Pforzheim. Das schnelle und mutige Eingreifen von zwei zufällig in der Nähe der Gymnasiumstraße vorbeifahrenden Feuerwehrmännern könnte zumindest zwei Frauen das Leben gerettet haben. Am Freitagabend waren die Wehrleute im Bereich der Oststadt unterwegs, als ein Alarm einging, der darauf schließen ließ, dass drei Menschen mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung in einer Wohnung an der Gymnasiumstraße 85 liegen würden.
Ohne Atemschutz hatten sie die drei Personen aus der Wohnung in den Hausflur gezogen, bevor die nachrückenden Kollegen die in akuter Lebensgefahr schwebenden CO-Opfer vors Haus tragen konnten.
Die beiden betroffenen Frauen, Mutter (47 Jahre) und Tochter (22 Jahre), wurden dann in Spezialkliniken nach Ludwigsburg und Murnau (Bayern) verbracht, wo in speziellen Druckkammern Sauerstoff ins Blut gepumpt wurde, der zuvor vom Kohlenmonoxid blockiert wurde. Sie befinden sich inzwischen außer Lebensgefahr. Auf so eine gute Nachricht scheint man inzwischem beim dritten CO-Opfer, einem 39-jährigen Mann, hoffen zu können. Auch wenn es dem in einer Spezialklinik in Straßburg liegenden Mann inzwischen etwas besser geht, ist der Zustand immer noch kritisch.

Gasaustritt in Pforzheim: Drei Personen in Lebensgefahr
Am Montag waren Kriminaltechniker vom Landeskriminalamt am Unglücksort, um einen Kohlenmonoxid-Test durchzuführen. Der muss jetzt noch einmal in Anwesenheit eines Kaminkehrers durchgeführt werden. Es sieht aber so aus, als könnte tatsächlich die immer noch tot im Abgasrohr liegende und das Ausströmen der Verbrennungsgase verhindernde Taube die Ursache für den Kohlenmonoxidstau in der Unfallwohnung gewesen sein. Die mit dem Abgasrohr verbundene Gastherme habe keine Abgasüberwachungseinrichtung gehabt, erklärt ein Polizeisprecher. Das deutet darauf hin, dass es sich dabei um ein schon betagteres Exemplar handelt, das deutlich älter als 20 Jahre sein muss. Inzwischen haben alle moderneren Gasthermen jene Abgasüberwachungseinrichtung, die automatisch verhindert, dass Abgase in den Wohnraum ausströmen.
Druckkammern werden zu Lebensrettern
Für alle drei Schwerverletzten von der Gymnasiumstraße in Pforzheim bestand Lebensgefahr. Sie mussten laut DRK-Pressesprecherin Daniela Kneis in Druckkammern gebracht werden. Diese sind allerdings rar gesät. So wurde einer der Verletzten nach Ludwigsburg gebracht, die anderen nach Straßburg und Murnau in Bayern. Besonders dramatisch an dem Pforzheimer Fall: Die angeforderten Helikopter konnten nicht zur Einsatzstelle kommen. Die Wetterbedingungen seien für einen Flug zu wechselhaft gewesen.
In den Druckkammern fühlen sich die Körper so an, als wären sie unter Wasser in mehreren Metern Tiefe. Das physikalische Prinzip: Je höher der Druck, desto mehr Gas löst sich in einer Flüssigkeit. Und so atmen die Patienten in der Druckkammer über Schläuche reinen Sauerstoff ein. Der Überdruck löst den Sauerstoff in Blut, Zell- und Lymphflüssigkeit besser auf, die Organe werden wieder mit Sauerstoff versorgt. Die Behandlung einer CO-Vergiftung kann mehrere Tage dauern.
Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden. Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden. Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen. Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok |
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