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Vergleicht man die Neuinfektionsrate, beziehungsweise den Inzidenzwert der 44 meldenden Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg so liegen Pforzheim und der Enzkreis auf den Rängen 4 und 5 der aktuell gefährdetsten Kreise.  Foto: denisismagilov - stock.adobe.com 

Pforzheim und Enzkreis landesweit unter den Top-5-Kreisen mit der höchsten Neuinfektionsrate

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw/Karlsruhe. Pforzheim hat im Landesvergleich nur selten einmal Spitzenwerte. Bei den Sonnenstunden pro Jahr liegt die Goldstadt meistens ganz vorne. Bei der Arbeitslosenquote rangiert man ganz hinten, der Enzkreis hält sich dagegen locker im vorderen Drittel der Stadt- und Landkreise mit dem höchsten Beschäftigungsgrad. Schaut man sich die Liste der Corona-Fallzahlen des Landesgesundheitsamtes an, fällt auf, dass Pforzheim und der Enzkreis quasi Hand in Hand unter den Top-5 der Stadt- und Landkreise mit den höchsten Inzidenzwerten liegen - eine traurige Top-Platzierung. Nur die Stadtkreise Heilbronn (Inzidenzwert 148,5) und Mannheim (142,0) und der Alb-Donau-Kreis (143,6) haben noch mehr Neuinfizierte pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen.

„Aufgrund der weiter stark steigenden Corona-Fallzahlen sind bis zum jetzigen Zeitpunkt  alle Fälle beim Gesundheitsamt erfasst und an das Landesgesundheitsamt (LGA) gemeldet. Allerdings sind die Fälle noch nicht abschließend bearbeitet, so dass wir derzeit sowohl auf die Berechnung von eigenen Inzidenzzahlen als auf die Veröffentlichung von absoluten Zahlen verzichten und diesbezüglich auf die Veröffentlichung des täglichen Gesamtberichts des LGA verweisen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Landratsamt des Enzkreises. Und das Landesgesundheitsamt vermeldet für Pforzheim 133,4 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen, für den Enzkreis liegt der Inzidenzwert bei 126,8. Zum Vergleich: Für ganz Baden-Württemberg liegt der Inzidenzwert bei 89,9.

Für die Berechnung des Inzidenzwertes wichtig: In Pforzheim gab es 168 neue Corona-Fälle in den vergangenen sieben Tagen, im Enzkreis waren es 253.

Pforzheim mit 723,3 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner

Anders sieht es aus, wenn man die Gesamtzahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner vergleicht. Da liegt zwar auch der Stadtkreis Heilbronn mit 918,7 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner vorne, aber danach folgen der Stadtkreis Tübingen (909,1) und der Hohenlohekreis (890,3), der einen Inzidenzwert von nur 46,2 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen aufweist. Soll heißen: Im Hohenlohekreis gab es bereits durch bestimmte Ereignisse eine große Infektionswelle, was die Gesamtzahl der Infizierten in die Höhe schießen ließ, die nun jedoch nicht so dramatische Ausmaße anzunehmen scheint wie andernorts. Pforzheim liegt mit 723,3 Infizierten pro 100.000 Einwohnern über dem Landesdurchschnitt (655,2), der Enzkreis liegt mit 666,0 ziemlich nahe dran.  

Unklarheiten bei den Corona-Todesfällen und Genesenen-Zahlen

Laut Landesgesundheitsamt wurden am Dienstag 34 neue Corona-Fälle in Pforzheim (insgesamt 911) und 48 weitere Neuinfizierte im Enzkreis (insgesamt 1329) gemeldet. Eine genauere Aufschlüsselung, in welcher Gemeinde es gerade einen Infektionsschwerpunkt gibt oder wo gerade keine neuen Corona-Fälle auftauchen, gibt die LGA-Tabelle nicht her. Allerdings machen die Zahlen der Gesamtinfektionen einen großen Sprung im unteren dreistelligen Bereich im Gegensatz zu den vom Enzkreis am Montag gemeldeten Zahlen.

Das ist noch nicht alles, was verwirrt. Im Gegensatz zu den vergangenen Meldungen aus dem Landratsamt des Enzkreises sind in der LGA-Liste 29 Corona-Todesfälle aufgeführt, also einer mehr als bislang publiziert. In Pforzheim tauchen in der LGA-Tabelle neun Menschen auf, die am oder mit dem Coronavirus gestorben sind, während bislang von der Enzkreis-Pressestelle zehn Corona-Todesfälle gemeldet wurden. Bleibt zu hoffen, dass hier bald Klarheit geschaffen wird.

Das gilt auch für die Zahl der genesenen Personen, die aus der Tabelle des Landesgesundheitsamts nicht abzulesen ist. Dem entsprechend kann man nicht berechnen, wie hoch die Anzahl der Akut-Fälle ist, also derjenigen Personen, die noch in Quarantäne sind oder wegen den Folgen einer Corona-Infektion im Krankenhaus liegen.

Landkreis Calw mit Inzidenzwert von 98,9

Diese Zahlen liefert der Landkreis Calw. Hier werden am Dienstag 35 neue Corona-Fälle gemeldet, was zu einem Inzidenzwert von 98,9 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen führt. Schwerpunkt der neuen Corona-Fälle ist Calw mit zwölf Neuinfizierten. Mit weitem Abstand dahinter kommen Nagold (vier neue Corona-Fälle), Althengstett, Bad Liebenzell, Ebhausen und Gechingen mit je drei Neuinfizierten.

Aktuell befinden sich in den Kliniken im Landkreis Calw sieben Personen, die positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet wurden, in stationärer Behandlung – eine davon auf der Intensivstation. Insgesamt gibt es bei insgesamt 1280 Infektionen und 1006 Genesenen sowie 33 Corona-Todesfällen noch 241 Akut-Fälle im Kreis Calw. Insgesamt wurden bisher 19.190 Personen getestet.

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Drei neue Corona-Todesfälle im Stadt- und Landkreis Karlsruhe

Die Zahlen für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe zeigen an, dass es hier drei neue Corona-Todesfälle gab. Insgesamt sind es nun 113, von denen rund ein Drittel auf die Todesfälle in einem Altenheim in Bretten-Neibsheim zurückgehen. Bei insgesamt 3484 Corona-Fällen (plus 95 am Dienstag) und 2394 Genesenen (plus 45) sowie 113 Todesfällen (plus drei) ergeben sich 977 Akut-Fälle. Die Corona-Liste von Stadt- und Landkreis Karlsruhe gibt folgende Inzidenzwerte an: Die Stadt Karlsruhe hat 81,7 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen, der Landkreis kommt auf 86,9. In der LGA-Liste hat die Stadt einen Inzidenzwert von 87,5 und der Landkreis von 85,8.

Drei Viertel der betreibbaren Intensivbetten sind belegt 

Für ganz Baden-Württemberg gilt: Am Dienstag gab es insgesamt 72.735 Corona-Fälle (plus 1843) im Südwesten, 1985 Verstorbene (plus acht), 52.806 Genesene (plus 592) und einen Inzwidenzwert von 89,9. Von den 44 Stadt- und Landkreisen liegen 38 Meldekreise über dem Grenzwert von 50 gemeldeten Fällen pro 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen. Weitere fünf Kreise erreichen oder überschreiten den 35er-Warnwert.

Nach Daten des DIVI-Intensivregisters von Krankenhaus-Standorten mit Intensivbetten zur Akutbehandlung sind mit Stand von Dienstag, 15 Uhr, 156 COVID-19-Fälle in Baden-Württemberg in intensivmedizinischer Behandlung, davon werden 84 (54 %) invasiv beatmet. Insgesamt sind derzeit 2306 Intensivbetten von betreibbaren 3117 Betten (74 %) belegt.

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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