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Zu Herzen gingen die zahlreichen Beileidsbekundungen, mit denen gestern von den bei einer Brandkatastrophe in Calw gestorbenen Menschen Abschied genommen wurde.
Zu Herzen gingen die zahlreichen Beileidsbekundungen, mit denen gestern von den bei einer Brandkatastrophe in Calw gestorbenen Menschen Abschied genommen wurde. © Recklies
24.08.2009

Über 400 Menschen gedenken der Calwer Brandopfer

CALW. In der Calwer Stadtkirche haben am Montag mehr als 400 Menschen der vier Toten gedacht, die Mitte vergangener Woche Opfer der verheerenden Brandkatastrophe in einem örtlichen Obdachlosenheim geworden sind.

Im Rahmen des ökumenischen Trauergottesdienstes nahmen am frühen Abend Vertreter von Politik, Kirche und Gesellschaft sowie zahlreiche Calwer Bürger großen Anteil an der tiefen Trauer der Angehörigen und Freunde sowie der Mitarbeiter der Erlacher Höhe.

Auch zahlreiche Angehörige der Einsatzkräfte, die vergangenen Mittwoch gegen den Brand gekämpft, die Überlebenden betreut und die Leichen geborgen haben, waren zu der Gedenkfeier gekommen. Sie erfuhren für ihr Wirken, „teilweise unter Einsatz des eigenen Lebens“ (Dekan Erich Hartmann), Dank und Anerkennung. Wohl wissend, dass einige von ihnen auch in Zukunft mit den „grausamen Bildern leben müssen“, die sie am frühen Mittwochmorgen gesehen haben, wie Hartmann sagte.

„Die Sprache verschlagen“

Der Calwer Dekan betonte, dass eine Stadt nach solch einer Tragödie nicht zur Tagesordnung übergehen könne und dürfe. „Wir sind aufgewühlt, verstört und ratlos angesichts des Ereignisses“, brachte Hartmann das Gefühl vieler Menschen zum Ausdruck, die von der Katastrophe mittel- oder unmittelbar betroffen sind.

Pastoralreferent Markus Lüttke sagte: „Der gewaltsame Tod von vier Menschen aus unserer Mitte verschlägt uns die Sprache“, insbesondere da einige Menschen hilflos erleben mussten, dass keine Hilfe möglich war. „Vier Männer sind in der Hoffnung auf einen neuen Anfang in die Erlacher Höhe gekommen, das fürchterliche Brand-Unglück hat sie aus dem Leben gerissen“, so Andreas Reichstein, Geschäftsführer der Erlacher Höhe Nagold/Calw. Wie viele der Anwesenden bei der Trauerfeier, so stand auch Reichstein noch sichtlich unter dem Schock des furchtbaren Ereignisses.

Jedes Verständnis fehlt

War schon der Feuertod der vier Bewohner für ihn eine schwere Last, so fehlt ihm spätestens nach dem dringenden Verdacht, dass ein 22-jähriger Mitbewohner den Brand in Suizidabsicht gelegt haben soll und die Brandstiftung auch gestanden habe, jedes Verständnis für die Katastrophe und den sinnlosen Tod der vier Männer im Alter zwischen 38 und 59 Jahren.

Calws Oberbürgermeister Manfred Dunst brachte seinen Dank darüber zum Ausdruck, dass eine noch größere Katastrophe ausgeblieben und ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbarhäuser verhindert worden sei und kein Mitarbeiter der Hilfskräfte schwere Verletzungen davon getragen habe. Zu meditativen Orgelklängen wurden im Gedenken an die vier Toten von Andreas Reichstein, dem Erlacher-Höhe-Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Sartorius, Oberbürgermeister Manfred Dunst sowie Markus Lüttke vier Kerzen entzündet.

Erst eine Person identifiziert

Bislang wurde durch die Tübinger Gerichtsmedizin erst die eindeutige Identität von einer Person bestätigt. Bei den übrigen drei Todesopfern wird noch auf den abschließenden DNA-Abgleich gewartet. Der mutmaßliche Täter, gegen den inzwischen wegen vierfachen Mordes in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung Haftbefehl erlassen wurde, befindet sich derzeit in einem Justizvollzugskrankenhaus.