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Mehr Stehen als Fahren: Täglich staut es sich auf der A8 rund um Pforzheim. Grund: der sechsspurige Ausbau im Enztal. Das hat auch Auswirkungen auf die City, wie eine Verkehrsstudie nun eindrücklich beweist. 

Verkehrschaos in Pforzheim: Goldstadt auf Platz fünf der staureichsten Städte in Deutschland

Pforzheim. Pforzheim und Stau? Diese beiden Dinge passen jüngst zum Leidwesen vieler Auto- und Lkw-Fahrer sehr gut zusammen. Die Goldstadt hat es in diesem Jahr zum ersten Mal unter die zehn staureichsten Städte Deutschlands geschafft, nachdem sie im vergangenen Jahr noch auf Platz 24 gelegen hatte. Nun also Platz fünf: 44 Stunden im Jahr steht ein Pendler in Pforzheim durchschnittlich im Stau. Das hat eine Studie des Verkehrsdatenanbieters INRIX aus den USA ergeben.

Den Daten zufolge stehen die Pendler in Deutschland insgesamt wieder deutlich mehr im Stau. Im Schnitt sind es 40 Stunden Zeitverlust für typische Auto-Pendler. Das sind 14 Stunden mehr als 2020, wie INRIX am Montag mitteilte. Vergangenes Jahr hatte Corona die Pendlerströme ausgebremst – jetzt hat der Verkehr wieder zugenommen und der Zeitverlust ist wieder fast so hoch wie vor der Pandemie. 2019 waren es im Schnitt 46 Stunden.

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In der Region der Blechlawinen: Die Folgen der A8-Staus für die Orte an der Autobahn

Es ist zwar nur ein schwacher Trost, aber: In vier anderen deutschen Großstädten stehen die Menschen noch länger im Stau als in Pforzheim – und zwar deutlich. Platz eins belegt die bayrische Metropole München: Im Schnitt gehen dort jährlich 79 Stunden im Auto verloren. Dahinter folgen die Hauptstadt Berlin (65 Stunden), die Hansestadt Hamburg (47 Stunden) und Potsdam (46 Stunden). Ebenfalls in die Top Ten haben es Düsseldorf (43 Stunden), Köln (42 Stunden) sowie Nürnberg, Dresden und Münster (jeweils 41 Stunden) geschafft. Pforzheim ist damit die einzige Stadt in Baden-Württemberg, in der Stau im Jahr 2021 ein so großes Problem war, dass es für einen der vorderen Plätze gereicht hat.

Keine Überraschung

So richtig verwunderlich ist das Ergebnis der Studie mit Blick auf das Millionenprojekt A8-Ausbau in der Enzsenke nicht. Seit die sechsspurige Modernisierung angelaufen ist, staut es sich täglich mindestens ab Pforzheim-West und in der Gegenrichtung ab -Süd, oft reicht die Autoschlange auch schon bis Richtung der Anschlussstellen Karlsbad beziehungsweise Heimsheim. Mehrere Jahre wird das die Menschen auf der Autobahn, vor allem aber auch die in den Orten neben der A8 und eben in Pforzheim begleiten. Trotz der Hinweisschilder auf der Autobahn, diese auch bei Stau nicht zu verlassen, quälen sich täglich viele Auswärtige durch die City oder das Heckengäu, um den Stau zu umfahren.

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Kurz nach Bekanntwerden des Stau-Problems in der Goldstadt meldete sich Hans-Ulrich Rülke zu Wort. Der Pforzheimer Stadtrat und Fraktionsvorsitzende der FDP im baden-württembergischen Landtag kritisierte insbesondere die Pforzheimer Baubürgermeisterin Sybille Schüssler. "Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, was Baudezernentin Schüssler seit Jahren befördert: mehr Stau! Pläne, wie die Schließung des Schlossbergs und der Zerrennerstraße für den motorisierten Verkehr sowie schlecht abgestimmte Ampelschaltungen, verschlimmern das Ganze noch", so Rülke: "Ich erwarte, dass Frau Schüssler Verbesserungen im Baustellenmanagement vornimmt, um baustellenbedingte Engpässe zu verringern."

Mit Material von dpa/lsw