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Rekonstruktion: In einem Film von Gunter Scholz über den Fall Wörz wurde der Angriff auf Andrea Z. grafisch dargestellt. Foto: PZ-Archiv
Rekonstruktion: In einem Film von Gunter Scholz über den Fall Wörz wurde der Angriff auf Andrea Z. grafisch dargestellt. Foto: PZ-Archiv
Im Blickfeld der Medien stand über ein Jahrzehnt lang Harry Wörz, hier beim endgültigen Freispruch im Bundesgerichtshof Karlsruhe. Foto: Ketterl, Archiv
Im Blickfeld der Medien stand über ein Jahrzehnt lang Harry Wörz, hier beim endgültigen Freispruch im Bundesgerichtshof Karlsruhe. Foto: Ketterl, Archiv
29.04.2017

Fall Wörz: Gewalttat an Andrea Z. jährt sich

Birkenfeld/Karlsruhe. Vor 20 Jahren versucht ein Mann die junge Polizistin zu töten. Ihr früherer Mann Harry Wörz wird verurteilt, dann freigesprochen. Im Verlauf des Prozess-Marathons gerät das Opfer aus dem Blickfeld. Es muss bis heute rund um die Uhr betreut werden.

Am Sonntag vor genau 20 Jahren verbanden sich in Birkenfeld eine Gewalttat, die Arbeit der Polizei und lange Justizverhandlungen zu einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle in der deutschen Rechtsgeschichte. Dienstag, 29. April 1997, nachts um 2.20 Uhr: Ein männlicher Täter versucht die Polizistin Andrea Z., die frühere Frau von Harry Wörz, in ihrer Wohnung in Birkenfeld zu erdrosseln. Ihr Vater, der Polizeibeamte Wolfgang Z., alarmiert die Einsatzzentrale in Pforzheim. Er übernachtete im Haus. Am Montag hatte er Geburtstag und kam abends noch bei seiner Tochter vorbei. Rettungssanitäter reanimieren Andrea Z., sie überlebt. Die minutenlang blockierte Luftzufuhr hat jedoch Gehirnbereiche schwer geschädigt.

Die damals 26-jährige Polizistin konnte den Strafverfolgern niemals sagen, wer der Täter war. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist Wörz, von dem sich die junge Frau getrennt hatte, dringend tatverdächtig. Der Bauzeichner wird 1998 verurteilt, nach einem Gerichtsmarathon aber 2010 endgültig freigesprochen. Seine Verfahren sind beendet – im Verlauf dieser Prozessspirale rückte allerdings Andrea Z., das heute 46-jährige Opfer, zusehends aus dem Blickfeld. Sie kann nicht mehr sprechen. Sie kann sich nicht allein bewegen. Sie wird von ihren Eltern rund um die Uhr versorgt. Im Gespräch mit der PZ schildert ihr Vater, wie die Familie seit zwei Jahrzehnten die schwer behinderte Andrea betreut.

Totschlag verjährt nach 20 Jahren, die Akten werden aber nicht geschlossen

Vor 20 Jahren versuchte ein Mann die Polizistin Andrea Z. in ihrer Wohnung in Birkenfeld umzubringen. Sie überlebte mit schweren Behinderungen, konnte nie sagen, wer der Täter war. Ihr früherer Mann Harry Wörz, von dem sie sich rund ein Jahr vor der Tat getrennt hatte, wurde 1998 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt, nach mehreren Prozessen aber 2010 vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe endgültig freigesprochen. Wird ein Täternie mehr belangt? Versuchter Totschlag verjährt genau 20 Jahre nach einer Tat. Muss die Staatsanwaltschaft jetzt die Akten schließen? „Nein, das lässt sich erst beurteilen, wenn ein Täter bekannt ist, es könnte auch versuchter Mord vorliegen, und in diesem Fall gibt es keine Verjährung“, sagt Tobias Wagner als Sprecher der Karlsruher Anklagebehörde auf Anfrage der PZ.

Bei versuchtem Totschlag käme möglicherweise aber auch eine Verjährungsunterbrechung in Frage, so Wagner. Wenn ein Beschuldigter im Verlauf von späteren Ermittlungen oder Verfahren vernommen worden sei, dann beginne „von diesem Tag an die 20-Jahresfrist von Neuem“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es hänge „immer von ganz konkreten Hinweisen und Ergebnissen ab“, ob eine Unterbrechung der Verjährungsfrist möglich sei.

Anfang 2010 hatten Sonderermittler der Landespolizeidirektion Karlsruhe den Fall noch einmal untersucht, 2013 jedoch die Suche nach einem Täter eingestellt. Ein Tatverdacht könne bei allen Personen, gegen die ermittelt worden sei, nicht begründet werden, erklärte damals die Staatsanwaltschaft.

Die Sonderkräfte hätten drei Jahre lang „alle Steine umgedreht“ und mehrere Personen, die „in unterschiedlicher Nähe zum Opfer standen“, unter die Lupe genommen.

Da die Tat aber lange zurückliegt, habe sich daraus die Konsequenz ergeben, dass „die Beweismittel nicht mehr viel hergeben und eine Anklage gegen Verdächtige nicht rechtfertigen würden“, beschrieben die Ankläger ihre Suche ohne Ergebnis.

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Alles Weitere zu dem Fall und rund um Harry Wörz lesen Sie HIER in unserem Dossier.