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PZ-Redakteurin Katharina Lindt hat mehr über ihre Herkunft erfahren – mit überraschenden Ergebnissen. 

Teil II der PZ-Serie "DNA-Spuren": Entlang der Seidenstraße

Meine Großeltern leben in Tonaufnahmen fort. Darin erzählen sie vom Krieg, zählen Namen von weit entfernten Verwandten auf und schließen meine Wissenslücken – ihre Erinnerungen hielt ich in meinem journalistischen Eifer einst als Studentin fest. Ein glücklicher Einfall, wie sich heute herausstellt.

Eine Reportage von Katharina Lindt

Denn bevor die Wattestäbchen mit meinem Speichel ins weit entfernte Texas auf die Reise geschickt wurden, wusste ich: Meine Familiengeschichte ist kompliziert. Für einen „Homo Sovieticus“ nichts Ungewöhnliches, war es doch das Ziel der Staatsregierung – durch Zwangsumsiedlung – einen neuen Menschen zu schaffen, dessen nationale Wurzeln sich auflösen mussten. Ein russischer Schlager der 70er-Jahre fasst es gut zusammen: „Meine Adresse ist kein Haus und keine Straße – meine Adresse ist die Sowjetunion“.

Und in der gab es zahlreiche Ethnien: Mein Großvater väterlicherseits sprach einen verloren gegangenen süddeutschen Dialekt, sagte einmal der Pfarrer der Haidach-Gemeinde. Er gehörte der deutschen Minderheit in Russland an. Deutsche, die Ende des 18. Jahrhunderts ihr Glück im zaristischen Reich suchten. Katharina die Große gab ihnen fruchtbares Land an der Wolga, das sie bestellen konnten. Deutsches Know-how wurde schon damals hoch geschätzt. Ausgewandert sind die Vorfahren vermutlich aus Hessen – nur wann, das bleibt bis heute ein Rätsel.

Pforzheim

Teil I der PZ-Serie "DNA-Spuren": Zwischen serbischen Spanienkämpfern und keltischen Völkern

Eines, das ich im Zuge dieser Serie versuche zu lösen: Bei meiner Recherche stieß ich auf einen Artikel des Geschichtsvereins Windecken, der meine Aufmerksamkeit weckte. Die Vorfahren des Erfinders der Lindt Schokolade, Rudolf Lindt, stammen aus Hessen. Einer der zahlreichen Lindt-Brüder folgte – so die Theorie eines Schweizer Lindt-Genealogen – dem Ruf der Zarin und wanderte nach Russland aus. Bin ich also doch mit dem berühmten Chocolatier verwandt? Wahrscheinlich nicht, aber die detektivische Spurensuche hat mich gepackt.

Genom legt Völkerwanderung hin

Ich war also auf alles gefasst, als die Ergebnisse aus dem Labor kamen. Darauf, dass ich kein deutsches Erbgut in mir trage, war ich aber nicht gefasst. Gut, dass in den 90er-Jahren, als Helmut Kohl mit seiner Aussiedlerpolitik Millionen Russlanddeutsche einreisen ließ, kein DNA-Test verlangt wurde. Stattdessen legte mein Genom MyHeritage zufolge eine regelrechte Völkerwanderung hin – etwa in den hohen Norden.

Dorthin wurde mein Großvater im Zweiten Weltkrieg ins Zwangslager deportiert, weil Deutsche als die „Fünfte Kolonne“ des Feindes betrachtet wurden. In dieser schwierigen Zeit lernte er im Gulag in der Volksrepublik Komi meine Großmutter kennen. Sie wurde festgehalten, weil sie bei der Arbeit angeblich Kartoffeln eingesteckt hätte. Heute gehen Historiker davon aus, dass bis zu 32 Millionen Menschen in der Sowjetunion Zwangsarbeit verrichten mussten. Russin war meine Großmutter nicht, sie gehörte dem Volk der Komi an, eine finnougrische Minderheit, deren Sprache 16 Fälle kennt und heute nur von einer Handvoll Menschen aktiv gesprochen wird. Beim Lernen dieser Sprache hätte ich sicherlich einen Knoten in der Zunge.

Finnische Wurzeln und Eskimo-Anteil

Die finnischen Wurzeln erscheinen vor diesem Hintergrund gar nicht so weit hergeholt – auch die 2,8 Prozent Eskimo. Schließlich gehörte Alaska zum russischen Reich und wurde erst 1867 zum Schnäppchenpreis von Zar Alexander II. an die USA verkauft. Jedenfalls hat der Test mir eine Antwort auf die Frage geliefert, warum ich gebeizten Lachs und Eis liebe.

Das zentralasiatische DNA-Material war hingegen zu erwarten – meine Mutter ist Tatarin. Ende der 20er-Jahre floh ihre Familie aus Tatarstan, eine muslimisch geprägte Republik westlich vom Ural gelegen, vor der großen Hungersnot und der Zwangskollektivierung der Kommunisten nach Kirgistan.

Für große Überraschung sorgte dagegen die Einschätzung, dass ich zu 18,2 Prozent Balkanbewohnerin bin. Bis auf legendäre Balkan-Beats-Parties während meiner Studienzeit verbindet mich mit jener Region nichts. Doch die Wanderung hört dort nicht auf: Es geht weiter nach Indien und Südamerika. Darüber war mein Vater begeistert: In der Sowjetunion war er nämlich Seefahrer und in den sozialistischen Ländern Lateinamerikas viel unterwegs. Vielleicht begab sich ein abenteuerlicher Ahne von dort aus auf die Reise. MyHeritage kann die ethnische Zusammensetzung bis zu sechs Generationen zurückverfolgen. Mein Genom zeigt: Die Seidenstraße ist kein theoretisches Konstrukt, sondern ein menschliches Phänomen.

MyHeritage und die Pforzheimer Zeitung verlosen sieben DNA-Tests

MyHeritage ist eine Firma mit Sitz in Tel Aviv, die weltweit führend im Bereich DNA- und Stammbaum-Forschung ist. In den vergangenen 17 Jahren hat MyHeritage Millionen von Menschen dabei geholfen, neue Verwandte zu finden und ihre ethnische Herkunft zu entdecken. Die DNA-Tests werden bequem von zu Hause aus per Speichelprobe gemacht und per Post eingesendet. Nach etwa drei bis vier Wochen sind die Speichelproben ausgewertet und der Kunde bekommt die Ergebnisse per E-Mail. Die Resultate beinhalten ausschließlich die ethnische Einschätzung, die die Labore von MyHeritage anhand der Proben aufgeschlüsselt haben.

Im Zuge der Serie „DNA-Spuren“ verlost die Pforzheimer Zeitung wöchentlich einen von sieben DNA-Tests. Um bei der Verlosung mitzumachen, senden Sie eine E-Mail mit dem Stichwort „DNA“ an internet@pz-news.de und erzählen uns in ein paar Zeilen, warum Sie einen solchen Test gerne machen möchten. Vergessen Sie nicht Ihre Kontaktdaten, unter denen die Redaktion Sie im Falle eines Gewinns erreichen kann.

Kein Glück bei Verlosungen? 

Kein Problem: Mit dem Rabbatcode DNAPFORZHEIM sparen PZ-Leser bei der Bestellung eines MyHeritage DNA-Tests die Versandgebühr von 9 Euro. 

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Katharina Lindt

Katharina Lindt

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