Unter dem Hashtag Kopftuchbescheinigung hatten auf Twitter zahlreiche User das Vorgehen der Stadt kritisiert und der Behörde Diskriminierung vorgeworfen.

Symbolbild dpa
Nach diesem Facebook-Post von Fatih Zingal hat es die Stadt Pforzheim mit einer Welle der Empörung zu tun und weist nun Vorwürfe der Diskriminierung und der Islamophobie entschieden zurück. (Die Unkenntlichmachung des Dokuments erfolgte bereits im Original-Facebook-Post. Die Unkenntlichmachung der Namen bei den Facebook-Kommentaren erfolgte durch die PZ. )
Pforzheim
Nach Debatte: Pforzheim erwägt Verzicht auf "Kopftuchbescheinigung"
  • lsw

Pforzheim. Nach einem Streit über eine sogenannte Kopftuchbescheinigung erwägt die Stadt Pforzheim, künftig auf den Nachweis zu verzichten. Das sagte der Sprecher der Stadt, Stefan Baust, am Dienstag.

Der Streit hatte sich am Führerscheinantrag einer Muslimin entzündet. Die Frau hatte auf dem Antrag ein Foto eingereicht, auf dem sie ein Kopftuch trägt. Die Stadt hatte daraufhin eine "Kopftuchbescheinigung" verlangt, in der eine Moschee den muslimischen Glauben der Frau beglaubigen sollte.

Unter dem Hashtag Kopftuchbescheinigung hatten auf Twitter daraufhin zahlreiche User das Vorgehen der Stadt kritisiert und der Behörde Diskriminierung vorgeworfen. Das hatte die Stadt zurückgewiesen, das Verfahren werde seit Jahrzehnten so angewendet. Jedoch sei die Aufforderung im konkreten Fall "sprachlich missglückt" gewesen, sagte Baust am Dienstag. Es sei nicht um die Frage gegangen, ob die Frau ein Kopftuch trägt, sondern ob sie muslimischen Glaubens sei. Weder das Schreiben an die Frau insgesamt noch die Formulierung "Kopftuchbescheinigung" würden von der Stadt standardmäßig verwendet.

Die Stadt kann über ihr Verfahren eigenständig entscheiden. Zwar ist eine Kopfbedeckung auf dem Lichtbild in der Passverordnung verboten. Ausnahmen könnte die ausstellende Behörde jedoch "insbesondere aus religiösen Gründen" zulassen. Wie die Stadt künftig verfahren will, wenn sich Antragsteller auf diese Ausnahme aus Glaubensgründen berufen, werde derzeit noch intern diskutiert, sagte Baust.

Weinheimer Passamt weist Frau mit Vollschleier ab

Mit dem Abweisen einer vollverschleierten Frau hat die Stadtverwaltung von Weinheim im Rhein-Neckar-Kreis eine Diskussion über die Akzeptanz des Gesichtsschleiers ausgelöst. Die deutsche Staatsbürgerin hatte sich geweigert, beim Passamt der Kommune den Schleier abzulegen - die Mitarbeiterin wies sie daraufhin ab, weil sie die Identität nicht klären konnte. 

Mehr zum Thema:

Kopftuch-Debatte: Karlsruhe, Stuttgart und der Enzkreis verzichten auf Bescheinigungen

„Kopftuchbescheinigung“ gefordert: Stadt Pforzheim löst Kopftuch-Streit aus

Amt weist Frau mit Vollschleier ab - Stadt appelliert an Gesetzgeber