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Das Vereinslokal der Hells Angels in der Pforzheimer Nordstadt soll unter den Hammer.
Das Vereinslokal der Hells Angels in der Pforzheimer Nordstadt soll unter den Hammer. © Ketterl
25.06.2010

Vereinslokal der Hells Angels unter dem Hammer

PFORZHEIM. Das Club-Heim der Hells Angels an der Karolinger Straße kommt unter den Hammer. Nachbarn ist es wegen der Rotlicht-Verquickung ein Dorn im Auge, die Stadt denkt an Kauf. Doch die Polizei sagt: Alles harmlos.

Die Rolläden sind heruntergelassen, die Fenster vergittert und mit massiven Platten gesichert. Die gesamte Tür-Anlage besteht aus blickdichtem Metall, ein Aufkleber weist das Eckhaus an der Karolinger Straße 27 in der Pforzheimer Nordstadt als „Hells Angels“-Treff aus .

Am Haupteingang steht auf den Klingeln ein aufgemaltes rotes Herz, darin der Schriftzug „Haus 27“. Mehr kann ein Logo gar nicht nach Freudenhaus aussehen. Dennoch hängt an dem Haus ein Schild „Dies ist ein Wohnhaus, kein Bordell“. Man muss wohl sagen: kein Bordell mehr.

In der Einfahrt parkt ein schwarzer Audi mit Kennzeichen Karlsruhe Land und dem Schriftzug eines Bruchsaler Nackedei-Klubs. Ob der Besitzer im Hausinneren ist, lässt sich nicht klären. Das Klingeln an der durch Kameras überwachten Türe bleibt unbeantwortet. Und so gibt es auch keine Stellungnahme dazu, was die örtlichen Hells Angels denn von ihrer offenkundigen Unbeliebtheit in der Nachbarschaft halten. Und davon, dass dieses Gebäude am 20. Juli zwangsversteigert wird.

Die Stadtverwaltung erhält in dieser Sache anonyme Briefe mit der Aufforderung, aktiv zu werden. „Die Zwangsversteigerung bietet der Stadt die Möglichkeit, korrigierend einzugreifen und das Gebäude, in dessen Umgebung sich Wohnungen, Schulen, Kindergärten und Spielplätze befinden, einer anderweitigen Nutzung zuzufügen“, heißt es darin. Unter anderem schlägt der Briefschreiber vor, dass die städtischen Wohnbaugesellschaften eingeschaltet werden, um die leere Stadtkasse nicht zu belasten.

Baubürgermeister Alexander Uhlig (CDU) ist nicht abgeneigt. „Ich habe die Stadtbau GmbH gebeten zu prüfen, ob es Sinn machen würde, in die Versteigerung einzusteigen“, sagt er. Ob das stadteigene Wohnbau-Unternehmen erfolgreich mitbieten kann, das jüngst einen Verlust von rund 800 000 Euro bekannt gab, ist aber für Uhlig keineswegs ausgemacht. Möglicherweise, so deutet der Baubürgermeister an, tritt aus der Rotlicht-Szene oder dem Rocker-Milieu Konkurrenz auf den Plan. „Die Branche, über die wir hier reden, verfügt über Geld“, weiß Uhlig. Genau deshalb sei auch ein Kauf dieses Hauses durch die Stadtbau keine dauerhafte Absicherung gegen die Existenz solcher und ähnlicher Lokale in Pforzheim.

Aus polizeilicher Sicht ist das Haus an der Karolinger Straße ohnehin überraschend unbedenklich. „Seit Bekanntwerden der Pläne, dort ein Klubheim einzurichten, haben wir das mit Sorge beobachtet, sagt Polizeisprecher Frank Otruba. Doch die Hells verhielten sich eher unauffällig. „Keine herausragenden Besonderheiten“, berichtet der Polizist. „Ihre Treffen haben sie bislang immer bei der Polizei angemeldet.“ Auch wenn sie zu solchen Anmeldungen gar nicht verpflichtet sind. „Es ist schließlich kein eingetragener Verein“, sagt Otruba. Und einer, der sich nicht gerne ins Innerste schauen lässt. Auch nicht, was das Gebäude angeht. „Das Objekt“, heißt es in der Anzeige für den Zwangsversteigerungstermin, „konnte vom Gutachter nur von außen besichtigt werden.“

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