Mohamed Zakzak, Inklusionsbeauftragter der Stadt Pforzheim, Anne Marie Rouvière-Petruzzi, Behindertenbeauftragte des Enzkreises (Zweite von rechts), und Regina Ehrismann, Geschäftsführerin bei pro familia (rechts), freuen sich mit Susanne Knöller, Vorsitzende von „Menschen in Not“ (links), über den Lift.
Röhr
Pforzheim
Neuer Lift bei pro familia: PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ unterstützt barrierefreien Zugang zur Beratungsstelle

Für die einen sind es nur ein paar Stufen. Für andere können diese darüber entscheiden, ob sie eine Beratungsstelle überhaupt erreichen. Genau diese Hürde gab es bislang bei pro familia in der Oststadt. Nun sorgt ein neuer Außenlift dafür, dass Menschen im Rollstuhl oder mit anderen körperlichen Beeinträchtigungen deutlich leichter in die Beratungsstelle kommen.

Wie wichtig das ist, zeigte sich schon vor der Fertigstellung. Eine schwangere Rollstuhlfahrerin hatte sich für eine Beratung angemeldet. Weil sich der Bau verzögerte, musste ihr Termin um zwei Wochen verschoben werden. Kurz darauf konnte sie den neuen Lift als eine der Ersten nutzen.

„Der Lift wird wirklich schon von Anfang an sehr gut genutzt“, sagt Regina Ehrismann, Geschäftsführerin von pro familia Pforzheim und Mitglied im Projektbeirat von „Menschen in Not“. Inzwischen werde er mehrmals pro Woche gebraucht, teilweise sogar mehrfach am Tag.

„Es ist tatsächlich häufiger, als wir gedacht haben.“

Für Ehrismann ist damit ein langer Wunsch Wirklichkeit geworden. Schon seit Jahren wurde nach einer Lösung gesucht, verschiedene Rampenvarianten erwiesen sich wegen der baulichen Gegebenheiten als schwierig. „Ich bin richtig, richtig glücklich, dass wir das geschafft haben“, sagt sie.

Experte macht den Test

Auch Mohamed Zakzak, Inklusionsbeauftragter der Stadt Pforzheim, hat die Entwicklung lange verfolgt. Wie gut die neue Lösung im Alltag funktioniert, testete er gleich selbst: Zakzak sitzt im Rollstuhl und unternahm beim Termin eine Probefahrt mit dem Lift. „Ich habe mich immer gefragt: Wann kommt der Lift, wann kommt der Lift?“, sagt er. Umso größer sei die Freude gewesen, als das Projekt endlich umgesetzt wurde. Für ihn ist entscheidend, dass Menschen mit Behinderungen Angebote nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erreichen können.

Anne Marie Rouvière-Petruzzi, Beauftragte des Enzkreises für die Belange von Menschen mit Behinderung, sieht darin ein wichtiges Exempel für gelungene Barrierefreiheit. „Es ist ein tolles Beispiel, wie man eine Beratungsstelle für alle schaffen kann – auch im Bestand.“ Gerade ältere Gebäude stellten häufig eine große Herausforderung dar. Umso wichtiger sei es, Lösungen wie diese zu finden. Der neue Lift kostete insgesamt rund 60.000 Euro. Aktion Mensch beteiligte sich mit 10.000 Euro, außerdem trugen die Vermieterin und pro familia selbst einen großen Teil der Kosten. Weil die Preise während der langen Planung stiegen, blieb jedoch eine Finanzierungslücke. „Menschen in Not“ half mit 7500 Euro.

Für Susanne Knöller, die Vorsitzende von „Menschen in Not“, war die Entscheidung schnell getroffen. „Das lief im Projektbeirat ohne Diskussion“, sagt sie.

Ganz fertig ist die Arbeit an der Barrierefreiheit der Beratungsstelle noch nicht. Die Klingel soll besser erreichbar werden, auch Beschilderung und Parksituation könnten noch verbessert werden. Doch der wichtigste Schritt ist getan. Für Menschen, die bislang vor den Stufen standen, ist der Unterschied nun ganz konkret: Die Tür zu Beratung und Unterstützung ist jetzt tatsächlich für alle erreichbar.