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Begutachten auf dem Platz die Pläne für das Bauprojekt des Auenhofes: Heimleiter Stefan Finscher (links) und Fördervereinsvorstand Rainer Ilg (Zweiter von rechts) mit Bewohnern des Auenhofs.  Foto: Dietrich 

Neuer Wohnraum auf dem Auenhof: Junge Menschen mit Behinderung brauchen dringend Platz

Neulingen-Bauschlott. Auf dem Gelände des Auenhofes in Bauschlott wird neuer Wohnraum für 20 Menschen im jungen Erwachsenenalter mit kognitiven Einschränkungen geschaffen, angelegt als Baustein parallel zu anderen Wohnformen, um alle Lebensphasen ab der Volljährigkeit abzudecken. Der Bedarf ist konkret vorhanden, die Warteliste schon wieder übervoll.

Eine Elterngruppe des Wohnprojekts traf sich kürzlich im Landratsamt des Enzkreises zu Gesprächen mit Sozialdezernentin Katja Kreeb, der stellvertretenden Leiterin des Sozialamts, Cordula Allgaier-Burghardt, und Katja Fridrikind von der Sozialplanung. Anstoß des Treffens war die Kreisbereisung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann Anfang Oktober.

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Vanessa Eiwen, eine junge Frau mit Behinderung, und ihre Mutter Arne hatten beim Bürgerempfang eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass viele längst erwachsene Menschen mit Behinderung zuhause bei ihren Eltern leben, weil auch im Enzkreis Wohnraum mit bedarfsgerechter Betreuung fehlt. Spätestens wenn Eltern oder Familienangehörige in ein Alter kommen, in dem sie die Betreuung nicht mehr leisten können, stünden diese Menschen buchstäblich obdachlos auf der Straße.

Die Elterngruppe um Rainer Ilg, einer der Vorstände des Fördervereines vom Auenhof, der bei der Realisierung hilft, erläuterte den aktuellen Planungsstand und die bereits erwirkten Genehmigungen. Dr. Franz Kaspar schilderte die langjährigen und vergeblichen Anstrengungen von Eltern, geeigneten Wohnraum in Eigeninitiative zu finden.

Betroffene sind enttäuscht

Im Lauf dieser Suche hätte sich zur großen Enttäuschung herausgestellt, dass die von der Landespolitik gewünschten, ambulant betreuten Wohnformen im Gegensatz zu den früheren stationären Einrichtungen nicht investiv gefördert würden. Kaspar: „Man fordert ein, bezahlt aber nicht und lässt die Betroffenen im Regen stehen.“ Man verweise kühl darauf, dass auch Nichtbehinderte Schwierigkeiten hätten, Wohnraum zu finden – und nach dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) gelte eben Gleichbehandlung. Initiativen wie im vorliegenden Fall gehe es nach eigener Aussage darum, bestehende Einrichtungen weiterzuentwickeln.

„Wir vermissen konkrete Vorschläge der Politik im Land, wie geeigneter Wohnraum finanziert werden kann. Am grünen Tisch ausgedachte Ideen, die nicht praktisch umgesetzt werden können, helfen uns nicht“, so Ilg.

Er weist darauf hin, dass der Hilfsbedarf von Menschen mit geistiger Behinderung anders als der von körperlich eingeschränkten Menschen ist, vor allem bezüglich der Betreuung. Man sei froh, dass man zusammen mit dem Auenhof viele Voraussetzungen für die Umsetzung des Projektes schaffen konnte. Die Eltern alleine wären damit überfordert.

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Kreeb betont, dass Wohnangebote in erster Linie bedarfsgerecht und im Einklang mit den Finanzierungsgrenzen des Enzkreises sein müssen. Vor dieser Ausgangslage bescheinigt sie der Gruppe großes Engagement – auch in finanzieller Hinsicht – und die Entwicklung eines runden, unterstützenswerten Konzeptes. Man einigte sich darauf, dass die weiteren Realisierungsschritte in enger Abstimmung erfolgen werden.

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