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Mitarbeiter der Stadt Pforzheim besprühen eine von Raupen betroffene Eiche mit Insektizide. Foto: Moritz
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PZ-Redaktionsmitglied Maximo Gonzalez (rechts) interviewt Wildpark-Förster Carsten Schwarz.
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Die Aufnahme aus dem Jahr 2014 (in Hamburg) zeigt ein Nest mit Eichen-Prozessionsspinnern an einem Baum.

Wie kann man sich schützen? Fragen und Antworten zum Eichenprozessionsspinner

Pforzheim/Bretten. Sie können Reizungen von Haut und Augen sowie Atemnot bis hin zum allergischen Schock verursachen: Eichenprozessionsspinner. Nach den Fällen in Bretten klärt PZ-news am Mittwoch in einem Live-Video mit Wildpark-Förster Carsten Schwarz über die gefährlichen Tierchen auf. Auch Leser können Fragen einsenden.

Was möchten Sie von dem Experten wissen? Schreiben Sie uns Ihre Frage an internet@pz-news.de. Das Live-Interview ist an dieser Stelle sowie auf der Facebook-Seite von PZ-news zu sehen. Aufgrund der schlechten Netzabdeckung kann es vereinzelt zu Problemen bei der Bildqualität kommen. Das Video wird jedoch kurz nach Ende der Liveübertragung in besserer Auflösung hochgeladen. Auch eine schriftliche Form des Interviews wird folgen.

Der Eichenprozessionspinner hält sich zu dieser Zeit des Jahres noch eher verdeckt. Nachts kriechen die noch wehrlosen Insekten in einer Reihe, wie bei einer Prozession an ihren Lieblingsbäumen, den Eichen entlang. So setzt sich ihr Namen zusammen.

Etwa in ihrer mittleren Entwicklungsstufe, zwischen Mai und Juni, bilden die werdenden Nachtfalter sogennante Brennhaare aus – die Wurzel allen Übels. Insgesamt 29 Kinder und Jugendliche mussten wegen allergischer Reaktionen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Nachforschungen ergaben, dass die Reaktionen wohl durch Eichenprozessionsspinner bei den zuvor im Gebüsch spielenden Kindern hervorgerufen wurden (PZ berichtete).

■ Was macht diese Härchen so gefährlich?

Die Raupen entwickeln diese Brennhaare als Abwehrmechanismus gegen Feinde, etwa Vögel. Laut Carsten Schwarz, Förster im Wildpark Pforzheim, enthalten diese Härchen Nesselgift. Bei Gefahr, werden die Brennhaare abgefeuert. Kommen diese etwa auf die Haut, rufen sie Reaktionen wie Ausschläge hervor. Bei sensiblen Menschen oder Allergikern kann das Gift sogar zu Fieber führen. Die Härchen selbst können noch jahrelang schädlich sein.

■ Wo halten sich die Tiere am liebsten auf?

Wie der Name schon verrät halten sie sich gerne an alleinstehenden Eichen auf, jedoch können auch andere Bäume am Waldrand wie auch in Städten oder Parks betroffen sein. Grundsätzlich mögen sie warme, sonnenbeschienenen Orte. In ihrer Nachtfalter-Form brüten sie dann gerne an den Bäumen, an denen sie selbst aufgewachsen sind und bilden somit einen Kreislauf. Wie im Falle der Evakuierung in Bretten, sind nicht nur Bäume sondern auch Gebüsche nicht vor den Insekten sicher.

■ Wie können sich Spaziergänger, Kinder oder Hunde vor den Raupen schützen?

„Wir müssen mit dieser Gefahr einfach leben, „sagt Schwarz. Laut dem Förster sollten Eichen im Frühjahr gemieden werden. Zudem seien Hunde und Haustierbesitzer wachsam über mögliche Reaktionen ihrer Tiere. Einzelne Bäume und Populationen könne man zwar bekämpfen, laut dem Förster „sind wir jedoch nicht Herr der Lage“. Da die feinen Härchen durch Wind aufgewirbelt werden und für das bloße Auge schwierig zu sehen sind, kann nahezu überall die Gefahr bestehen.

■ Wie gestaltet sich die Bekämpfung der Tiere?

Neben der Bekämpfung mit Hitze, wird in diesem Jahr zum ersten Mal in Pforzheim und im Wildpark Insektizide eingesetzt. Dies gilt als Prophylaxe, denn laut dem Förster sind die Raupen noch nicht im Stadium, in denen sie die Härchen entwickelt haben. Bei diese Methode wird tagsüber das Raupengift gespritzt, dieses trocknet bis zur Nacht dann. Wenn die Tiere dann aktiv werden, nehmen sie das Gift durch die Nahrung auf. Besonders werden Altbäume gespritzt. Jungbäume werden dagegen mit Hitze behandelt. Vor allem werden sogenannte Brennpunkte gezielt bekämpft. Bäume oder Gebüsche die bereits eine hohe Population an Prozessionsspinner aufweisen. Die Bäume müssen gegebenenfalls im nächsten Jahr wieder behandelt werden.

■ Haben sich die Tiere in den letzten Jahren in der Region vermehrt?

Laut dem Förster Carsten Schwartz haben sich die Tiere aufgrund der warmen Temperaturen in den letzten Jahren stark vermehrt. Das gegenwärtige Regenwetter wirkt sich jedoch negativ auf die noch jungen Raupen aus. Nässe und Kälte mögen die Prozessionsspinner nämlich nicht.

Zwei Schulen in Bretten waren am Freitagmittag evakuiert worden. Insgesamt 29 Kinder und Jugendliche mussten wegen allergischer Reaktionen ins Krankenhaus gebracht werden. Wie die Polizei mitteilte, wurde die Polizei gegen 11.30 Uhr über den Notruf alarmiert, weil fünf Schüler auf einen unbekannten Stoff allergische Hautreaktionen gezeigt hätten. Die Nachforschungen ergaben, dass die Reaktionen wohl durch Eichenprozessionsspinner bei den zuvor im Gebüsch spielenden Kindern hervorgerufen wurden. Brennhaare der Raupe dürften sich offenbar über die Luft auf die Haut mehrerer Kinder übertragen haben.

In Pforzheim sind die Raupen mit ihren gefährlichen Brandhärchen bereits seit über 10 Jahren aktiv. Vor einer Woche hatte das Grünflächen- und Tiefbauamt bekanntgegeben, in enger Zusammenarbeit mit den Technischen Diensten und in Abstimmung mit dem Amt für Umweltschutz erstmalig mit der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner mittels eines biologischen Insektizids zu beginnen. Zur Anwendung kommt das Präparat XenTari.

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