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Nach Singener Attacken ist bekannt: Iraner bereits aktenkundig

Remchingen-Singen. Im Fall des 20-jährigen Iraners, der Mitte vergangener Woche in Remchingen-Singen Angst und Schrecken verbreitet hat, ist einiges in Bewegung. Der junge Mann und seine Familie haben inzwischen die Unterkunft an der Blumenstraße verlassen und sind nun in einer anderen Wohnung, ebenfalls in Singen, untergebracht, wie Ordnungsamtsleiter Udo Stöckle mitteilt.

Allerdings: Der Umzug war bereits geplant, als der Asylbewerber am Dienstagabend vor einer Woche insgesamt drei Autofahrer attackierte. Er trat dabei unter anderem mehrfach mit Wucht gegen ein Auto, das langsam vorbei fuhr, und kickte den Rückspiegel zu Bruch. Bei anderen Wagen soll er mit der Faust auf die Windschutzscheibe geschlagen haben oder auf die Motorhaube gesprungen sein. Die Polizei rückte mit vier Streifenwagen an, um den Mann zu stoppen. Es wurde festgestellt, dass er betrunken war und offenbar Streit mit seinem Vater hatte.

Größere Wohnung

Der Remchinger Integrationsmanager Matthias Lajer betreut die Familie, die 2015 aus dem Iran nach Deutschland gekommen ist. Wie er berichtet, hat der 20-Jährige nicht das erste Mal für Probleme gesorgt: Es habe zwei ähnliche Vorfälle gegeben, einen davon in Kämpfelbach. Wegen dieser Delikte habe der Mann bereits Sozialstunden ableisten müssen.

Lajer erklärt, dass die Wohnung an der Blumenstraße eigentlich zu klein für die vierköpfige Familie gewesen sei. Außerdem sei es wegen der unterschiedlichen Nationalitäten, die in dem Haus wohnen, immer wieder zu Problemen gekommen. „Iraker und Afghanen verstehen sich beispielsweise nicht gut“, weiß der Integrations-Fachmann aus Erfahrung. Deshalb habe man schon länger nach einer anderen Unterkunft gesucht, in der die Bewohner besser sortiert sind. Der Umzug in eine größere Wohnung, in der der 20-Jährige ein eigenes Zimmer hat, habe dann wie geplant stattgefunden – zufälligerweise genau einen Tag nach der Attacke. „Vielleicht wollte er mit dem Angriff auch unbewusst auf sich aufmerksam machen und signalisieren, dass er Hilfe braucht“, vermutet Lajer.

Schule abgebrochen

Denn die Eltern machten sich auch aus anderen Gründen Sorgen um ihren Sohn, ergänzt er. So habe er Schule und Ausbildung abgebrochen und finde sich offensichtlich in der neuen Umgebung nicht zurecht. Es sei fraglich, ob er in Deutschland eine gute Zukunft habe. „Das kommt immer wieder mal vor“, betont der Experte. Deshalb habe man gemeinsam mit der Familie überlegt, ob er nicht in der alten Heimat besser aufgehoben sei – zumal dort noch der älteste Sohn lebt. Eigentlich wollte die Familie bei der Rückkehrberatung vorstellig werden, die in den nächsten Monaten beim Landratsamt neu eingeführt werden soll. Dort wird besprochen, wie Rückkehrer beim Neustart in der alten Heimat unterstützt werden können – zum Beispiel in finanzieller Hinsicht.

Um diese Chance könnte sich der junge Iraner nun selbst gebracht haben: Je nachdem, welche strafrechtlichen Konsequenzen seine Attacken haben. Denn bisher hat er zwar Einträge in seine Strafakte, gilt aber nicht als vorbestraft. Sollte sich das ändern, kann er einfach in das Herkunftsland abgeschoben werden. Dann würde die finanzielle Hilfe entfallen.

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