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Der Tod des bekannten Pforzheimer SPD-Stadtrats und Arztes Ralf Fuhrmann hat Kollegen aus der Politik und Weggefährten schwer getroffen. 

"Liebenswerter Freund": Weggefährten trauern um Ralf Fuhrmann

Pforzheim. Der Tod des bekannten Pforzheimer SPD-Stadtrats und Arztes Ralf Fuhrmann hat Kollegen aus der Politik und Weggefährten schwer getroffen. Der 57-Jährige war am Donnerstag einer schweren Corona-Infektion erlegen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast schrieb: "Das ist unfassbar schwer. Ralf Fuhrmann kannte ich seit über 16 Jahren. Ein Mensch und Arzt mit dem Herz am rechten Fleck. Er wusste immer, was die Menschen bewegt - nicht nur vordergründig. Auf ihn konnte ich mich immer verlassen." Mast verliere einen " persönlichen Freund und einen sehr engen politischen Weggefährten".

"Er war ein Sozialdemokrat, wie ihn sich die SPD nur wünschen kann."

SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast über Ralf Fuhrmann

Fuhrmann habe die Stadt mit seiner ganzen Persönlichkeit geprägt: "Er hat Maßstäbe gesetzt. Er war ein Sozialdemokrat, wie ihn sich die SPD nur wünschen kann. Er hat die Menschen mit seiner Menschlichkeit überzeugt. Sein Humor war immer ansteckend." Die Lücke die Ralf Fuhrmann hinterlasse, sei nicht zu schließen. "Der einzige Trost", so Mast, "sind die vielen tollen Begegnungen. Mein tiefes Mitgefühl gilt seinem Mann und allen Hinterbliebenen."

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Ralf Fuhrmann mit seiner Fraktionskollegin Annkathrin Wulff.

"Gremium stark bereichert"

Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch schrieb: "Der Tod von Stadtrat Ralf Fuhrmann hat mich schwer schockiert und betroffen gemacht. Pforzheim verliert einen ausgesprochen engagierten und couragierten Bürger und Arzt, der sich um unsere Stadt sehr verdient gemacht hat. Auch für den Gemeinderat ist dies ein herber Verlust, Ralf Fuhrmann hat dieses Gremium durch seine unaufgeregte und sachliche Art über viele Jahre stark bereichert. Unsere Gedanken gelten in dieser schweren Stunde seinem Ehepartner und seiner Familie".

"Riesengroßer Verlust" für SPD-Fraktion

Die SPD-Fraktion veröffentlichte folgendes Statement: "Mit unendlich großer Trauer und Bestürzung müssen wir den viel zu frühen Tod unseres hochgeschätzten SPD-Fraktionsgeschäftsführers Ralf Fuhrmann bekanntgeben. Nach Tagen des Hoffens und Bangens ist es nun leider traurige Gewissheit, dass er den Kampf gegen den tödlichen Corona-Virus verloren hat.

"Wir verlieren mit Ralf Fuhrmann nicht nur einen überaus erfahrenen Stadtrat, sondern auch einen geliebten Freund."

SPD-Fraktion

Für die SPD hat sich Ralf Fuhrmann als langjähriger Kreisvorsitzender und Fraktionsvorsitzender große Verdienste erworben, ihn zu verlieren ist kaum fassbar und ein riesengroßer Verlust für uns alle.

Wir verlieren mit Ralf Fuhrmann nicht nur einen überaus erfahrenen Stadtrat, sondern auch einen geliebten Freund. Seinen Beruf als praktischer Arzt übte er mit großer Hingabe aus und mit der gleichen Leidenschaft engagierte er sich seit vielen Jahren im Stadtrat - während er dort auf der einen Seite einen pragmatischen Politikstil pflegte, das heißt auch den Konsens in der politischen Auseinandersetzung suchte, so hatte er doch auf der anderen Seite einen ganz klaren Kompass – er vertrat die Werte der SPD wie kaum ein anderer: Demokratie, Freiheit, Brüderlichkeit und Solidarität waren für Ralf Fuhrmann nicht nur progammatische Details sondern gelebte Werte, die er gegenüber Verfassungsfeinden vehement verteidigte. Seine ganze Leidenschaft galt von daher dem Kampf gegen den Rechtsextremismus, wie z.B. innerhalb des lokalen 'Bündnis gegen Rechts'.

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Pforzheim

Große Trauer um Ralf Fuhrmann: SPD-Stadtrat stirbt an Corona

Für uns war Ralf Fuhrmann aber nicht nur ein langjähriger politischer Weggefährte, sondern auch ein liebenswerter Freund, der einem in guten wie auch schwierigen Tagen immer verlässlich zur Seite stand, das persönliche Verhältnis zueinander war von großem gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt! Ralf Fuhrmann war ein fundierter Kenner unserer Stadt – wir verlieren mit ihm einen herausragenden Politiker, einen leidenschaftlichen Kämpfer für Gerechtigkeit und eine ganz besondere Persönlichkeit!

Unsere Gedanken sind in diesen Tagen aber ganz besonders bei seinem geliebten Ehemann Timur, wir hätten beiden noch so viele weitere glückliche Ehejahre gewünscht!

Wir trauern gemeinsam mit seiner Familie und wünschen ihnen viel Kraft in dieser schweren Zeit. Er wird uns sehr fehlen."

"Er sah jeden Einzelnen mit seinem ganzen Einfühlungsvermögen als bedeutend, wie er selbst auch war."

Johanna Kirsch, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins

Johanna Kirsch, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins und eine der stellvertretenden Vorsitzenden des SPD-Kreisverbands Pforzheim: "Die SPD Pforzheim ist in tiefer Trauer. Ralf Fuhrmann hat unsere Partei geprägt. Er hatte die Menschen und ihre Anliegen immer im Blick. Mit vollem Einsatz - nie für sich, sondern immer für alle. Wir können gar nicht fassen, dass er nicht mehr da ist."

Für sich selbst könne sie sagen: "Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ein Mensch so schnell wichtig und wertvoll in meinem Leben sein wird. Er sah jeden Einzelnen mit seinem ganzen Einfühlungsvermögen als bedeutend, wie er selbst auch war. Wir denken an Ralf und seinen Mann, dem wir von Herzen enorme Kraft wünschen."

Trauer und Bestürzung in der Lokalpolitik

„Wir sind erschüttert über den Tod eines verdienten Gemeinderatskollegen und fühlen mit seinem Ehemann und seiner Familie“, schrieb Hans-Ulrich Rülke, Vorsitzender der FDP/FW/UB/LED-Fraktion im Namen der zehn Stadträte.

Die CDU-Gemeinderatsfraktion zeigte sich tief erschüttert von der Nachricht: „Vielen von uns war er ein langjähriger Kollege, mit dem stets ein respektvoller Austausch über die Parteigrenzen hinweg möglich war. Sein christliches Wertefundament hatte immer etwas Verbindendes. Wir haben ihn sehr geschätzt und werden ihn vermissen. Unsere Gedanken sind bei seinem Ehemann und seiner Familie“, so die Fraktionsvorsitzende Marianne Engeser.

Auch der Pforzheimer Jugendgemeinderat zeigte sich betroffen: "Der Tod von Stadtrat Fuhrmann hat uns alle erschüttert. Wir fühlen mit seinem Ehemann und seiner Familie und wünschen Ihnen viel Kraft und Zuversicht in der schweren Trauerzeit."

Katrin Lechler, ehemalige Sprecherin der Initiative gegen Rechts und ehemalige Kreisvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen, zeigte sich zutiefst getroffen: "Vor nichtmal zwei Stunden hatte ich noch einer Freundin in Italien gemailt, dass ich nach wie vor niemanden kenne der mit COVID 19 infiziert, geschweige denn daran erkrankt ist. Dann der Blick auf pz-news.de... Das kann ich nun also nicht mehr sagen. Nun kenne (kannte) ich sogar jemanden, der daran/ damit gestorben ist - Ralf Fuhrmann. Ich bin zutiefst schockiert und getroffen. Während meiner Zeit als Sprecherin der Initiative gegen Rechts (bis 2018) war mir Ralf ein großartiger, engagierter Mitstreiter. Ich habe ihn über die Jahre als das Idealbild eines Politikers erlebt; vor allem: aufrecht. Und bei allem zutiefst menschlich und wunderbar humorvoll. Dass er krank war, wusste ich nicht, dabei wohnen wir nur wenige hundert Meter auseinander. Es ist wohl sinnbildlich für diese Zeit, dass man vor lauter Selbstisolation nichtmal mitbekommt, dass ein guter Freund schwer krank ist. Ralf wird in Pforzheim fehlen. Ich bin sehr traurig; es hat einen Falschen getroffen."

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Ralf Fuhrmann mit Pforzheims Ex-OB und SPD-Kollegen Gert Hager.

Für die Kreisärzteschaft Pforzheim-Enzkreis schrieb Sprecherin Nicola Buhlinger-Göpfarth: "Wir sind erschüttert über den Tod unseres Kollegen, der sich in seiner Hausarztpraxis um Patient*innen mit Corona-Verdacht gekümmert hat und nun selbst zum Todesopfer eines schweren Verlaufs der Erkrankung wurde, so der Vorstand der Kreisärzteschaft.

Ärztinnen und Ärzte in Niederlassung und Klinik, das Pflegepersonal und medizinische Fachangestellte sind durch das Coronavirus seit Beginn der Pandemie in besonderem Maße gefährdet und wir sind uns alle tagtäglich bewusst, dass es jeden und jede von uns treffen könnte. Wenn ein Kollege in Ausübung seines Berufes stirbt, macht das alle in der Kollegenschaft in besonderem Maße betroffen. Ralf Fuhrmann war ein engagierter Kollege, der sich der in herausragender Weise für die medizinische Versorgung der Bevölkerung eingesetzt hat.“ Die Kreisärzteschaft werde ihrem Kollegen ein ehrendes Andenken bewahren.

"Unermüdlich für die Schwächsten eingesetzt"

Caritasdirektor Frank Lemke wünscht sich, dass Fuhrmanns Wirkung in Erinnerung bleibt: "Der plötzliche Tod von Ralf Fuhrmann schreckt mich sehr auf. Mit ihm verlieren wir eine aufrichtige und in jeder Hinsicht achtbare Persönlichkeit, denn er hatte nicht nur ein soziales Gewissen, sondern vor allen Dingen seine Menschlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit wird unserer Stadtgesellschaft sehr fehlen. Ralf Fuhrmann setzte sich unermüdlich für die Schwächsten unter uns ein: Als Koordinator der freiwilligen ärztlichen Dienste in der Vesperkirche, als entschiedener Unterstützer von Menschen mit Handicap oder als Verfechter sozialer Werte ganz allgemein. Ich wünsche mir sehr, dass sein Tun lange in unserer Erinnerung bleibt und Vorbild für andere sein wird. Es wird schwer sein, diese Lücke zu füllen."

"Wir können es noch gar nicht fassen, es ging so schnell."

Claudia Jancura, Leiterin der Aids-Hilfe Pforzheim

Bis zuletzt auf seine Genesung gehofft, hat auch das Team der Aids-Hilfe Pforzheim, in der Ralf Fuhrmann seit 1994 ehrenamtlich im Vorstand tätig war und als HIV-Schwerpunktbehandler die medizinische Betreuung zahlloser Klienten übernommen hatte. „Wir können es noch gar nicht fassen, es ging so schnell“, fasst Leiterin Claudia Jancura die Stimmung des Teams zusammen. Mit keinem Ehrenamtlichen sei der Kontakt enger, kein Vordstandsmitglied so fest mit der alltäglichen Arbeit der Aids-Hilfe verbunden gewesen.

Vor allem sein Einsatz beim monatlichen "Checkpoint", in dem anonyme Tests auf sexuell übertragbare Krankheiten möglich sind, sei über die Jahre hinweg ein unverzichtbar gewesen. Welche Auswirkungen der plötzliche Tod Ralf Fuhrmanns, dessen Mann sich als Vorstandsvorsitzender ebenfalls für die Aids-Hilfe engagiert, für die Arbeitder Einrichtung habenwird, kann Jancura noch gar nicht einschätzen.

Ratskollegen mobilisiert

Als einziger HIV-Schwerpunktbehandler Pforzheims hinterlasse er nicht nur menschlich, sondern auch medizinisch eine "Versorgungslücke". Nicht zuletzt sei seine Stimme für die Aids-Hilfe, die seit ihrer Gründung 1985 immer wieder kurz vor dem finanziellen Aus stand, unerlässlich gewesen: "Er hat es immer wieder geschafft, Ratskollegen zu mobilisieren und ihnen klar zu machen, wie wichtig das Angebot für Stadt ist. Ihm hat man zugehört."

"Er war ein fürsorglicher Freund, menschlich und politisch. Er fehlt uns schon jetzt."

Uwe Dürigen, Verwaltungsdirektor des Pforzheimer Stadttheaters

Uwe Dürigen, Verwaltungsdirektor des Pforzheimer Stadttheaters, schrieb: "Mit unserem Theater war er in besonderer Weise sowohl als Privatmensch als auch als Stadtrat mit ganzem Herzen verbunden. Gerade im Umgang mit der Corona-Pandemie hat er mit hoher Fachkompetenz unser Theater mit Rat und Tat zum Schutze unserer Mitarbeiter unterstützt. Er war ein fürsorglicher Freund, menschlich und politisch. Er fehlt uns schon jetzt."

"Sein Lachen ging ihm buchstäblich immer voraus"

In einem gemeinsamen Nachruf haben das Bündnis Pforzheim nazifrei - Solidarisch gegen Hetze und Gewalt, das Forum Asyl Pforzheim, die Initiative gegen Rechts und die Seebrücke Schafft sichere Häfen! - Lokalgruppe Pforzheim dem verstorbenen SPD-Politiker gedacht: "Ralf Fuhrmann musste man nie ankündigen – sein Lachen ging ihm buchstäblich immer voraus. Und so sehr freundlich und lebensbejahend der 57-Jährige Arzt war, so fokussiert konnte er auch für die Rechte Anderer kämpfen und sich in vielen Organisationen, Bündnissen, in der SPD und im Gemeinderat Pforzheim engagieren und einsetzen. Um so größer das Entsetzen und die Betroffenheit über den plötzlichen Tod. Ein feiner Mensch, der in seinem Beruf als Arzt vielen Menschen tatkräftig bei ihren Leiden geholfen hat, wird viel zu früh aus seinem Leben gerissen.

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Vor fünf Jahren heiratete Ralf Fuhrmann seinen Partner Timur Piontek.

'Er war immer da und selbstlos tätig', so eine der vielen Stimmen am heutigen Tag, die den frühen Tod Fuhrmanns bedauern und das trifft es schon recht genau. Sein scharfer Verstand war von vielen Menschen gefragt, dabei suchte er jedoch immer den Ausgleich, wie Altstadtrat Jürgen Schroth betont und nachschickt: 'Er war immer ein guter Kerle.”'

Ein besonderes Anliegen für Ralf Fuhrmann war das engagierte Auftreten gegen Rechts. Hier positionierte Fuhrmann sich eindeutig, konnte aber auch mit feinem Witz punkten. So stellte er sich erst kürzlich bei einer Demonstration lächelnd einfach vor ein extremistisches Plakat und verdeckte es kurzerhand. 'Siehst ja', so Fuhrmann auf Nachfrage, 'ich habe ein breites Kreuz!'

Die Stadtgesellschaft verliert mit Ralf Fuhrmann eine der prägenden Personen ihrer Zeit.

Wir sind sehr traurig."