Eine Schau: Peter Bochs Profil (links) neben Stefan Mappus in der aktuellen ARD-Doku zu Stuttgart 21 .
Screenshot: ARD-Mediathek, „Stuttgart 21 –die Jahrhundertbaustelle“
Pforzheim
Personenschützer für Ex-Personenschützer gesucht: Nächste politische Niederlage für Pforzheims OB Boch

„Hat Peter Boch denn keine Leute, die es gut mit ihm meinen und ihn davor warnen, politisch immer und immer wieder ins offene Messer zu laufen?“

Eine Kolumne von PZ-Redakteur Claudius Erb

Dieser Blick – leer, ausdruckslos, irgendwie desillusioniert. Zugegeben, die markante Seitenansicht Peter Bochs stammt aus dem Jahr 2010, als der heutige Pforzheimer Oberbürgermeister (CDU) noch Personenschützer des kurzzeitigen Pforzheimer Ministerpräsidenten Stefan Mappus (ebenfalls CDU) war. Und ziemlich sicher rührt der Blick daher, dass Boch da gerade Wichtiges aufs Ohr bekam, um seinen Schutzbefohlenen zu sichern. Schließlich war der gerade damit beschäftigt, eine betagte Stuttgart-21-Gegnerin ordentlich in den Senkel zu stellen.

Doch ähnlich glücklos wie jener, hier beim Tag der offenen Tür in der Villa Reitzenstein, agiert dessen früherer Aufpasser heute. Irgendwie scheinen ja gerade Pforzheim-Wochen im TV zu sein. Hiesige Hobbyköche messen sich bei „Das perfekte Dinner“, eine Pforzheimerin sucht bei „Love Island“ die große Liebe oder zumindest den kleinen Flirt, der Eutinger Landtagsabgeordnete Andreas Renner kurvt trällernd durch die ZDF-Doku „Inside CDU“. Im Vergleich dazu hat der als „Undercover Boss“ erfahrene Boch nicht wirklich einen Paradeauftritt. Schließlich ist die ARD-Doku „Stuttgart 21 – Die Jahrhundertbaustelle“ die schonungslose Aufarbeitung einer schier unendlichen Serie von Pleiten, Pech und Pannen.

Hier eher Statist, spielt Peter Boch inzwischen in Pforzheim als jüngst wiedergewählter Rathauschef dauerhaft die Hauptrolle. Was sollen wir sagen: Gerade ist es ein Drama. Nicht nur, weil die von Boch so oft beschworene und glorifizierte „Smart City“ laut derzeitigem Ranking eher den Titel „Fax-Stadt“ tragen sollte. Nicht nur wegen der weiter zwischen Kritik und Spott pendelnden Reaktionen auf seinen Zweitjob als Berater. Nicht nur, weil nach den Querelen um die frühere Stadtwerke-Spitze er selbst wie der Steuerzahler die großen Verlierer sind. Nicht nur, weil Boch mit seinem Bestreben, Oliver Reitz’ Arbeit mit einem unbefristeten Vertrag zu honorieren, krachend scheiterte, was den WSP-Chef eher beschädigte. Sondern auch, weil Boch gerade in diesen Zeiten seine eigenen finanziellen Machtbefugnisse als Verwaltungschef gehörig ausbauen wollte – was völlig in die Hose ging. Den leeren Blick konnte man sich dabei nur vorstellen. Denn der Erste Bürgermeister Dirk Büscher musste die denkwürdige Hauptausschuss-Sitzung führen und Bochs Niederlage irgendwie moderieren, während sein Chef auf der Expo Real in München weilte.

Man fragt sich: Hat Peter Boch denn keine Personenschützer, also Leute, die es gut mit ihm meinen und ihn davor warnen, politisch immer und immer wieder ins offene Messer zu laufen? Selbst aus seiner CDU gab es entschiedene Kritik am Machtstreben des OB. CDU-Stadtrat Martin Erhardt sprach in der Sitzung sogar explizit die unrühmliche Stadtwerke-Sache an. Dabei, das bestätigten Büscher wie Stadträte anderer Fraktionen, war die avisierte Satzungsänderung zuvor dreimal im Ältestenrat auf den Tisch gekommen. Einem Gremium, das dazu da ist, haarige Vorhaben intern so abzuklopfen, dass sie eben nicht zum öffentlichen Politikum und zur Klatsche werden. „Es wäre gut gewesen, das im Vorfeld klarer zu kommunizieren und der Verwaltung mitzuteilen, was Sie wollen und was nicht“, sagte Büscher zu den Räten. Und Rechtsamtsleiter Detlef Wagner seufzte: „Nichts ist schrecklicher als eine Bauchlandung.“ Es sei denn, man kalkuliert solch eine Bauchlandung bewusst ein und ergötzt sich gar daran, dass da einer derart blauäugig zu Werke geht. Und dann an dessen leerem Blick.

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