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Bundesanwaltschaft fordert Freispruch für Harry Wörz © Ketterl
15.12.2010

Justizdrama beendet: Harry Wörz ist ein freier Mann

PFORZHEIM/BIRKENFELD. Zahlreiche Verwandte und Freunde von Harry Wörz jubelten, als der Bundesgerichtshof am Mittwochnachmittag die Revisionen gegen den Freispruch der Mannheimer Strafrichter verwarf. 2009 hatte das Landgericht den gelernten Bauzeichner aus Gräfenhausen in Schutz genommen – und vom Vorwurf entlastet, er habe 1997 seine frühere Frau Andrea Z. zu töten versucht.

Doch die Staatsanwaltschaft Mannheim sowie der Pforzheimer Rechtsanwalt Michael Schilpp als Vertreter der Familie des Opfers wollten das Urteil kippen. Der BGH sah aber keine schwerwiegenden Rechtsfehler in dem Freispruch. Damit ist die Anklage gegen den 44-jährigen Harry Wörz jetzt erledigt. Nach mehreren Gerichtsprozessen in den vergangenen 13 Jahren ist Wörz nun ein freier Mann. Er hatte von Anfang an seine Unschuld beteuert.

Harry Wörz war im Gerichtssaal dabei, wollte aber nach dem Urteil des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs „nichts dazu erklären“. „Ich muss mir das alles erst durch den Kopf gehen lassen“, sagte er. Bei seinen beiden Verteidigern Hubert Gorka und Ralf Neuhaus bedankte er sich für ihren großen Einsatz.
In der Hauptverhandlung beim Bundesgerichtshof unter dem Vorsitzenden Richter Armin Nack standen die Zeichen früh auf einen Freispruch für Wörz. Überraschend sprach sich Bundesanwalt Wolfram Schädler dafür aus, das Urteil der Mannheimer Strafkammer zu bestätigen. „Das Tatgericht hat alle relevanten Umstände in seine Beweiswürdigung einbezogen und seine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten rechtsfehlerfrei begründet“, sagte denn auch Armin Nack.
Es habe „Versäumnisse der Polizei“ gegeben, so der BGH. Die Kriminalpolizei sei „einer eingleisigen Ermittlungshypothese“ gegen Wörz gefolgt. Deshalb sei es auch nicht zu beanstanden, so BGH-Richter Nack, dass das Landgericht Mannheim den Polizisten Thomas H. als „Alternativtäter in den Blickpunkt rückte“. Der Streifenbeamte hatte sich in die Kollegin und Ex-Frau von Wörz verliebt und war zwischen ihr und seiner Ehefrau hin- und hergerissen. Nur ein Strafprozess könne ergeben, ob der jetzt verdächtigte Beamte der Täter gewesen ist, sagte Nack. „Bisher war er nur Zeuge, nicht Angeklagter“, sagte Nack. Nach dem Urteil des Mannheimer Gerichts hatte die Polizeidirektion Pforzheim im Januar dieses Jahres Thomas H. vom Dienst suspendiert. Seither ermittelt eine Sonderabteilung der Landespolizeidirektion in Karlsruhe. Das Ergebnis ist allerdings noch offen.

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