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Ursachensuche am Einsatzabend: Feuerwehr und ein SWP-Mitarbeiter am Montagabend in der Nieferner Hauptstraße. Mittlerweile hat man einen Gasboiler als Ursache im Blick, dass giftiges Kohlenmonoxid in ein Wohnhaus strömte. Foto: Tilo Keller
27.02.2018

Kohlenmonoxid-Austritt in Niefern: Ermittler gehen von Unfall aus

Niefern-Öschelbronn. Ein Problem mit einem Gasboiler in dem Nieferner Wohnhaus war wohl die Ursache für den Kohlenmonoxid-Austritt am Montagabend. Die Polizei sieht keine Hinweise auf ein schuldhaftes Verhalten. Den Verletzten geht es besser, die evakuierten Bewohner können zurück in das Haus.

Am Tag nach dem großen Feuerwehreinsatz in Nieferns Hauptstraße, um Menschen aus einem Wohnhaus mit hoher Konzentration des heimtückischen, giftigen Kohlenmonoxid-Gases zu retten, herrschte Erleichterung vor. Trotz einer Person, die so viel von dem Gas abbekommen hatte, dass sie in einer speziellen Druckkammer behandelt werden musste, und trotz drei weiterer, leichter Verletzter. Doch die Hilfe für die Betroffenen war noch rechtzeitig gekommen. Bei dem geruchlosen, farblosen Gas bemerken Menschen die Gefahr oft zu spät. Erst Anfang Februar war in Esslingen eine vierköpfige Familie wegen schleichender Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.

Bildergalerie: CO-Alarm in Niefern: Vier Verletzte

In Niefern hatte der Rettungsdienst bei einem Einsatz schnell reagiert und den Alarm ausgelöst. „Es ist gut, dass unsere DRK-Helfer die Kohlenmonoxid-Warngeräte immer an der Weste haben“, sagt Niefern-Öschelbronns Bürgermeisterin Birgit Förster. So habe die gefährliche Situation ein glückliches Ende nehmen können. Die Verletzten seien ihren Informationen nach stabil beziehungsweise schon aus dem Krankenhaus entlassen. Die rund 20 Menschen, die am Montagabend wie berichtet vorsichtshalber evakuiert worden waren, könnten wieder in das Haus zurück, so Birgit Förster. Die Ermittler haben keine Hinweise darauf, dass sich irgendjemand etwas habe zuschulden kommen lassen, so Sprecher Florian Herr: „Wir gehen von einem Unfall aus.“ Nach Angaben der Rathauschefin ist ein Problem mit der Sauerstoffzufuhr für einen Gasboiler als Ursache ausgemacht worden. Dadurch sei das Gas nicht richtig verbrannt – und Kohlenmonoxid ausgetreten.

Kohlenmonoxid-die unsichtbare Gefahr

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Was macht Kohlenmonoxid (CO) so gefährlich?

Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos. Etwa 300 bis 400 Menschen pro Jahr verlieren in Deutschland ihr Leben, weil sie Opfer einer Kohlenmonoxidvergiftung wurden.

Wenn Kohle, Gas oder Benzin nicht vollständig verbrennen, kann sich Kohlenmonoxid bilden. Schon mehrfach gab es Tote und Verletzte, weil jemand einen noch glühenden Holzkohlengrill vom Balkon ins Zimmer gestellt oder in einer geschlossenen Garage gegrillt hat. Wer einen offenen Kamin in der Wohnung hat, muss ebenfalls mit einer unsauberen Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung rechnen. Sind dann auch noch die Abzüge defekt oder der Kamin verstopft, kann sich das Gas im Wohnraum ansammeln. Manchmal sogar bei geöffneten Fenstern. Auch an Stromaggregaten, die meist mit Diesel oder Benzin betrieben werden, entstehen giftige Abgase wie Kohlenmonoxid. Ein solches Aggregat, das die Versorgung mit Energie unabhängig vom Stromnetz sicherstellt, sollte also nicht in geschlossenen oder schlecht belüfteten Räumen genutzt werden.

Das Einatmen von CO führt zu einem extremen Sauerstoffmangel im Körper. Aus Kopfschmerzen und Übelkeit folgen Herzrasen, Halluzinatonen und Krämpfe. Die Kohlenmonoxid-Opfer werden zunehmend apathisch und leiden unter Atemnot. Je länger die Menschen große Mengen CO einatmen, desto eher tritt der Tod ein. Gefährlich wird es, wenn die Menschen im Schlaf überrascht werden und dann nicht mehr die Kraft finden, sich aus dem Raum zu bewegen, um frische Luft, zum Beispiel durch ein geöffnetes Fenster, einzuatmen.

Die üblichen und vorgeschriebenen Rauchmelder reagieren nicht auf Kohlenmonoxid. Es gibt jedoch CO-Melder, die bei manchen Kaminsituationen auch vom Schornsteinfeger angeordnet werden. Generell gilt: Ein CO-Melder kann Leben retten, denn wer noch die Kraft hat, sich ins Freie zu retten, hat sehr gute Chancen, die Vergiftung zu behandeln. Das geschieht vor allem mit der Gabe von hochdosiertem Sauerstoff. tok

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