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Die entflohene Kuh im Wald bei Niebelsbach. Sie war über Wochen hinweg immer wieder gesichtet worden. Am Dienstag wurde sie von der Polizei erlegt.  Foto: Jäck 
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Rinder auf einer umzäunten Weide stellen keine Gefahr dar. Anders sieht es aus, wenn ein Tier ausbüxt und Straßen unsicher macht, wie im vorliegenden Fall zwischen Gräfenhausen und Ellmendingen. Symbol foto: Jens Büttner, dpa-Archiv 

Mehrere Schüsse: Wochenlange Flucht einer Kuh endet tödlich

Keltern/Birkenfeld. Mit dem Tod eines Rindes hat am Dienstagabend die Jagd der Einsatzkräfte in der Nähe der Niebelsbacher Grenzsägmühle geendet. Wie Jäger Matthias Jäck aus Birkenfeld auf Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“ mitteilte, gab es zu der „finalen Vorgehensweise keine Alternative mehr“. Das Tier war bereits vor einigen Wochen von einem Rinderhof in Gräfenhausen ausgebüxt und war immer wieder im Wald und auf Weiden gesichtet worden.

Das Problem aufgrund des mehrwöchigen Fluchtzeitraums: Rinder, so Jäck, neigten dazu, bereits nach wenigen Tagen jedwede Zutraulichkeit zu verlieren. Es sei nicht mehr möglich gewesen, sich dem Tier auf eine Distanz unter 40 Metern zu nähern.

Für einen sicheren Betäubungsschuss aus einer Luftdruckwaffe sei dieser Abstand zu gering gewesen. Das Polizeipräsidium Karlsruhe teilte mit, dass sich gleich mehrere besorgte Anrufer bei der Dienststelle in Neuenbürg gemeldet hätten. Tatsächlich war die Kuh am Dienstag im Bereich der Kreisstraße zwischen Ellmendingen und Gräfenhausen aufgetaucht und hatte, wie Augenzeugen berichteten, mehrmals die Straße gequert. Aufgrund der akuten Gefährdung der Verkehrsteilnehmer und der erheblichen Beeinträchtigung des Verkehrsflusses habe man sich zum konsequenten Handeln entschlossen.

Mit Unterstützung eines Polizeihubschraubers mit Wärmebildkamera wurde das Rind gegen 20.45 Uhr auf einem Wiesengrundstück bei Ellmendingen Richtung Niebelsbach lokalisiert. Durch einen speziell ausgebildeten Beamten der Polizeihundestaffel konnte das Tier kurze Zeit später mit einem Dienstgewehr erlegt werden. Mehrere Schüsse seien nötig gewesen, da es sehr dunkel gewesen sei.

Jäck erläuterte, dass die Einsatzkräfte zuvor den Tierbesitzer informiert hätten. Dieser müsse formal seine Besitzrechte abtreten. Ferner hätten die Beamten die Jäger hinzugezogen. Grundsätzlich müssten viele Entscheidungsräder ineinandergreifen: Veterinär- und Kreisjagdamt seien ebenso involviert, wie die Ortspolizeibehörde. Man habe sich die Sache nicht leicht gemacht, unterstrich der Jäger: „Das war keine schöne Aufgabe.“

Den im Einsatz befindlichen Hubschrauber hatte so mancher Niebelsbacher und Ellmendinger gehört, hieß es aus Keltern. Allerdings sei es gegen 21 Uhr schon sehr dunkel gewesen, berichtete Nordin Dekkar vom Gasthaus Grenzsägmühle. Im Restaurant habe man zwar den Fluglärm auch wahrgenommen, die Gäste hätten sich davon aber nicht beunruhigen lassen.

Tierische Ausbrechergeschichten

In der Region sind in den zurückliegenden Jahren schon oft Tiere ausgebüxt. Hier eine kleine Auswahl:

Januar 2018: Vier schottische Hochlandrinder machen sich selbstständig und entkommen von ihrer Weide zwischen Neuhausen und Lehningen. Sie schaffen es, einen 8000-Volt-Zaun zu durchbrechen und verteilen sich hernach in der Gegend. Die Hilfe von Pforzheims Wildpark-Förster Carsten Schwarz wird organisiert. Er unterstützt die Suchenenden mehrfach mit seinem Betäubungsgewehr.

Oktober 2017: Fünf Kühe flüchten von einem Wiesengrundstück in Stein. Vier kann der Besitzer schnell wieder einfangen. Die fünfte Kuh spaziert über die Hauptstraße in Stein und die Königsbacher Straße bis zum Kreisverkehr, wo sie zunächst in Richtung Wössingen abbiegt. Später kann sie im Bereich der Johannes-Schoch-Schule mit einem Betäubungsgewehr ruhiggestellt und zu ihren Artgenossen zurückgebracht werden.

August 2017: Aus einem Tierpark in Bretten büxen fünf Wallabys – eine kleine Art aus der Familie der Kängurus – aus. Von zwei fehlt länger jede Spur. Die Polizei fahndet mit Fotos nach den scheuen und absolut ungefährlichen Tieren. Eines wird am Rand der Kreisstraße zwischen Bretten und Sprantal gesichtet. Als die Polizei eintrifft, ergreift das Wallaby sofort die Flucht in den Wald.

August 2015: Ein weißes Tier sorgt zwischen Weiler, Ittersbach und Auerbach für viele Fragezeichen. Einige PZ-Leser vermuten ein Reh, Kreisjägermeister Dieter Krail hat den richtigen Riecher: eine weiße Damhirschkuh. Diese war mit einigen Artgenossen Tage zuvor den Besitzern aus dem Straubenhardter Ortsteil Schwann entflohen.

April 2015: Zwei der drei Fischotter graben sich aus ihrem Gehege im Wildpark in die Freiheit. Ein Weibchen ist nach einem Katz und Mausspiel mit den Suchtrupps vier Tage später wieder im alten Zuhause. Trotz aller angeblicher Sichtungen in den vergangenen Jahren: von Otterdame „Otti“ fehlt dagegen weiterhin jede Spur.

Mai 2014: Ein Stier flieht beim Entladen eines Transporters vom Gelände eines fleischverarbeitenden Betriebs im Brötzinger Tal. Das wildgewordene Tier beschädigt in einem nahegelegenen Autohaus mehrere Fahrzeuge und versucht erfolglos, einen vorbeifahrenden Mercedes auf die Hörner zu nehmen. Die herbeigeeilten Polizisten müssen zur Waffe greifen und strecken den Stier mit mehreren Schüssen nieder. Schon im April 2014 und Oktober 2012 war es zu ähnlichen Vorfällen rund um das Gelände der Birkenfelder Firma gekommen. kri

Im Facebook-Livevideo mit PZ-news-Redakteur Thomas Kurtz erzählt der Wildpark-Förster, worauf es beim Schießen mit dem Betäubungsgewehr ankommt und wie er mit solch einer Situation umgeht.

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