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© dpa/PZ
04.09.2018

Vermisster Gräfenhäuser: Ist auch ein Sturmgewehr verschwunden?

Birkenfeld-Gräfenhausen. Eine Woche nach dem Verschwinden von Simon Paulus aus Gräfenhausen rätseln die Ermittler weiter über den Verbleib des 50-Jährigen. Mit ihm verschwunden sind auch die zahlreichen scharfen, aber legalen Waffen des Sportschützen und Jägers.

Paulus war nach einem Streit mit Unbekannten am 29. August gegen 21.30 Uhr nicht mehr gesehen worden. Die Polizei schließt nicht aus, dass der Mann einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. In seinem Bekanntenkreis rund um Pforzheim macht man sich große Sorgen und befürchtet mittlerweile das Schlimmste, denn der 50-Jährige ist seit Mittwochabend komplett von der Bildfläche verschwunden und auch per Mobiltelefon nicht mehr erreichbar.

Der von Staatsanwaltschaft und Polizei in einer gemeinsamen Erklärung am Montag abgegebene Hinweis, bei der Wohnung von Paulus Blutspuren gesichert zu haben, die eindeutig dem Verschwundenen zuzurechnen sind, vergrößert bei Familie und Bekannten die bohrende Ungewissheit. Paulus ist Büchsenmachermeister und wird von Bekannten und Kunden als versierter Waffentechniker charakterisiert. Aus diesen Kreisen stammt auch die Information über die Zusammensetzung der rund 30 Waffen, die aus seiner Wohnung verschwunden sind. Die meisten, so der Hinweis, seien Jagdwaffen. Es seien auch einige Handfeuerwaffen dabei.

Besondere Aufmerksamkeit verdiene die zivile Version des US-amerikanischen Sturmgewehrs M 16, es handele sich dabei um eine AR-15. Die AR-15 ist ein halbautomatisches Sturmgewehr. Diese Halbautomatik kann man in Deutschland beispielsweise als Jäger legal kaufen, so ein Hinweis aus Jägerkreisen. Es dürfe allerdings nur mit einem Zwei-Schuss-Magazin geführt werden. Die AR-15 gilt in Sammlerkreisen als begehrte Waffe, genießt allerdings international auch einen zweifelhaften Ruf, da sie schon oft bei Massentötungen von Amokläufern in den USA zum Einsatz kam. Es ist dieses Gewehr, dessen Verschwinden den Bekannten besonders Kopfzerbrechen bereiten würde. Beim Polizeipräsidium Karlsruhe hieß es am Mittwoch auf Anfrage der Redaktion, dass man zu den legalen Waffen des Vermissten keine Angaben mache, also auch nicht bestätige, dass sich eine AR-15 im Besitz des Gräfenhäusers befunden habe. Gerätselt wird im Bekanntenkreis auch über die Personen, mit denen Paulus verkehrt haben könnte. Grundsätzlich gilt der Waffenexperte als verhaltener Mensch, der nicht übermäßig in Erscheinung getreten ist.

Warum richten sich die Blicke der Bekannten des Verschwundenen besonders auf das AR-15-Gewehr? Diese Halbautomatik hat in den USA bei Amokläufen traurige Berühmtheit erlangt. Sie wurde immer wieder von Tätern eingesetzt – zuletzt etwa in Las Vegas oder in Texas. Auch, weil sie sich leicht in eine vollautomatische Waffe umwandeln lässt. Dazu wird ein besonderes Griffstück („Bumpstock“) verwendet, das Dauerfeuer ermöglicht. Auch die Begrenzung durch Munitionsmagazine lässt sich umgehen. Und mit weiteren Modulen wie Zielfernrohr, Nachtsichtgerät oder Schalldämpfer, mit dem man das Gewehr im Internet oft abgebildet findet, wird die AR-15 noch gefährlicher.

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