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Beim Enzkreis, der Stadt Pforzheim und dem Kreis Calw seien durch die Quarantäne-Notunterkünfte für Müller-Fleisch-Beschäftigte rund 750.000 Euro und durch die Massentests im Unternehmen noch einmal etwa 250.000 Euro an Kosten entstanden.  Foto: Moritz 

Corona-Bilanz: Enzkreis beleuchtet Stand der Virusausbreitung und der Verhandlungen mit Müller Fleisch

Von einer größeren „Durchseuchung“ der Bevölkerung – wie beispielsweise in Ischgl – sei nicht auszugehen. 

Enzkreis. 1096 positiv Getestete und 29 Verstorbene – das sind die nackten Zahlen, die der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz dem Sozial- und Kulturausschuss des Kreistags (SKA) zum bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie im Enzkreis präsentierte. Und überstanden sei das Ganze noch lange nicht. Deshalb gelte es, die Infektionszahlen durch geeignete Maßnahmen gering zu halten, „um einen erneuten Lockdown zu verhindern“, so Herz. Um Ausbruchs-Herde frühzeitig zu erkennen, setze der Enzkreis auf „großzügige Testungen, aber nicht ins Blaue hinein.“

Dr. Brigitte Joggerst, Leiterin des Gesundheitsamts, erläuterte zur Wirksamkeit der Maßnahmen:

„In der Hochphase waren etwa 18 Prozent der Tests positiv, inzwischen ist es nur noch eine einstellige Zahl.“

Dass Mitte Mai die Kurve der festgestellten Neuinfektionen im Kreis schlagartig gesunken ist, erklärte Herz mit dem Ende des zweiten Massentests beim Birkenfelder Schlachtbetrieb Müller Fleisch. Seitdem bewege sich die Zahl auf gleichbleibend niedrigem Niveau.

Insgesamt seien bei Müller Fleisch 415 Infizierte festgestellt worden, von denen 21 stationär behandelt werden mussten. Noch immer gelten für das Unternehmen besondere Hygiene-Schutzmaßnahmen, so Herz: „Das wird vom Landratsamt auch kontrolliert.“ Zu den Maßnahmen gehöre die Zimmerbelegung in Sammelunterkünften von Werkvertragsbeschäftigten mit maximal zwei Personen.

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Beim Enzkreis, der Stadt Pforzheim und dem Kreis Calw seien durch die Quarantäne-Notunterkünfte für Müller-Fleisch-Beschäftigte rund 750.000 Euro und durch die Massentests im Unternehmen noch einmal etwa 250.000 Euro an Kosten entstanden, so Herz.

„Das kann nicht an den Bürgern hängenbleiben“, forderte Kreisrat Erik Schweickert (FDP) erneut.

Landrat Bastian Rosenau pflichtete ihm bei. Man sei mit der Unternehmensleitung im Gespräch, auch das Land werde sich nun einsschalten. Bisher gebe es von Seiten der Firma aber noch kein Signal der vollen Kostenübernahmen.

SPD-Kreisrat Hans-Peter Huber forderte das Landratsamt auf, die Kommunen beispielsweise als Baurechtsbehörde nach Kräften zu unterstützen, um die Umwidmung von Einfamilienhäusern in Gemeinschaftsunterkünfte zu verhindern. Langfristig müsse dafür eine gesetzliche Neuregelung her, so Rosenau, sonst seien bald die Verbesserungen, die auf Basis des Infektionsschutzgesetzes erreicht wurden, wieder hinfällig. Klar sei: Würden die Werkverträge abgeschafft, hätte die Verwaltungsbehörde einen besseren Kontrollzugriff beispielsweise hinsichtlich der Unterbringungssituation.

Mehr lesen Sie am Dienstag, 7. Juli, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Sven Bernhagen

Sven Bernhagen

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