Wer austeilt, muss auch einstecken können, findet PZ-Chefredakteurin Anke Baumgärtel.
Röhr, Fotomontage: PZ
Politik
Zum Schutze unserer Demokratie: Die Pforzheimer Zeitung bleibt unbequem!

„Das schreiben Sie jetzt aber nicht!“. Wie oft haben wir Journalistinnen und Journalisten diesen Satz im Laufe unseres Berufslebens schon gehört? Ähnlich häufig: „Ich bekomme Ihren Artikel ja sicher vor Veröffentlichung noch zum Lesen!“ Ja, auch in einem Land wie Deutschland, in dem die Pressefreiheit zumindest nicht akut gefährdet ist, gibt es sie: Versuche der Einflussnahme. Und sie beginnen im Kleinen – manchmal fast unbemerkt.

Ein Kommentar von PZ-Chefredakteurin Anke Baumgärtel

Dann, wenn Politiker auf einen Fragenkatalog mit einem zusammenhängenden Statement antworten, in dem sie bloß auf jene Aspekte der Anfrage eingehen, die sie für unproblematisch erachten. Dann, wenn Behörden ihrer Auskunftspflicht nicht vollumfänglich nachkommen. Dann, wenn Beteiligte mit einer Klage drohen, um uns einzuschüchtern, wenn es mal etwas unbequemer wird. Tendenz steigend.

Zugegeben, unser Job ist mitunter undankbar. Und wir sind auch gar nicht dafür da, um Lob zu ernten. Wer austeilt, muss auch einstecken können. Derzeit müssen wir uns vermehrt den Vorwurf gefallen lassen, die Medien spielten rechten Kräften in die Karten, wenn sie mit Parteien der Mitte zu hart ins Gericht gingen oder ihnen zu sehr nach dem Mund redeten. Der Blick in die USA, nach Italien oder Ungarn führt indes vor Augen: Es ist die systematische Schwächung der Presse durch rechte Akteure, die diese weiter erstarken lässt. Jene, die uns hier am lautesten angreifen, veranstalten im Übrigen einen Aufstand, wenn man mal eine ihrer Mitteilungen nicht abdruckt. So viel Gewicht haben wir dann doch.

Letztlich ist diese Argumentation also auch bloß ein Versuch der Parteien, uns Medienschaffende zum Kuschelkurs zu bewegen und für ihre Fehltritte verantwortlich zu machen. Aber ganz ehrlich: Würde bei CDU, Grünen, SPD oder FDP immer alles bestens laufen, hätten wir auch nichts zu meckern.

Wir sind ja durchaus gewillt, das Gute in den Fokus zu rücken – Anlass muss die Politik aber schon selbst liefern.

Am Ende geht es eben nicht um Befindlichkeiten, sondern um etwas weitaus Größeres: den Schutz unserer Demokratie. Als vierte Gewalt sind wir Kontrollorgan, wir sorgen für Transparenz und informieren die Bürger. Daher ist es folgerichtig, dass wir als Branche mit dem Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai und dem Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai darauf aufmerksam machen, warum wir manchmal unbequem sind – es ohne uns aber noch deutlich unbequemer würde. Wir werden also weiter kritisieren, kontrollieren und den Finger in die Wunde legen. Auch, wenn es wehtut. Darauf können Sie sich verlassen!

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