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Schnell konnte die Polizei dank Hilfe von Augenzeugen einen 16-jährigen Deutschen als mutmaßlichen Schützen ermitteln, der am Hauptbahnhof Pforzheim zwei Menschen mit Projektilen aus einem Luftdruckgewehr verletz haben soll. Inzwischen ist auch ein 19-jähriger Freund des 16-Jährigen ins Visier der Polizei geraten. Aus der Wohnung seiner Familie wurden die Schüsse abgegeben.  Foto: Tilo Keller 

Schüsse auf Passanten am Hauptbahnhof Pforzheim: Hatte der festgenommene 16-Jährige einen 19-jährigen mutmaßlichen Mittäter?- Keine politisch motivierte Tat

Pforzheim. Waren es doch verschiedene Schützen, die am Samstagmittag um 14.50 Uhr aus einem Fenster des Gebäudes gegenüber des Pforzheimer Hauptbahnhofes auf zwei Personen geschossen haben? Die Polizei hatte anfangs einen 16-jährigen Deutschen als Haupttäter im Visier. Jetzt scheint aber auch der 19-jährige Sohn der albanischen Familie, die in dem Haus gegenüber des Hauptbahnhofs in einem oberen Stockwerk wohnt, aus dem die Schüsse fielen, im Verdacht zu stehen, geschossen zu haben.

Opfer der Diabolo-Geschosse mit Spitze wurden ein 30-jähriger Kroate und ein 44-jähriger Deutscher. Einer war auf einer kleinen Mauer vor dem im Hauptbahnhof befindlichen Einkaufsladen gesessen, der andere war gerade auf dem Vorplatz am Hauptbahnhof gelaufen. Beide Personen wurden demnach leicht verletzt und erlitten laut Polizei "stark blutende" Platzwunden am Kopf und am Ellenbogen.

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Schüsse auf Passanten am Pforzheimer Hauptbahnhof

Wie Uwe Henne, Polizeiführer vom Dienst, gegenüber PZ-news erklärte, handele es sich wohl um Zufallsopfer. Ein politisches Tatmotiv nicht bekannt. Es könnten wohl auch „Zufallstreffer“ gewesen sein, denn auf eine Entfernung von rund 40 Metern könnten Schützen mit solch einem Luftdruckgewehr nicht mit einer hohen Treffgenauigkeit rechnen. Wie oft geschossen wurde, scheint ebenfalls noch unklar zu sein, getroffen wurde zweimal.

"Ein Zeuge konnte eine Person mit Gewehr an einem Fenster des gegenüberliegenden Gebäudes sehen", so die Beamten kurz nach der Tat vor Ort. Das Gebäude, aus dem die Schüsse abgefeuert wurden, wurde laut den Beamten mit "starken Kräften" betreten. Die entsprechende Wohnung sei durchsucht und die Munition und das Gewehr aufgefunden worden. Der tatverdächtige 16-jährige Deutsche wurde festgenommen. Er war zu Besuch in der Wohnung gewesen, weil er mit dem 19-jährigen Sohn der Familie befreundet ist. Inzwischen steht auch der 19-Jährige in Verdacht, mit dem Luftdruckgewehr geschossen zu haben. Wer nun die zu den Verletzungen führenden Schüsse abgegeben hat, scheint unklar zu sein.

16-Jähriger ist bereits polizeibekannt

Während der 16-Jährige wegen diverser Auffälligkeiten und Vergehen bereits polizeibekannt ist, handelt es sich bei der albanischen Familie, die seit etwa einem halben Jahr gegenüber dem Hauptbahnhof lebt, um nie auffällig gewordene Personen, also um „eine ganz normale Familie“, wie es am Tattag und am Tatort beschrieben wurde.

Sogenannte Diabolos sind Projektile, welche nicht nur aus Luftdruckgewehren abgefeuert werden. Auch aus Luftpistolen mit gezogenem Lauf sowie CO2-Waffen können diese verschossen werden. Sie werden im Bereich des Sportschießens eingesetzt. Tatsache ist aber, dass damit nicht im öffentlichen Raum geschossen werden darf. Das Schießen sei nur auf Schießanlagen, wie sie zum Beispiel etliche Vereine in der Region betreiben, erlaubt.

Zeuge: Schüsse waren nicht zu hören

Nach PZ-Informationen war offenbar kurzzeitig im Gespräch, den Bahnhof zu sperren. Die angrenzenden Lokake wurden den Schilderungen zufolge gebeten, ihre Plätze im Freien zu räumen und die Gäste ins Innere zu bringen, um sie gegebenenfalls befragen zu können. Wie ein Augenzeuge im Gespräch mit der "Pforzheimer Zeitung" erzählte, haben sich die beiden Verletzten zum Tatzeitpunkt vor dem im Hauptbahnhof befindlichen Einkaufsladen aufgehalten. Die Schüsse waren demnach nicht zu hören, auch ging kein lauter Streit oder Ähnliches voraus. „Auf einmal war die Polizei da“, so der Mann. „Die haben auf die andere Straßenseite geschaut“, berichtete der Beobachter weiter, „zu den Dächern hoch.“

PZ-news hat Kenntnis von einem ähnlichen Vorfall in Pforzheim, der allerdings schon rund 45 Jahre zurückliegt. Damals wurde bei einer Sportunterrichtseinheit auf dem damaligen Hartplatz am Kepler-Gymnasium von Schülern Fußball gespielt, als plötzlich ein pfeifendes Geräusch von einem Schuss aus einem Luftdruckgewehr kündete. Schüler und Lehrer beobachteten damals die gegenüberliegenden Häuser der Wartbergsiedlung, konnten aber keinen Schützen ausmachen. Verletzt wurde damals niemand.

Thomas Kurtz

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Julia Wessinger

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Marek Klimanski

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