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08.07.2009

Opfer begeht Selbstmord nach Vergewaltigung durch Mitbewohner

PFORZHEIM. Ein 28- und ein 34-Jähriger sollen im vergangenen Oktober einen Mann mit einem Vibrator brutal vergewaltigt haben. Seit Mittwoch stehen sie vor Gericht. Das Opfer hatte im März Selbstmord begangen.

Thomas G. (alle Namen geändert) war das, was man gemeinhin einen armen Hund nennt – in jeder Hinsicht. Menschen wie ihn gibt es zuhauf in dem Problem-Anwesen Durlacher Straße 6. G. traf das Schicksal besonders hart: In der Nacht auf den 22. Oktober 2008 soll er in der Wohnung von Alois K. – es war eines von über 60 Ein-Zimmer-Appartements – von zwei Männern mit einem Vibrator vergewaltigt worden sein. Erwin S., 28, und Paul H., 34, äußern sich nicht zu dem Vorwurf. Sie stehen seit gestern vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim. Vorsichtshalber hat die Kammer insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt. Es steht viel auf dem Spiel für die Angeklagten. Sollte das Gericht dem Anklagevorwurf von Oberstaatsanwältin Gabi Gugau zustimmen, drohen den mehrfach vorbestraften und aus Strafhaft vorgeführten Hauptangeklagten Sicherungsverwahrung (S.) beziehungsweise Unterbringung in der Psychiatrie (H.).

Einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte, lieferte zu Prozessauftakt Paul H.: Er unterstellte der Justiz „kriminelle Machenschaften“ und rügte „lächerliche Beweismittel“. Nachdem er in einer Verhandlungspause lautstark seinen Pflichtverteidiger zur Schnecke gemacht hatte, legten Wachtmeister dem Angeklagten auf Anordnung des Kammervorsitzenden Hermann Meyer für den Rest des Prozesstages vorsorglich Handschellen an. H. bringt sieben Jahre Knasterfahrung mit.

Wenig brauchbare Aussagen

Ein aggressiver Umgang mit dem Messer zu Lasten anderer brachten Erwin S. in jüngster Zeit zwei Haftstrafen von zwei Jahren beziehungsweise einem Jahr und drei Monaten ein. Auf seinen nachdrücklichen Befehl soll Alois K. den eine Etage über ihm wohnenden G. abgeholt haben. In der alkoholisierten Runde soll S. sein Opfer brutal gedemütigt und H. ihn dabei unterstützt haben. K. macht alkoholbedingte Erinnerungslücken für seine wenig erhellenden Aussagen vor Gericht geltend, das in den nächsten Wochen diverse Zeugen hören wird. Das Opfer ist nicht darunter.Thomas G. sprang im März aus dem Fenster. Er ist tot.

Der Prozess wird am Montag, 13. Juli, 9 Uhr, fortgesetzt.