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Das Landgerichtsgebäude in Tübingen: Dort wird noch voraussichtlich bis Ende Mai durchleuchtet, warum ein 47-jähriger Iraker am 17. September sterben musste. Zuletzt ging es im Mordprozess um die Beziehung zwischen Angeklagten und Opfer. Fotos: Kahnert, dpa-Archiv
Das Landgerichtsgebäude in Tübingen: Dort wird noch voraussichtlich bis Ende Mai durchleuchtet, warum ein 47-jähriger Iraker am 17. September sterben musste. Zuletzt ging es im Mordprozess um die Beziehung zwischen Angeklagten und Opfer. Fotos: Kahnert, dpa-Archiv
Ermittler am Fundort der Leiche bei Dobel, der wohl auch der Tatort ist. Foto: Tilo Keller, Archiv
Ermittler am Fundort der Leiche bei Dobel, der wohl auch der Tatort ist. Foto: Tilo Keller, Archiv
03.05.2019

Deals und Schleuserei: Im Dobler Mordprozess wird ein Geschäftsgeflecht geschildert

Dobel/Tübingen. Der Prozess um den nächtlichen Mord an einem kurdisch-irakischen Autohändler im Wald zwischen Dobel und Bad Herrenalb ist am Freitag am Landgericht Tübingen mit den Aussagen des älteren Angeklagten fortgesetzt worden.

Dem aus Syrien stammenden 49-Jährigen und einem 23-jährigen Mazedonier wirft die Anklage gemeinschaftlichen Mord vor. Der Tote war im September 2018 an der Landesstraße mit drei Schusswunden aufgefunden worden. Er soll zunächst mit einem Elektroschocker betäubt und dann regelrecht hingerichtet worden sein. Die Sonderkommission „Tanne“ erzielte bei ihren Ermittlungen schnelle Ergebnisse.

Der ältere Angeklagte war wohl Geschäftspartner des Getöteten. Man handelte gemeinsam mit Autos, die hauptsächlich nach Afrika verkauft wurden. Aber nicht nur. Bei seiner Aussage schilderte der Deutsch-Syrer ein Netz von persönlichen Beziehungen und Geschäften, das nicht nur grenzübergreifend von Deutschland über Frankreich, dann über Spanien und Marokko und vor allem in den Nahen Osten reichte – es ging auch um Waffen, aber vor allem Schleuser- und Schlepper-Aktivitäten im Umfeld von asylsuchenden Flüchtlingen. „Er war kein Engel. Ich auch nicht“, sagte der Angeklagte über den Getöteten und räumte freimütig auch kriminelle Grenzbereiche ein.

Zunächst schilderte er in stark akzentuiertem, aber flüssigem Deutsch seine Herkunft. In der syrischen Hauptstadt Damaskus als Sohn eines Militärs geboren, wuchs er während der dortigen Bürgerkriegsjahre im Libanon und der Hauptstadt Beirut auf. Nach seinen Angaben wurde er in der Nachfolge seines Vaters gleichfalls Geheimdienstoffizier, heiratete eine „französische Libanesin“ und hatte mit ihr zwei Kinder.

Um die Jahrtausendwende will er beschlossen haben, zu desertieren und den Weg nach Deutschland einzuschlagen. Die Familie sollte folgen. Mit falscher Identität gelangte er im Jahr 2000 ins Land. Eine Abschiebung konnte der Mann aber trotzdem immer irgendwie vermeiden und im Laufe der Jahre nach und nach die engeren und weiteren Angehörigen nachholen – vor allem seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011.

Ein neben anderen Geschäften entstandenes Netzwerk sollte auch die Schwester und den Neffen des später Erschossenen und Auto-Geschäftspartners als anerkannte Flüchtlinge aus Spanien nach Deutschland bringen. Da seien 35.000 Euro im Spiel gewesen, aber auch Differenzen aufgekommen.

Das komplexe Geflecht dieser Schilderung war für die Prozessbeobachter ohne Aktenkenntnis schwer nachzuvollziehen.

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