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Schwere Schäden richtete der Tornado in der Bleichstraße an. Foto: Stadtarchiv
Der Verlauf des Tornados 1968. Grafik: PZ
11.06.2018

Pforzheimer Tornado am 10. Juli 1968: Der lange Weg des tödlichen Wirbels

Pforzheim. Es war Pforzheims schlimmste Nacht seit dem Zweiten Weltkrieg: Am späten Abend des 10. Juli 1968 fegte ein Tornado über die Stadt und die Region und hinterließ eine Schneise der Verwüstung.

Noch immer haben diejenigen, die den Tornado miterlebt haben, Fragen über dieses gewaltige Naturschauspiel. Die PZ gibt mithilfe eines Experten Antworten.

Was versteht man unter einem Tornado?

Ein Tornado ist eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine senkrechte Achse rotiert. Der Tornado ist das speziellste und extremste Gewitterphänomen.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein Tornado entstehen kann?

Obwohl Meteorologen seit Jahrzehnten Tornados erforschen, ist noch nicht eindeutig geklärt, wie sie entstehen. Zunächst ist eine Schauer- oder Gewitterwolke, die sich in der Atmosphäre hoch auftürmt, nötig. Laut Uwe Schickedanz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart müssen drei Voraussetzungen gegeben sein. Erstens: Thermische Labilität, das bedeutet extrem hohe Temperaturunterschiede zwischen höherer und bodennaher Atmosphäre. Augenzeugen des Pforzheimer Tornados berichten immer wieder von einer enormen Hitze und Schwüle an jenem Sommerabend. Die zweite Voraussetzung ist eine sogenannte horizontale Scherung. Darunter versteht man große Unterschiede in den Windrichtungen in den verschiedenen Höhen. Zudem muss die aufsteigende Luftmasse feucht sein.

Der Weg des zerstörerischen Tornados am 10. Juli 1968

Wie bildet sich dann ein Tornado?

Wegen der großen Temperaturunterschiede entstehen in der Wolke starke Aufwinde auf engstem Raum. Ändern sich die Windrichtung und -geschwindigkeit mit zunehmender Höhe, beginnt die Luft zu rotieren. Auch unter der Wolke setzt sich dieser Prozess fort. Es entsteht ein Schlauch aus Staub und Wassertropfen (siehe Grafik). An seinem Rand werden Windgeschwindigkeiten von bis zu mehreren hundert Stundenkilometern erreicht. Am 10. Juli 1968 waren all diese Bedingungen erfüllt.

Bildergalerie: Tornado am 10.7.1968 über Rudmersbach

Was zeichnet den Pforzheimer Tornado aus?

Der Tornado in Pforzheim erreichte auf der Fujita-Skala die zweithöchste Stufe 4. Hier bewegen sich die Windgeschwindigkeiten zwischen 325 und 400 Stundenkilometer. „Die Heftigkeit des Pforzheimer Tornados ist für mitteleuropäische Verhältnisse sehr, sehr selten“, betont Schickedanz. Hier herrschen in der Regel nicht so große Scherung und derart große Labilitäten wie über Nordamerika. „Aber es kann im Ausnahmefall schon so heftig werden.“

Mehr lesen Sie am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Die PZ blickt am 4. Juli um 19 Uhr im PZ-Forum auf den Tornado, seine Entstehung und seine Folgen zurück. Zum einen werden dabei historische und neue Film- und Tonaufnahmen zu sehen und hören sein. Zum anderen werden Augenzeugen und Experten auf dem Podium über den zerstörerischen Sturm berichten. Der Eintritt ist frei. Anmeldung per E-Mail an verlag@pz-news.de oder telefonisch unter (07231) 933125.