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Michael Stürzenberger, prominentes Mitglied der rechtspopulistischen Bürgerbewegung „Pax Europa“, wettert hinter einer Absperrung.  Foto: Meyer 

Rechtspopulisten und Gegendemonstranten liefern sich in Pforzheim heftige verbale Auseinandersetzung

Pforzheim. Die Situation auf dem Leopoldplatz hat am Samstag groteske Züge. Ein knappes Dutzend Menschen versammelt sich in einem abgesperrten Bereich seitlich der Schlössle-Galerie. Michael Stürzenberger, das prominenteste Mitglied der rechtspopulistischen Bürgerbewegung „Pax Europa“, wettert inmitten der vergitterten Barrikaden gut sieben Stunden gegen die islamischen Ausprägungen in Deutschland. Davor hält eine Armada von Polizisten und hält die gut 80 Gegendemonstranten auf Abstand zu Stürzenberger. Polizei trennt demonstrierende Gruppen durch eine Absperrung. „Pax Europa“-Sprecher Michael Stürzenberger mit scharfen Aussagen.

Kaum hat Stürzenberger um kurz nach 12 Uhr die ersten Worte gesprochen, fordert ihn ein älterer Mann zum Gehen auf. Das ehemalige CSU-Mitglied Stürzenberger gilt als umstritten und längst hat der Verfassungsschutz ein Auge auf ihn geworfen. Er reist von Stadt zu Stadt, um seine Botschaften zu verbreiten.

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Zahlreiche Gegendemonstranten stellen sich mit einem Banner vor der Schlössle Galerie auf. Foto: Meyer

In Pforzheim macht er schnell deutlich, was er von den Lehren des Islams hält. Immer wieder zitiert er Koran-Suren, die beweisen sollen, dass dieser zur Tötung von Ungläubigen aufruft. Seinen Gegendemonstranten, die ihn als Rechten betiteln, wirft er Themenverfehlung vor, da er selbst nicht rechts aber ein konservativer und demokratischer Patriot sei. „Ich habe nichts gegen den Islam aber die Ausprägung zum politischen Islam ist eine große Gefahr“, schimpft er. Dies stützt er auf zahlreiche Terroranschläge, die im Namen des Islam verübt worden. Einem jungen Syrer, der immer wieder versucht, Stürzenberger zu beleidigen, stellt er klar, dass er ihm nichts zu befehlen habe und ohnehin nur Gast in Deutschland sei.

"Er reißt die Zitate völlig aus dem Zusammenhang und ruft zur Hetze auf."

Sabine Rabl von der Seebrücke Pforzheim zum Auftritt des Rechtspopulisten Michael Stürzenberger

Als er von einem anderen als „elendiger Faschist“ bezeichnet wird, fordert er die Polizei zur Anzeige auf. Die versammelte Antifa sei lediglich ein Kindergarten, nehme aber mit ihrem Verhalten faschistoide Züge an. Kurze Geplänkel zwischen offenbar muslimischen Männern und Konvertierten aus muslimischen Ländern sind nicht zu übersehen und enden in verbalen Nicklichkeiten. „In den Abendstunden traue ich mich nicht mehr auf die Straße, da ich immer wieder von muslimischen Männern belästigt wurde“, so eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Doch die Mehrzahl der Anwesenden hält nichts von Stürzenbergers reißerischen Worten.

Pforzheim

Gegendemonstranten stehen plakativ vor den Rechtspopulisten - Polizei trennt Gruppen durch Kette

Kurz nach Beginn der Kundgebung haben sich linke Gegendemonstranten mit ihren Bannern in unmittelbarer Nähe zu Stürzenberger gestellt. Die linke Bewegung „Die Falken“ und der antifaschistische Arbeitskreis Pforzheim machten mit dem Thema „Rechten Hetzern keinen Platz“ ihre Position deutlich. „Er reißt die Zitate völlig aus dem Zusammenhang und ruft zur Hetze auf“, so Sabine Rabl von der Seebrücke Pforzheim. Ihr komme es nicht so vor, dass sich seine Worte ausschließlich gegen den politischen Islam, sondern alle Muslime wenden. „Es ist uns wichtig, dass rechte Hetze in Pforzheim nicht unbeantwortet bleibt“, erklärt ein Sprecher der Antifa. Stürzenberger selbst stuft er als Islamhasser und Rechten ab.

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