222987858
Nicht nur das vermehrte Spritzen mit einem Influenza Impfstoff hat dazu beigetragen, dass in dieser Grippesaison bislang deutlich weniger Grippefälle in der Region auftreten. Die Corona-Schutzregeln bremsen auch die Ausbreitung der Grippeviren aus. 

Influenza-Zahlen drastisch unter Niveau der Vorjahre - Bislang nur ein Grippefall im Enzkreis

Stuttgart. Bislang bleibt die Grippewelle in Baden-Württemberg aus. Seit Beginn der Influenzasaison im Oktober 2020 bis zum 22. Februar sind bisher nur 48 Influenzafälle aus 19 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs an das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (LGA) im Regierungspräsidium Stuttgart berichtet worden. Spitzenreiter aus der PZ-Region ist dabei der Landkreis Calw mit vier Grippefällen. Der Enzkreis hat nur einen Fall gemeldet, in der Stadt Pforzheim gab es keinen.

Grippefälle

Spitzenreiter bei den Grippefällen in den 44 baden-württembergischen Meldekreisen ist der Landkreis Böblingen mit acht Fällen, gefolgt vom Landkreis Tuttlingen und dem Schwarzwald-Baar-Kreis mit je sieben Fällen. Mit vier Grippefällen taucht dann der Landkreis Calw in der Liste des LGA an nächster Position auf. Es folgen der Bodenseekreis mit drei Fällen und fünf Landkreise mit je zwei Fällen. Neben dem Enzkreis haben noch acht weitere Stadt- und Landkreise je einen Grippefall. Pforzheim zählt zu den 25 Meldekreisen, die noch keinen Fall in der aktuellen Grippesaison gemeldet haben.

Meldekreis

Im Vorjahr 278 Mal so viele Grippefälle wie aktuell

So richtig erstaunlich werden diese Zahlen erst im Vergleich zu den Vorjahren und in der Umrechnung auf 100.000 Einwohner. In den Vergleichszeiträumen der vergangenen drei Influenzasaisons lag die Anzahl der registrierten Influenza-Erkrankungen landesweit bereits zwischen 8123 Fällen in 2018/2019 und 13.349 Fällen in 2019/2020.

2019/2020 gab es 278 Mal so viele Grippefälle wie im aktuellen Saison-Zeitraum. Das waren 2019/2020 umgerechnet landesweit rund 120,3 Grippefälle pro 100.000 Einwohner. In der Grippesaison bis zum 22. Februar 2021 sind es gerade einmal 0,43 Grippefälle pro 100.000 Einwohner.

So wird die Grippesaison definiert

Der Beginn der Grippesaison wird in der Kalenderwoche 40 im Oktober angesetzt. Üblicherweise hat die Saison ihren Höhepunkt im Februar/März. Nach der Grippeschutzimpfung dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Grippeschutzimpfungen sind ab dem vollendeten fünften Lebensmonat sinnvoll. Vorbeugend impfen sollten sich vor allem diejenigen, die beruflich und privat mit vielen anderen Menschen in Berührung kommen. Die Kosten für die Impfung werden in Baden-Württemberg für alle Altersgruppen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Region+

Die Influenza fällt flach: Corona-Regeln halten Grippe in Schach

Corona-Schutzregeln verhindern auch Grippe-Ausbreitung

Kein Wunder, dass die Bilanz von Landesgesundheitsminister Manne Lucha positiv ausfällt: Die Corona-Schutzregeln wie das Einhalten des Mindestabstands, das Tragen von Mund-Nase-Masken und die intensivere Hygiene (Hände waschen und desinfizieren) sowie strenge Kontaktbeschränkungen und die vermehrten Hinweise zur Grippeschutzimpfung hätten bislang zum Ausbleiben der Grippewelle geführt. Das habe bereits der Verlauf der Influenzasaison 2019/2020 mit einem starken Einbruch der Influenza-Meldezahlen im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gezeigt.

„Eine echte Virusgrippe ist keine einfache Erkältungskrankheit, sondern eine teils schwerwiegende Erkrankung, vor der die Grippeimpfung Schutz bieten kann. Deswegen haben wir in der aktuellen Grippe-Saison immer wieder auf die Notwendigkeit der Grippeschutzimpfung hingewiesen“, erklärte Gesundheitsminister Lucha. Die aktuellen Meldezahlen würden dafür sprechen, dass die Zirkulation von Influenzaviren aktuell auf sehr niedrigem Niveau stattfinde.

Region+

Faktencheck: Ist Corona gefährlicher als die Grippe?

Eventuell können die Influenza-Zahlen noch leicht ansteigen

Auch die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut berichtete kürzlich mit Blick auf Atemwegserkrankungen von einem „vorher nie erreichten, niedrigen Niveau in den Wintermonaten“ seit Beginn des harten Lockdowns Ende 2020. Influenzaviren wurden demnach in der routinemäßigen Überwachung von Stichproben nur vereinzelt gefunden. Das sei sonst seit 1997/1998 spätestens ab der ersten Kalenderwoche der Fall gewesen. Da mit einer Erhöhung der Influenza-Aktivität bis in den April hinein zu rechnen ist, ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Grippewelle, eventuell mit einem flachen Verlauf, zeitversetzt beginnt.

Bewusste Hygiene senkt Ansteckungsrisiko

 „Die Maßnahmen, die uns vor Corona schützen, wie insbesondere die AHA-Regeln, haben auch Einfluss auf die Häufigkeit anderer Infektions- und Atemwegserkrankungen“, sagte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer, in dessen Behörde das Landesgesundheitsamt (LGA) Baden-Württemberg angesiedelt ist. „Wie bei SARS-CoV-2 ist auch bei der echten Virusgrippe regelmäßiges und gründliches Händewaschen von großer Bedeutung – ebenso wie die Hände aus dem Gesicht fernhalten, weil sonst Keime der Schleimhäute verschleppt werden können“, erklärte Reimer.

Schutzimpfung
Deutschland

Große Nachfrage nach Grippe-Impfungen im Herbst 2020

LGA-Leiter empfiehlt Grippeschutzimpfung

LGA-Leiter Dr. Gottfried Roller warnt: „Gerade für Personen mit Vorerkrankungen sowie Menschen über 60 ist die echte Virusgrippe gefährlich. Diese Personen haben ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Krankheitsverläufe, oftmals verbunden mit einer stationären Krankenhausbehandlung. Daher ist während der COVID-19-Pandemie eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen wichtig, um schwere Verläufe oder gar Ko-Infektionen mit SARS-CoV-2 zu verhindern und unser Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten.“

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

Zur Autorenseite