In vier praxisorientierten Workshops vertiefen die Teilnehmenden unterschiedliche Aspekte.
IB Süd
Pforzheim
Mehr Mitsprache gegen Radikalisierung: Wie Jugendliche in Pforzheim stärker beteiligt werden sollen

Pforzheim. Wer fühlt sich angesprochen, wer fühlt sich zugehörig und wer hat vielleicht längst das Gefühl, dass die eigene Stimme ohnehin nichts verändert? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 75 Fachkräfte beim Fachtag „Partizipation für alle?! – Jugendliche beteiligen, Radikalisierung vorbeugen, Demokratie stärken“ im Kupferdächle. Eingeladen hatten der Jugendmigrationsdienst Pforzheim/Enzkreis und die Partnerschaft für Demokratie Pforzheim des Internationalen Bunds in Pforzheim. Schirmherrin war Anita Gondek, Integrationsbeauftragte der Stadt.

„Wer beteiligt wird, gestaltet auch und wer gestaltet und ernst genommen wird, wendet sich der Demokratie und der Gemeinschaft zu – und nicht von ihr ab“,

betonte Bundestagsabgeordnete Katja Mast in ihrem digitalen Grußwort zu Beginn der Veranstaltung.

Damit brachte sie den Leitgedanken des Fachtags auf den Punkt: Beteiligung schafft Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, eigene Anliegen einzubringen und sich als wirksamen Teil der Gesellschaft zu erleben.

Wie Radikalisierungsprozesse entstehen und welche Möglichkeiten der Prävention bestehen, beleuchtete Karim Saleh von der Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) im Demokratiezentrum Baden-Württemberg in seinem Impulsvortrag „Radikal.Verstehen – Ursachen und Präventionsmöglichkeiten von Radikalisierung“. Dabei ging es um mögliche Warnsignale, Dynamiken extremistischer Ansprache und die Frage, wie Fachkräfte angemessen reagieren können. „Besonders wichtige Schutzfaktoren sind die Förderung von Empathie und Ambiguitätstoleranz, also der Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten“, so Saleh.

Vier Workshops

In vier praxisorientierten Workshops vertieften die Teilnehmenden unterschiedliche Aspekte: Mohamed Zakzak, Autor und Integrationsbeauftragter der Stadt Pforzheim, beleuchtete den Zusammenhang zwischen toxischen Männlichkeitsbildern, Zugehörigkeit und Radikalisierung. Mehmet Ildeş und Nidhi Prasad von Local Diversity zeigten auf, welche Hürden junge Menschen von Beteiligungsangeboten ausschließen können. Sonja Straßner von der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg stellte praktische Methoden für mehr Mitbestimmung vor. Medienpädagoge Kevin Matiszent widmete sich den Zugängen in digitalen Lebenswelten zwischen TikTok, Gaming und Telegram.

Die Workshops machten laut einer Pressemitteilung deutlich, dass Beteiligung mehr bedeutet, als junge Menschen nach ihrer Meinung zu fragen. Entscheidend sei, ihnen echte Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen und auch diejenigen zu erreichen, deren Perspektiven bislang zu wenig berücksichtigt werden. Die Referierenden seien sich einig gewesen, dass es dafür verlässliche Beziehungen und eine machtkritische Haltung braucht.

Neben fachlichen Impulsen bot der Fachtag Raum für Austausch und Vernetzung. Die Teilnehmenden erhielten unter anderem Anregungen, um Beteiligungsangebote inklusiver zu gestalten.