CSD Flagge Zeigen Aidshilfe (vl. Caleb Davis, Denis Hasani, Claudia Jancura, Grit Butz)
Das Team von Queer-Space.
Röhr
Pforzheim
Queere Menschen in Pforzheim müssen viele Hürden überwinden
  • pm

Pforzheim. Über das von der Ampel-Koalition geplante Selbstbestimmungsgesetz hat sich die grüne Bundestagsabgeordnete Stephanie Aeffner mit den Verantwortlichen und Besuchern des Queer Space ausgetauscht. Seit 2017 bietet die bei der Aidshilfe angesiedelte Beratungsstelle queeren Menschen Unterstützung in allen Lebenslagen.

Insbesondere die Personenstandsänderung, um den Geschlechtseintrag ändern zu lassen, ist dort häufig Thema und bindet viele Ressourcen. „Die Personenstandsänderung ist nur ein Schritt auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben, den viele queere Menschen gehen, aber bisher ein unnötig schwieriger. Mit dem Selbstbestimmungsgesetz lösen wir das in Teilen verfassungswidrige Transsexuellengesetz ab und sorgen dafür, dass eine unbürokratische Lösung geschaffen wird“, so Aeffner.

Seit dem Start des Queer Space betreut Caleb Davis die Klienten. Die Begleitung einer Personenstandsänderung beanspruche durchschnittlich zehn Stunden Arbeitszeit. Hinzu komme die finanzielle Belastung: Die Kosten für die psychologischen Gutachten und das Gerichtsverfahren müssten von den Antragsstellern getragen werden.

Für die überwiegend jungen Klienten des Queer Space sei das ein Problem. „Es gibt zu viele Hürden. Deshalb ist es für die Betroffenen so wichtig, dass das Selbstbestimmungsgesetz schnellstmöglich kommt“, unterstrich Davis.

Mit dem neuen Gesetz soll eine Selbstauskunft beim Standesamt für die Änderung des Geschlechtseintrags im Personenstand ausreichen. „Dieses neue Verfahren ist absolut erforderlich, damit die Menschen den vollen Respekt und die volle Akzeptanz ihrer Person erfahren“, so Aeffner. Bereits Ende des Jahres soll der Gesetzesentwurf verabschiedet werden, um in der zweiten Jahreshälfte 2023 in Kraft zu treten.

Die Klienten seien dankbar für die Unterstützung, die sie beim Queer Space erhalten. „Ohne diese Hilfe wäre ich schon am Ausfüllen der Formulare gescheitert“, berichtete einer. Doch auch der soziale Faktor spiele eine Rolle. „Ich wüsste gar nicht, wohin ich mich wenden sollte“, so ein anderer Besucher. Der Bedarf an Beratung in der überwiegend durch Spenden finanzierten Anlaufstelle wachse stetig, erklärte die Leiterin der Aidshilfe, Claudia Jancura. Vor allem junge Menschen suchten Unterstützung. „Etwa 80 Prozent unserer Klienten sind jünger als 30 Jahre“, sagte Davis. Sie alle wünschten sich mehr Sichtbarkeit, bessere Aufklärung sowie geschützte Räume.

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