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Die Zukunft des Lernbetriebs „Goldener Anker“ ist ungewiss.  Foto: Ketterl 

Lehr-Restaurant „Goldener Anker“ soll Galgenfrist bekommen: Hauptausschuss entscheidet über Zukunft des Betriebs

Pforzheim. Geht es nach der mehrheitlichen Empfehlung der Fraktionen im Ausschuss für Soziales und Beschäftigung, dann erhält das Lehr- und Lernrestaurant „Goldener Anker“ noch ein Jahr lang als Kofinanzierung städtische Mittel in Höhe von 95.00 Euro. Auf Antrag von SPD-Stadträtin Jacqueline Roos stimmte das Gremium am Donnerstagabend nach langer Diskussion nicht über die Empfehlung des Sozialdezernats ab, den Betrieb künftig (ab 2021) nicht mehr zu unterstützen. Der Hauptausschuss am kommenden Dienstag wird eine Entscheidung treffen müssen.

Zu wenig Teilnehmer

Der Grund dafür, den Qualifizierungsbetrieb von Q-Prints & Service nach 13 Jahren infrage zu stellen: Das Sozialcontrolling der Stadtverwaltung befindet das von der EU geförderte Vorhaben als zu teuer, gemessen am Erfolg. Der „Goldene Anker“ sei jährlich durchschnittlich mit 352.000 Euro aus öffentlichen Fördergeldern (Stadt und ESF) bezuschusst worden, heißt es. Q-Prints-Geschäftsführerin Ute Hötzer korrigierte diese Summe in der Sitzung auf rund 250.000 Euro. Der Rest seien Lohnkostenzuschüsse wie bei jedem andern Betrieb auch. Davon seien laut Stadt rund 83.00 Euro auf die SGB-II-Maßnahme entfallen. Das Fazit: Es konnten 2017 und 2018 insgesamt fünf Teilnehmende integriert werden. Dies entspreche einer Quote von 13 beziehungsweise 18 Prozent. Die Abbruchquote habe gar bei 55 Prozent gelegen.

Der kommunale Zuschuss sei hauptsächlich in die Bereiche „Ausbildung“ und „Quafé Bausteine“ geflossen, die aber rückläufig seien. Es habe acht beziehungsweise fünf Teilnehmer gegeben. Die angestrebte Wirkung wurde nur bei insgesamt vier Betroffenen erzielt. Damit sei das Ziel verfehlt. Aus dem Bereich „Praktikum“ beziehungsweise aus der SGB-II-Maßnahme „Quafé“ seien gar keine Übergänge in die Bereiche der Qualifizierung erfolgt. Damit zeige sich, dass die Förderangebote nicht mehr griffen.

Pforzheim

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Das Geld aus der kommunalen Beschäftigungsförderung solle nur als eine Anschubfinanzierung dienen, erinnerte Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn. Eine Dauerfinanzierung des Projekts verzerre den Markt. Der „Goldene Anker“ funktioniert laut Verwaltung nur als Gesamtkonstrukt mit den verschiedenen Finanzierungssträngen. Eine Herauslösung einzelner Leistungsbereiche würde den Anteil der Fixkosten auf die anderen Bereiche verteilen und damit zu einem höheren Defizit führen. Aus Sicht der Verwaltung ist daher eine Neuausrichtung notwendig. Das betonte Fillbrunn auch in der Sitzung. Er würdigte aber auch die Arbeit des Trägers. Der gute Arbeitsmarkt habe dazu geführt, dass die verbleibenden Jobsuchenden schwierig in Projekte zu vermitteln seien. CDU-Stadtrat Andreas Renner forderte den Träger und Fillbrunn auf, gemeinsam ein besseres Konzept zu erarbeiten, um den Fortbestand der Einrichtung zu sichern. Nach Worten von Caritaschef Frank Johannes Lemke rechne sich das Vorhaben auch mit den vorliegenden Zahlen auf lange Sicht. AfD-Stadtrat Alfred Bamberger hält die Zuschüsse für rausgeschmissenes Geld.

Martina Schaefer

Martina Schaefer

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