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Höfen hat mit weitem Abstand die meisten Corona-Fälle pro 1000 Einwohner - Kieselbronn und Dobel kaum betroffen

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw/Bretten/Karlsruhe. Liest man in den Corona-Statistiken der Gesundheitsämter aus der weiteren Region die reinen Zahlen bei den bestätigten Corona-Infektionen und den Todesfällen in Folge einer Covid-19-Erkrankung, so fallen einem sofort die Städte Bretten (242 Infizierte, 24 Todesfälle in einem Altenheim) und Nagold (133 Infizierte, 7 Todesfälle) auf. Es ist offensichtlich, dass beide Kleinstädte extrem mit den Virus-Folgen zu kämpfen haben, wenn man zum Beispiel die Großstadt Pforzheim mit 126.000 Einwohnern und 199 Corona-Fällen zum Vergleich heranzieht. Doch am härtesten hat es Höfen an der Enz im Landkreis Calw getroffen.

Wie das, wo es doch in der 1800-Einwohner-Gemeinde nur 27 bestätigte Corona-Infektionen gibt? Rechnet man die Zahl der Corona-Fälle auf 1000 Einwohner um, so gibt es in der waldreichen Gemeinde im oberen Enztal 15 Fälle pro 1000 Einwohner. Da gibt es im Umkreis von Pforzheim keine Gemeinde, die vergleichbar wäre. Aber: Die hohe Zahl lässt sich auf Mitarbeiter einer Firma zurückführen, die hier in einem Wohnheim leben und in deren Betrieb im Enzkreis das Coronavirus sich extrem stark ausgebreitet hat.

 

Einwohner

Corona-Fälle

Fälle pro

1000 EW

Pforzheim und Enzkreis

 

 

 

Pforzheim

126.000

199

 1,6

Enzkreis

199.000

397

2,0

Pforzheim und Enzkreis

325.000

596

1,8

Neuenbürg

8.200

37

4,5

Remchingen

11.800

41

3,5

Straubenhardt

11.200

39

3,5

Birkenfeld

10.300

27

2,6

Mühlacker

26.100

46

1,8

 

 

 

 

Landkreis Calw

 

 

 

Kreis Calw

159.000

633

4,0

Höfen

1.800

27

15,0

Schömberg

8000

65

8,1

Nagold

22.300

133

6,0

Calw

23.600

75

3,2

Bad Liebenzell

9.600

29

3,0

Bad Wildbad 

10.200

20

2,0

 

 

 

 

Stadt- und Landkreis Karlsruhe

 

 

 

Karlsruhe

313.000

335

1,1

Landkreis Karlsruhe

445.000

905

2,0

Stadt- und Landkreis Karlsruhe

758.000

1240

1,6

Bretten

29.400

242

8,2

Walzbachtal

9.800

66

6,7

Karlsbad

16.000

18

1,1

Bretten, Schömberg und Nagold stark betroffen

Bretten (29.400 Einwohner) im Landkreis Karlsruhe kommt auf 8,2 Fälle pro 1000 Einwohner, bei Nagold (22.300 Einwohner), wo die meisten Fälle aller Kommunen des Landkreises Calw gezählt werden, sind es 6,0. Dafür hat sich Schömberg (8000 Einwohner, 65 Fälle) in jüngster Zeit mit 8,1 Fällen pro 1000 Einwohner als weiterer Corona-Schwerpunkt im Landkreis Calw erwiesen. In direkter Nachbarschaft zum Enzkreis im Landkreis Karlsruhe weist sonst nur noch Walzbachtal (9800 Einwohner, 66 Fälle, 6,7 Fälle pro 1000 Einwohner) einen annähernd ähnlich hohen Vergleichswert auf.

Coronavirus-Infektionen in Altenheimen beschleunigen Zuwachs bei Fallzahlen

Einen großen Teil der hohen Fallzahlen in einzelnen Gemeinden lässt sich dadurch erklären, dass hier zum Beispiel in einem Altenheim die dort wohnenden Senioren und dort arbeitenden Betreuer gleich in großer Zahl infiziert wurden, wie es bei Bretten der Fall war. In den etwa gleich großen Kommunen Remchingen (41 Fälle) und Straubenhardt (39 Fälle), wo das Coronavirus ebenfalls in Altenheimen wütete, kommt es jeweils zu 3,5 Infektionen pro 1000 Einwohner. Damit liegen beide Gemeinden deutlich über dem Enzkreis-Durchschnitt von 2,0.

Corona-Infektionen in Altenheimen wirken sich in der Statistik oft auch auf die Fallzahlen in Nachbargemeinden aus, wenn das Pflegepersonal von dort zum Arbeiten einpendelt. So einen ähnlichen Effekt gibt es zum Beispiel in Birkenfeld zu verzeichnen. Dort residiert die Firma Müller-Fleisch, bei der jüngst über 90 Personen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Da viele der Mitarbeiter gar nicht in der 10.300-Einwohner-Gemeinde Birkenfeld wohnen, sondern zum Beispiel in Neuenbürg (8.200 Einwohner, 37 Fälle, 4,5 Infizierte pro 1000 Einwohner) oder auch im Landkreis Calw, tauchen die Corona-Fälle in den jeweiligen Wohnsitzgemeinden auf. So kommt Birkenfeld mit 27 Fällen auf 2,6 Infizierte pro 1000 Einwohner noch vergleichsweise glimpflich davon.

Großstädte mit überraschend wenig Infektionen pro 1000 Einwohner

In den Großstädten lassen zwar große Fallzahlen aufhorchen, doch rechnet man diese auf 1000 Einwohner um, ergeben sich auffallend kleine Werte. Pforzheim hat einen 1000er-Wert von 1,6 und Karlsruhe (313.00 Einwohner, 335 Fälle) kommt sogar nur auf 1,1.  

Betrachtet man die Werte für die Stadt- und Landkreise zusammen, wie sie von den Gesundheitsämtern bekanntgegeben werden, so ist der Stadt- und Landkreis Karlsruhe mit 758.000 Einwohnern und 1240 Corona-Fällen trotz der Horrorsituation in Bretten und den hohen Fallzahlen in Walzbachtal mit 1,6 Fällen pro 1000 Einwohner doch in der Fläche weniger betroffen als Pforzheim und der Enzkreis (insgesamt 325.000 Einwohner), wo es bei 596 Infektionen 1,8 Corona-Infizierte pro 1000 Einwohner gibt. Im Landkreis Calw (159.000 Einwohner, 633 Fälle) nimmt die Corona-Krise bei 4,0 Fällen pro 1000 Einwohner schon ein ganz anderes Ausmaß an.

In der weiteren Region nur Kürnbach noch ohne einen Corona-Fall

Und es gibt natürlich auch statistische Ausreißer im positiven Sinne. Die Gemeinde Kürnbach im Landkreis Karlsruhe ist die einzige Kommune im weiten Umkreis, die noch keinen Corona-Fall aufzuweisen hat. Im Enzkreis führen Kieselbronn ( 1 Fall) und Kreis Calw Dobel (3 Fälle), die Liste der am wenigsten betroffenen Gemeinden an.   

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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