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Bei einer Razzia in Berlin wurden vor allem Privatwohnungen von Mitgliedern der Rockergruppe Hells Angels durchsucht. © dpa
04.02.2011

Weitere Razzia erhöht Druck auf Hells Angels

BERLIN/PFORZHEIM. Rocker-Clubs und andere Banden scheinen in Deutschland gerade kein ruhiges Leben mehr führen zu können. Zuletzt gab es am Mittwochmorgen eine Razzia bei der Türsteher-Clique United Tribuns in Pforzheim, im Enzkreis und in Waiblingen, und am Donnerstagabend eine Razzia in 21 Privatwohnungen von 14 Mitgliedern der Rockergruppe Hells Angels in Berlin. Zumindest in Pforzheim zeigt die Polizei wenig Toleranz gegenüber diesen Vereinigungen.

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Die Financial Action Task Force (FATF), das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung der Geldwäsche, hatte vor rund einem Jahr in einem Deutschland-Bericht große Defizite festgestellt und für dieses Jahr Änderungen verlangt. Drogenhandel, Prostitution und danach die Geldwäsche - diverse kriminelle Vereinigungen scheinen in Deutschland leichtes Spiel zu haben. Doch in mehreren Bundesländern geht man jetzt verschärft - zumindest gegen Rockerclubs und verwandte Banden - vor. Ähnliche Reaktionen gegen die das Geldwächesystem zur Perfektion gebrachte Mafia und ähnlich strukturierte Banden sind bislang nicht so sehr in den öffentlichen Fokus geraten.

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Bildergalerie: Das Vereinsheim der Hells Angels an der Karolingerstraße in Pforzheim wurde von der Polizei durchsucht - 1

Wie die "Berliner Morgenpost" berichtet, standen jetzt Mitglieder der Hells Angels MC Berlin City im Visier des Landeskriminalamts. Am Donnerstagabend sollen in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Wedding Privatwohnungen durchsucht worden. Laut "Berliner Morgenpost" steht "gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Handel" mit Anabolika als Vorwurf im Raum.

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"Eigentlich hätte das Großverfahren des für Rockerkriminalität zuständigen Kommissariats bereits im Oktober des vergangenen Jahr abgeschlossen gewesen sein sollen, doch ein Bereitschaftspolizist soll Einzelheiten der Ermittlungen weitergegeben haben", schreibt "Spiegel online". Was den Verrat von Dienstgeheimnissen fast schon wieder zu einer Lachnummer macht, ist der Gegenwert für die Information: Als Bestechung soll ein Motorradhelm zum Einkaufspreis genügt haben. LKA-Experten haben jedoch weiter ermittelt und die Durchsuchung am Donnerstagabend vorbereitet.

Rund 500 Polizisten durchsuchten am Mittwochmorgen 18 Wohnungen und andere Gebäude der Türsteher-Vereinigung United Tribuns in Pforzheim, im Enzkreis sowie in Waiblingen. Drei Verdächtige wurden festgenommen. Gefunden wurde unter anderem eine Maschinenpistole mit Schalldämpfer und Munition. Die Aktion stand im Zusammenhang mit einer brutalen Auseinandersetzung mit Schusswaffen und Messern zwischen den United Tribuns und den Hells Angels am 27. November 2010 auf dem Pforzheimer Güterbahnhof. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt - ein von einem Messerstich getroffener Rocker von den Hells Angels lebensgefährlich. Mindestens ein Schuss aus einer scharfen Waffe wurde abgegeben.

Gleich mehrere Schüsse wurden zum Jahresanfang auf die Pforzheimer Discothek "Musikpark" abgegeben. Hier hat sich die Polizei aber noch nicht festgelegt, ob diese aus einer Maschinenpistole abgefeuerten Schüsse im Zusammenhang mit einem Pforzheimer Türsteher-Krieg stehen. Ermittelt wird in alle Richtungen.

{element10}{element11}Bereits in der Nacht auf den Montag, 13. Dezember 2010 hatten 900 Beamte knapp 30 Wohnungen, zwei Bordelle, eine Gaststätte und ein Clubheim der Hells Angels in Pforzheim, Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz durchsucht. Dabei fanden sie zahlreiche Waffen und Dokumente. Die Polizei vermutete damals, dass Pforzheimer Hells Angels einen Racheakt gegen die United Tribuns geplant hätten. Dabei sollten führende Mitglieder der United Tribuns getötet werden. Drei Hells Angels kamen in Untersuchungshaft.

Wenige Wochen zuvor wurden bei einer Razzia in Worms und Mannheim zwei Hells Angels wegen der Vorwürfe des schweren Raubs und der gefährlichen Körperverletzung festgenommen. Etwa 50 Wohnungen, Bordelle, Clubhäuser und Büros verschiedener Rocker-Clubs in vier Bundesländern wurden damals durchsucht. In diesem Zusammenhang wurde auch gegen Polizisten ermittelt. Dabei ging es um den Verrat von Dienstgeheimnissen und das Dealen mit Drogen.

Dabei sind die Hells Angels nicht die einzige Gruppierung aus dem Rockermilieu, die im Fokus der Ermittler steht. Schon legendär sind in Deutschland die brutalen Auseinandersetzungen zwischen den Hells Angels und Bandidos, die in einem mediengerecht inszenierten Friedensschluss gipfelten. Mangels Bandidos in der Region blieb es daher in Pforzheim ruhig. Anders verhält es sich mit dem Rocker-Club Gremium MC. Im August 2010 lieferten sich in der Urlauberhochburg El Arenal auf Mallorca laut Polizei bis zu 40 Rocker von Hells Angels und Gremium MC eine Massenschlägerei.

Einen Monat später sollte es eine Sternfahrt der Gremium-Mitglieder durch Pforzheim geben - quasi als Provokation und Machtdemonstration gegenüber den Hells Angels. Ein Großaufgebot der Polizei verhinderte diesen Massenauftritt der Gremium-Biker, die ihre Zentrale an der B294 in Birkenfeld haben.

Eine weitere Gruppierung, die Black Jackets, mischt ebenfalls noch in der Pforzheimer Szene mit, allerdings am Rande. Sie haben ihr Quartier an der Calwer Straße und wurden nach eigenen Angaben Anfang Dezember 2010 von den United Tribuns angegriffen – woraufhin sich Black Jackets aus ganz Deutschland auf den Weg nach Pforzheim machten. Die Polizei bekam davon Wind, befürchtete einen Racheakt und sorgte – wiederum mit einem Großaufgebot – dafür, dass der Chef der Black Jackets seine Kollegen per Rundmail zurückpfiff.