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Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot am Unglücksort. © Tilo Keller
11.06.2019

Nach verheerendem Brand in Pforzheim: So geht es den Verletzten

Pforzheim. Es waren schlimme Bilder, die sich den Rettungskräften und zahlreichen Anwohnern am Pfingstmontag boten: Ein Mehrfamilienhaus an der Gymnasiumstraße in Pforzheim stand lichterloh in Flammen, neun Personen wurden insgesamt verletzt - zwei von ihnen lebensgefährlich. Am Tag nach dem Feuer hat die Polizei Auskunft zum Zustand der Verletzten gegeben.

So geht es den Verletzten

Die zwei besonders schwer Verletzten schweben nun nicht mehr in Lebensgefahr, bestätigte ein Polizeisprecher am Dienstagnachmittag. Sie erlitten beide eine starke Rauchgas-Intoxikation und befinden sich inwzischen auf dem Weg der Besserung. 

Die Feuerwehr sowie die Polizei und das Rote Kreuz waren am Montag um 12.30 Uhr mit einem Großaufgebot zu dem verheerenden Brand ausgerückt und hatten die Menschen aus den Flammen befreit. Das gesamte Haus wurde durch die Flammen unbewohnbar. Elf Bewohner – es sind keine Familien mit Kindern darunter – sind bis Dienstagvormittag in einer Pension untergekommen und nach und nach auf städtische Wohneinheiten verteilt worden: acht fanden bereits im Eutinger Tal eine Notunterkunft, zwei weitere werden folgen – sie sind zunächst noch privat untergebracht –, und ein Mann wird auf eigenen Wunsch im Wichernhaus eine vorübergehende Bleibe finden. Am Haus entstand ein immenser Sachschaden von rund 200.000 Euro. 

Sieben Verletzte nach Brand in Mehrfamilienhaus in Pforzheim

Gaffer wurden weggeschickt

Für große Aufregung sorgten außerdem rund 50 Schaulustige, die von den Polizisten aufgefordert wurden, Abstand vom Unglücksort und vor allem von den Verletzten zu halten. Da sie den Aufforderungen der Beamten direkt nachkamen, hätte ihr Verhalten keine weiteren Folgen wie etwa Bußgelder, so ein Polizeisprecher am Dienstag.

Brandursache noch unklar

Was die verheerenden Flammen ausgelöst hat, ist bislang noch Gegenstand der Ermittlungen. Das Baurechtsamt muss nun prüfen, ob die Verkehrssicherheit gewährleistet ist – Grundvoraussetzung für eine Begehung durch einen Brandsachverständigen, der beurteilen muss, wie hoch der Schaden tatsächlich ist und welche Maßnahmen zu treffen sind. Die Feuerwehr, die mit drei Dutzend Kräften und elf Fahrzeugen im Einsatz war, hat den Zugang aus Sicherheitsgründen abgesperrt.

Nichtsdestotrotz ruft das Unglück schlimme Erinnerungen wach. Bereits Anfang März waren ebenfalls an der Gymnasiumstraße drei Menschen schwer verletzt worden. Eine tote Taube im Abgasrohr soll damals zu einer lebensgefährlich hohen CO-Konzentration in der Wohnung geführt haben.

Bildergalerie: Mehrere Verletzte nach Wohnungsbrand in Pforzheim

Mehr lesen Sie am Mittwoch, 12. Juni, in der Pforzheimer Zeitung oder im E-Paper auf PZ-news.de!

Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?

Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden.

Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden.

Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen.

Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok