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Ein Kohlenmonoxidalarm haben Rettungskräfte und die Feuerwehr nach Niefern eilen lassen. Ein Mensch wurde schwer verletzt, drei weitere kamen zur Untersuchung ins Krankenhaus. © Tilo Keller
Ein Kohlenmonoxidalarm haben Rettungskräfte und die Feuerwehr nach Niefern eilen lassen. Ein Mensch wurde schwer verletzt, drei weitere kamen zur Untersuchung ins Krankenhaus. © Tilo Keller
26.02.2018

Kohlenmonoxid-Alarm in Niefern: Vier zum Teil schwerverletzte Hausbewohner

Niefern-Öschelbronn. Ein Kohlenmonoxidalarm hat Rettungskräfte und die Feuerwehr an die Hauptstraße nach Niefern eilen lassen. Am Montagabend um 18.31 Uhr wurden Rettungskräfte zu einer bewusstlosen Person gerufen. Bei ihrem Einsatz schlugen die CO-Melder an ihren Einsatzjacken an, was die sofortige Alarmierung der Feuerwehr bedingte, schließlich hätten sich noch andere Menschen im Haus in Lebensgefahr befinden können.

Bildergalerie: CO-Alarm in Niefern: Vier Verletzte

Kohlenmonoxid-die unsichtbare Gefahr

Eile war geboten, denn Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruchloses, farbloses Gas, das den Tod auf schleichende Art herbeiführen kann. Die Feuerwehren aus Niefern, Öschelbronn und Mühlacker rückten mit neun Fahrzeugen und 40 Mann an, der stellvertretende Kommandant der Wehren aus den beiden Gemeindeteilen erhielt Unterstützung vom stellvertrenden Kreisbrandmeister Manfred Wankmüller, dazu kamen Streifenwagen der Polizei, zwei Notärzte, der Leitende Notarzt, der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes, zwei Rettungswagen von DRK und ASB, ein Krankentransportwagen und die Ehrenamtlichen der Nieferner und Öschelbronner Ortsvereine des Deutschen Roten Kreuzes.

Eine schwer verletzte Person, die bereits ohnmächtig war, musste zur Behandlung in einer speziellen Druckkammer in einer Fachklinik gefahren werden. Drei Leichtverletzte mussten zur Untersuchung der Blutwerte in eine Pforzheimer Klinik gefahren werden, was möglicherweise weitere Behandlungsschritte erforderlich gemacht hat.

Mit Atemschutz ins Haus

Mit Atemschutzgeräten, so Rouven Spankus, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehren Niefern und Öschelbronn, waren Feuerwehrleute ins Wohn- und Geschäftshaus an der Hauptstraße vorgedrungen. Mehrere Hausbewohner mussten evakuiert, mögliche CO-Quellen abgestellt und das ganze Gebäude durchlüftet werden. Spezialisten der Stadtwerke Pforzheim kamen ebenfalls hinzu. Die Ursache für die hohe Kohlenmonoxid-Konzentration scheint aber noch nicht gefunden zu sein. Inzwischen wurde der Schließzylinder am Haus ausgetauscht, damit niemand zurückkehren und sich einer Gefahr aussetzen kann. Der Hausbesitzer wird nun mit weiteren Spezialisten die Ursachenforschung übernehmen müssen.

Wie Birgit Förster, Bürgermeisterin von Niefern-Öschelbronn, gegenüber PZ-news erklärte, habe sie mit Ordnungsamtsleiter Pascal Nouvel die Unterbringung der zumindest für die Nacht auf Dienstag obdachlos gewordenen 20 Hausbewohner organisiert. Im Hotel „Krone“ wurden elf Doppelzimmer reserviert. „Das schnelle Zusammenspiel von Rotem Kreuz, Polizei und Feuerwehr hat mir sehr gut gefallen“, lobte sie das kompetente, koordinierte Eingreifen aller Beteiligten. Für Birgit Förster war es das erste Mal als Bürgermeisterin, zu solch einem großen Einsatz gerufen zu werden.

In Pforzheim gab es im vergangenen Jahr zwei Fälle, die für Aufsehen sorgten.

Um bei niedrigen Temperaturen nicht frieren zu müssen, stellten zwei Männer Anfang Dezember in einem für die Übernachtung genutzten Industriebau an der Frankstraße ein benzinbetriebenes Notstromaggregat auf, um damit ein Heizgerät zu betreiben. Einer der beiden starb in der Nacht auf Samstag durch die ausgetretenen Gase des Stromerzeugers.

Ende März wurde einem Gast einer Shisha-Bar an der Bleichstraße plötzlich übel. Der Mann war dann kurzzeitig bewusstlos. Die Feuerwehr Pforzheim konnte eine stark erhöhte Konzentration an Kohlenmonoxid (CO) messen. Daraufhin wurde die Bar geräumt. Vier weitere Gästen und der Bar-Betreiber wurden zur Behandlung der CO-Intoxikation in Pforzheimer Krankenhäuser eingeliefert.

Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?

Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden.

Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden.

Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen.

Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok

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