Kinderpornografie2222
Manchmal auch für erfahrene Beamte nur schwer zu ertragen sind die kinderpornographischen Fotos und Videos, die für Strafprozesse zu sichten und zu bewerten sind. 

Server in der Wohnung: "Netter" Pforzheimer soll im Darknet Kinderpornoring betrieben haben

Pforzheim. Sie kamen wie immer, wenn eine Operation etwas heikler ist, mit schwarzer Maskierung. Sie haben Armbinden mit der Aufschrift „Polizei“ getragen und sich am 19. März gewaltsam Zugang zu einer Erdgeschosswohnung in einem Haus an der Pflügerstraße in Pforzheim verschafft. Am Ende der Aktion führten Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) einen 43-jährigen Deutschen ab. Der steht nun wegen bandenmäßiger Verbreitung von kinderpornographischen Schriften vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim, Abteilung Cybercrime, hat Anklage erhoben, verhandelt wird vor dem Landgericht Karlsruhe – Auswärtige Große Strafkammer Pforzheim. Der Anklage vorausgegangen waren jahrelange aufwändige Ermittlungen durch das Bundeskriminalamt, in deren Verlauf es schließlich – auch aufgrund erfolgreicher internationaler Kooperation – gelungen war, den sich anonym im Darknet bewegenden und unter einem Pseudonym auftretenden Angeklagten zu lokalisieren und schließlich zu identifizieren.

Server für Kinderpornographie-Plattform stand in Pforzheimer Wohnung

Dem Angeklagten wird insbesondere zur Last gelegt, seit dem Jahr 2015 über einen in seiner Wohnung stehenden Server eine im Darknet gehostete Plattform betrieben zu haben, auf welcher er und weitere 32 Mitglieder eines hoch konspirativen und in sich abgeschlossenen Forums kinder- und jugendpornographische Bild- und Videodateien ausgetauscht haben sollen.

Netter, hilfsbereiter Mann mit Bart - und auffällig unauffällig

Der 43-Jährige ist im Internet auf leisen Sohlen unterwegs – wer die Suchmaschine Google nach seinem Namen befragt, wird in geradezu auffälliger Weise nicht fündig. Zumindest für jemanden, der in seiner Nachbarschaft an der Pflügerstraße dafür bekannt war, viel mit dem Computer zu machen. Er habe auch älteren Nachbarn geholfen, wenn diese Probleme mit der Bedienung ihres PC gehabt hätten, heißt es. Ansonsten sei der alleine lebende Deutsche ein ruhiger Mensch gewesen, über den man kaum etwas erfahren habe. „Ich dachte, er sei vielleicht ein Salafist, weil er so einen Bart hatte“, sagt jemand aus der Pflügerstraße. Alles in allem: unauffällig, nett, hilfsbereit.

Auf Nachfrage von PZ-news verwies im März das Bundeskriminalamt in Wiesbaden auf die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Dort wurde vom Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) nur mitgeteilt, dass das „Ermittlungsverfahren aus dem Bereich der Internetkriminalität“, so Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk  „zeitnah an die örtlich zuständige Cybercrime-Abteilung der Staatsanwaltschaft Mannheim abgeben“ werde. Angesichts der im Raum stehenden Internetkriminalität standen damals Computer, Handys und jede Art von Datenspeicher im Fokus der BKA-Ermittler. Mehr Informationen gab es nicht.

Vier Termine für den Strafprozess 

Wie sich jetzt herausstellt, geschah das aus gutem Grund, denn der Pforzheimer scheint als Administrator und Serverbesitzer eine zentrale Rolle gespielt zu haben. Eventuell hätten frühe Informationen eine umfassende Beweissicherung bei den anderen Mitgliedern des Kinderpornographie-Forums behindert. Unklar ist in dem Zusammenhang auch, wie international das Forum war, ob es auch im Ausland Ermittlungen und Festnahmen gab.  

Der Strafprozess in den Räumlichkeiten des Amtsgerichts Pforzheim beginnt am Montag, 18. November, 9 Uhr. Als weitere Verhandlungstage sind der 2., 9. und 16. Dezember, Beginn jeweils 9 Uhr, vorgesehen. 

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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