Stadträtin und Bürgervereinsvorsitzende Petra Bösl und Thomas Häffelin läuten mit dem Handseil.
Jörg Müller
Pforzheim
„Türmle“ gibt es seit über 200 Jahren: Dillweißensteiner läuten traditionell ihr „Glöckle“ an Silvester

Pforzheim. Alle Jahre wieder und so auch diesmal begrüßen die Dillweißensteiner am „Dillsteiner Türmle“ das Neue Jahr um Punkt 0 Uhr mit handgemachtem Glockengeläut. Den Dillweißensteinern ist „ihr Glöckle“ seit jeher heilig. Weil Dillstein einst weder einen Kirchturm und Rathausturm hatte, ließen Dillsteiner Bürger den Uhr- und Glockenturm im Jahr 1821 nach hartem Ringen selbst erbauen.

Die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung (Mitteleuropäische Zeit) sollte in Deutschland erst über 70 Jahre später am 1. April 1893 folgen. Und so schufen die Dillsteiner mit „ihrem Türmle“ vor nunmehr 203 Jahren ihre erste öffentliche Zeitanzeige im Ort. Die Glocke diente neben dem Stundenschlag auch als Gebets-, Alarm- und Totenglocke. Umso verständlicher finden es die Dillweißensteiner noch heute, wie aufgebracht sie waren, als die Pforzheimer Stadtoberen 1981 in einer Nacht- und Nebelaktion das „Glöckle“ ins Heimatmuseum nach Brötzingen verfrachten wollten. Doch aufmerksame Dillweißensteiner sind den Glockendieben auf die Schliche gekommen und konnten mit einem „Volksaufstand“ den Glockenraub gerade noch verhindern. Hierauf geht der Neujahrsbrauch zurück.