt beschrieben: normale Statur, schwarzer Vollbart und kurze schwarze Haare. Er trug ein schwarzes T-Shirt sowie dunkle Jeans. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Zeugen und Hinweisgeber werden gebeten, sich telefonisch mit dem Polizeirevier Pforzheim-Süd unter (07231) 186 3311 in Verbindung zu setzen.

Lehrkräfte informieren in Unterricht über Vorfall

Während der Kettenbrief Angst und vor allem Unsicherheit verbreitet und die Polizei nach möglichen Zeugen sucht, hat der Rektor der betroffenen Schule erste Vorbereitungen getroffen: "Die Lehrkräfte bekommen eine Mail, in der sie informiert werden, dass sie das Thema am Donnerstag im Unterricht thematisieren sollen", erklärt Jürgen Hecht am frühen Mittwochmittag im Gespräch mit der PZ. Hierbei gehe es vor allen Dingen darum, Kinder darin zu sensibilisieren, aufmerksam und vorsichtig zu sein.

Versuchte Entführung einer Sechsjährigen in Enzberg erfunden

Bezieht sich diese gerade kursierende Meldung auf einer wahren Begebenheit, wie es die Polizeimeldung verdeutlicht, so kursieren nicht nur in Facebook schon seit mindestens 2014 Meldungen und Kettenbriefe über Kinderfänger, die vor allem mit einem weißen Transporter unterwegs sind. Diese Warnmeldungen verwiesen anfangs auf die „Organmafia“, die Menschen kidnappen würde, um ihnen für spätere Transplantationen teuer verkaufte Organe zu entnehmen. Daraus entwickelte sich dann eine Verbrecherbande, die Kinder unter anderem für den Missbrauch durch Pädophile entführen würde. Wie sich herausstellte, handelte es sich hier um vielfach kopierte und vairrierte Falschmeldungen, die durch die Sozialen Medien geisterten.

Region

Kinderfänger in Enzberg? Polizei untersucht Geschichte

Im Dezember 2016 erreichte ein Notruf aus Enzberg die Polizei, der genau an so eine Situation denken ließ. Eine Mutter aus Enzberg meldete, dass ihre Tochter angeblich einem Kidnapping gerade noch entfliehen konnte. Den herbeigeeilten Polizisten erzählte die Sechsjährige, so berichtet es eine Polizeisprecherin, dass fünf Männer versucht hätten, sie in einen Transporter zu zerren. Sie hätte sich noch an einem Pfosten oder Ähnlichem festgehalten und laut um Hilfe geschrien. Im Transporter hätte sie vier gefesselte Kinder mit Tüten an den Füßen gesehen.

Die Polizei nahm sich der Sache an, konnte aber keine Hinweise auf Gewaltanwendung beim dem Kind erkenen, auch passten keine Vermisstenmeldungen zu den Schilderungen des Kindes.

Im Juli 2019 kursierten schon Kinderfänger-Meldungen

Die Nachrichten lasen sich äußerst dramatisch – alleine schon deshalb, da sie in Großbuchstaben verfasst sind. Doch auch der Inhalt war besorgniserregend: In den Sozialen Netzwerken kursierten im Juli 2019 Meldungen, wonach unter anderem im Raum Knittlingen, Maulbronn und Bretten Unbekannte unterwegs gewesen seien, die versucht hätten, Kinder in Autos zu locken.

Mühlacker

Meldungen versetzen Eltern in Angst: Werden Kinder in Autos gelockt?

In einer Nachricht hieß es, ein Kind sei gewaltsam in ein Fahrzeug gezerrt worden, letztlich habe eine Entführung aber verhindert werden können. Auf Nachfrage bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe erläuterten damals die dortigen Beamten, dass ähnlich lautende Meldungen nicht nur in der Region, sondern auch im südbadischen Raum kursiert wären. Die Polizei hatte allerdings keinerlei Hinweise darauf, dass es sich um eine tatsächliche Gefährdungssituation handelte und die geschilderten Vorfälle echt gewesen seien. „Bei uns sind keinerlei Anzeigen eingegangen, weshalb wir derzeit nicht bestätigen können, dass an der Sache etwas dran ist“, hieß es auf PZ-news-Anfrage. 

Entführter Pforzheim Junge war Falschmeldung von Internet-Kriminellen

Die Nachricht hat sich Ende Januar diesen Jahres wie ein Lauffeuer in den Sozialen Medien verbreitet: Angeblich sollte ein siebenjähriger Junge aus Pforzheim auf dem Weg zur Schule entführt worden sein. Doch diese Meldung, die vor allem auf Facebook kursierte, war nur ein Fake.

Pforzheim

Junge in Pforzheim entführt? Facebook-Nachricht ist nur ein Fake!

Das bestätigte damals auch Polizeisprecher Frank Otruba gegenüber PZ-news. Demnach sei die Polizei von besorgten Anrufern auf die Facebook-Meldung hingewiesen worden. Otruba gab den Sachverhalt an seine Kollegen aus der Abteilung für Cybercrime weiter, die kurze Zeit später meldeten, dass es sich dabei definitiv um einen Straftatbestand handele. "Diese Seite wurde von den Betreibern wohl nur zu dem Zweck eingerichtet, um die Facebook-Daten der Nutzer auszuspionieren", so Otruba.

Julia Wessinger

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Marek Klimanski

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Thomas Kurtz

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