Sender aus fünf europäischen Ländern boykottieren den Eurovision Song Contest 2026. Irland, Island, die Niederlande, Slowenien und Spanien nehmen aus Protest gegen die Teilnahme Israels nicht an dem Wettbewerb in Wien teil. Ist der ESC zu politisch?
Pro: PZ-Redakteur Ralf Kohler
„Die Veranstaltung wird mit Erwartungen überladen.“
Anders als im Sport fehlt es in der Kunstan objektiven Kriterien. Insofern war es, ist es und bleibt es schwierig, beim Eurovision Song Contest (ESC) schlicht das beste Lied zu ermitteln. Klar geht es nicht allein um die musikalische Darbietung, das Show-Element gehört auch dazu. Doch spätestens seit dem Sieg von Conchita Wurst 2014 wird die Veranstaltung mit Erwartungen überladen: Immerzu soll der Wettbewerb gesellschaftliche Vielfalt dokumentieren und fördern.


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Inzwischen kommt zu der gesellschafts-politischen noch eine weitere Dimension. Der Ukraine-Krieg und die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern haben endgültig die Politik in den Vorder- grund gerückt, den Spaß-Faktor weggewischt. Dass Russland seit 2022 ausgeschlossen ist, st nachvollziehbar, nicht aber, dass die Israel-Frage zur Zerreißprobe geführt hat. Eine Verbannung, um gegen die Politik des Landes zu protestieren, wäre überzogen. Ebenso unverständlich ist, dass nun wegen Israels Teilnahme fünf Länder fehlen.
Kontra: PZ-Redakteur Dominique Jahn
„Politische Diskussionen gehören schon seit Jahrzehnten zum ESC dazu.“
Der ESC lässt sich kaum vollständig von politischen und gesellschaftlichen Themen trennen. Doch gerade das ist ja die Stärke des Wettbewerbs. Der ESC verbindet Länder, fördert Vielfalt und setzt ein Zeichen für Offenheit, Demokratie und Zusammenhalt – das wird an jedem Wettbewerbsabend deutlich. Dass einzelne Länder den ESC boykottieren oder ihre Teilnahme wegen politischer Spannungen oder internationaler Konflikte infrage stellen, ist zudem nichts Neues. Politische Diskussionen begleiten den Wettbewerb schon seit Jahrzehnten und gehören zu seiner internationalen Bedeutung dazu.


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Kritik gibt es allerdings regelmäßig bei der Abstimmung. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass manche Länder ihren Nachbarstaaten oder befreundeten Nationen automatisch Punkte geben und nicht allein die musikalische Leistung bewerten. Dadurch wirkt das Voting unfair. Gleichzeitig ist der ESC aber auch eine Art Stimmungsbarometer Europas. Deutschland schneidet dabei häufig eher schlecht ab – darüber sollte man sich hierzulande mal Gedanken machen.


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