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Diese Schmierereien an der Otto-Riehm-Schule in Ispringen könnten laut Polizei von den gleichen Tätern stammen, die auch die Wendelins- und Antoniuskapelle in Ersingen besudelt haben. 
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Menschenverachtend und kriminell: Nazischmierereien auf einem Spielplatz in Ispringen. Nebenan wurde auch ein Altkleidercontainer des DRK beschmiert. 

Staatsschutz ermittelt: Üble Nazi-Schmierereien in Ispringen und Nußbaum

Ispringen. Schon wieder haben Schmierfinken in der Region mit Nazi-Symbolen Gebäude verunstaltet. Dieses Mal traf es Ispringen und Neulingen-Nußbaum, wobei der Staatsschutz davon ausgeht, dass die Sprayer der Ispringer NS-Symbole die gleichen Täter sind, die auch in Kämpfelbach-Ersingen die Wendelins- und die Antoniuskapelle beschmiert haben.

In beiden Fällen wurden Hakenkreuze zum Teil falsch herum gesprüht, was möglicherweise darauf schließen lässt, dass es sich wohl nicht um die hellsten Köpfe der Rechtsradikalenszene handelt, beziehungsweise, so ein Polizeisprecher, um Jugendliche, die noch nicht fest verankert sind im Rechtsextremismus. Auch die pubertären Schmierereien mit Penissymbolen lassen eher an Jugendliche denken. Bei einem Fall in Neulingen-Nußbaum, wo vergangene Woche ein Altkleidercontainer des DRK und Geräte auf einem Spielplatz beschmiert wurdne, sollen jedoch andere Täter am Werk gewesen sein.

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Üble Nazi-Schmierereien in Ispringen

Aktuell sind in Ispringen drei Wände an der Otto-Riehm-Schule mit Schwimm- und Turnhalle an der Turnstraße und Wände am Vereinsheim des Angelsportvereins an der Wiesenstraße beschmiert worden. Die Täter haben in den Nächten von Sonntag bis zum Dienstag unter anderem Hakenkreuze und SS-Runen aufgemalt, sowie zusätzlich noch Scheiben eingeschlagen. Die Polizei geht von einem Schaden in Höhe von mehreren Tausend Euro aus. An den Gebäuden wurden, ähnlich wie bei den Schmierereien an der Ersinger Wendelinskapelle Mitte April, von offenbar denselben Tätern Symbole aus der Nazi-Diktatur und auch Schmierereien mit sexuellem Inhalt hinterlassen. In der Wendelinskapelle zerstörten die Täter noch 13 Glaseinsätze in den Fenstern. Und an der Ersinger Grundschule waren ebenfalls zuvor schon Schmierereien aufgetaucht, die mit denen an den Kapellen vergleichbar sind.

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Kapellen in Ersingen verwüstet

Die NS- und Penissymbole an der Ersinger Wendelinskapelle waren schnell beseitigt. Ein Malerfachbetrieb hatte gleich die Schmierereien mit Grundierungsfarbe beseitigt. Mit dabei: die Vorsitzende des Bürgervereins Nordstadt, Heike Kuppinger, Polizeihauptkommissar Volker Weingardt vom Haus des Jugendrechts Pforzheim und Polizeioberkommissar Holger Schramm vom Polizeiposten Königsbach-Stein. Die abschließenden Malerarbeiten wurden unter Einsatz des Anti-Graffiti-Mobils durchgeführt.

Allerdings sollen ähnliche Schmierereien an der Grundschule in Ersingen immer noch nicht beseitigt sein. Die Kinder an der Schule seien, so ein Hinweisgeber, sehr verunsichert wegen der Symbole und würden fragen, warum man sie noch nicht weggemacht habe.

Dass ein Teil der schwarzen Schmierereien einen rechtsradikalen politischen Hintergrund hat, macht die Tätersuche zum Fall für die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei. Die Beamten meldeten damals im Ersinger Fall, dass sie von einem oder mehreren jugendlichen Tätern ausgehen. Die sollen nach Auskunft eines Polizeisprechers nun auch in Ispringen zugeschlagen haben.

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Nazi-Symbole in Nußbaum herumgeschmiert

Allerdings sollen die Übeltäter nicht für die Nazi-Schmierereien in Neulingen-Nußbaum verantwortlich sein. Dort haben Rotkreuzler vergangene Woche eine unschöne Entdeckung gemacht: Unbekannte haben den DRK-Kleidercontainer an der Ruiterstraße neben dem Feuerwehrhaus unter anderem mit Hakenkreuzen beschmiert. Auch auf Geräten des nahen Spielplatzes wurden Nazi-Parolen entdeckt. Dort kritzelten die Täter zum Beispiel das Wort "Gaskammer" (das sie in einem Fall falsch geschrieben haben) und "Zyklon B" (damit vergifteten SS-Mörder die Menschen in den Gaskammern der Konzentrationslager) auf eine Rutschbahn. Parolen wie "Auschwitz Gaskamer für Asylanten!!" oder "Sieg Heil" und "Ausländer Raus" sind auf dem Spielplatz oder auf dem DRK-CVontainer ebenfalls zu lesen.

Die DRK-Ehrenamtlichen, die die Schmierereien entdeckt haben, hatten umgehend Polizei und Gemeinde informiert und Anzeige erstattet. Die Altkleiderspenden, so eine DRK-Sprecherin, seien sehr wichtig für den Ortsverein, weil die Erlöse unter anderem in die Jugendarbeit und in die Finanzierung des „Helfer vor Ort“-Systems fließen würden.

Die weiteren Ermittlungen in Ispringen hat das Kriminalkommissariat Pforzheim aufgenommen. Die Beamten bitten um sachdienliche Hinweise, die beim Kriminaldauerdienst Karlsruhe unter Telefon (0721) 939-5555 entgegengenommen werden.

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