Pforzheim/Enzkreis. Was macht die Flüsse Würm und Nagold so besonders? Hier schwimmt die selten gewordene Groppe, hier leben Gelbbauchunke und Kammmolch, fliegen Bechsteinfledermäuse und hier wächst noch an den Hängen neben den Flusswindungen das seltene Europäische Dünnfarn. Aber warum flattern hier so viele Spanische Flaggen im Wind? Weil sich dieser seltene Schmetterling auf den Wiesen neben Würm und Nagold so wohl fühlt. Kein Wunder, dass das Natura-2000-Gebiet „Würm-Nagold-Pforte“ (FFH-Gebiet 7118-341) Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ist. Jetzt wird gerade ein Managementplan erstellt.
Größter Flächenteil des Schutzgebiets liegt in Pforzheim
Dieses Schutzgebietsnetz wurde ausgewiesen, um das europäische Naturerbe zu erhalten. Es umfasst rund 1900 Hektar mit den Flusstälern von Würm und Nagold sowie Wiesen und Wälder zwischen Pforzheim und Bad Liebenzell. Fünf Naturschutzgebiete und fünf Landschaftsschutzgebiete befinden sich innerhalb des FFH-Gebiets. Der größte Flächenanteil liegt im Stadtkreis Pforzheim. Weitere Teilgebiete befinden sich auf den Gemarkungen von Neuhausen, Bad Liebenzell, Unterreichenbach, Schömberg, Engelsbrand, Neuenbürg und Birkenfeld. Im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe wird für das Gebiet derzeit ein Managementplan erstellt, in dem formuliert wird, was die landschaftlich reiche „Würm-Nagold-Pforte“ an Tieren und Pflanzen zu bieten hat und wie man das für die Zukunft bewahren kann. Hier können Sie die >>> Karte des Gebiets als PDF-Datei herunterladen <<<.
Plan wegen Corona-Pandemie nur im Internet einsehbar
Der Plan liegt nun im Entwurf vor und kann in der Zeit vom 24. April bis einschließlich 22. Mai 2020 im Internet eingesehen werden. Von einer öffentlichen Auslegung muss aus aktuellem Anlass im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie abgesehen werden. Im Februar 2020 wurde der Entwurf in einem Gremium aus Interessenvertretern der Gemeinden, Verbände und Behörden vorgestellt und diskutiert. Nun kann er während der genannten Offenlagephase im Internet auf der Seite der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg unter www.lubw.baden-wuerttemberg.de > Themen > Natur und Landschaft > Europäische Naturschutzrichtlinien > Management und Sicherung > MaP aktuelle Auslegungen eingesehen werden. Direkter Link: www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/44495 (freigeschaltet ab 24. April 2020).
Interessierte Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Kommunen und Interessenvertreter können zum Entwurf Stellung nehmen und Vorschläge oder Anregungen einbringen. Die Stellungnahmen können bis zum 12. Juni 2020 unter dem Betreff „7118-341 Managementplan“ an das Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 56 Naturschutz und Landschaftspflege, 76247 Karlsruhe oder per E-Mail an: natura2000@rpk.bwl.de gesendet werden. Später eingehende Stellungnahmen können leider nicht mehr berücksichtigt werden. Aus den Stellungnahmen sollte hervorgehen, auf welche Flächen im FFH-Gebiet sich bezogen wird. Hilfreich ist hier die Angabe der Flurstücks-Nummer sowie des Gemeinde- und Gemarkungsnamens oder eine Markierung der angesprochenen Fläche auf einem Kartenausschnitt. Darüber hinaus sollte die Stellungnahme die Anschrift des Einsenders enthalten.
Ansprechpartner für weitere Informationen: Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 56 Naturschutz und Landschaftspflege, Tobias Lepp (Verfahrensbeauftragter), Telefon 0721-926-7701, E-Mail: natura2000@rpk.bwl.de.
Lebensraum von europäischer Bedeutung
Im Managementplan werden Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten von europäischer Bedeutung erfasst. Für jeden dieser Lebensräume und jede FFH-Art wurden Ziele und entsprechende Maßnahmen formuliert. Sie dienen dazu, einen dauerhaften Erhalt und eine weitere Entwicklung dieser wertvollen Lebensräume und Arten sicherzustellen. So kann ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Europa geleistet werden, der der Verantwortung für naturnahe Lebensräume und deren seltene Bewohner gerecht wird. Die gesammelten Informationen sind in einem Textteil und auf 36 Karten flächengenau dargestellt und beschrieben.
Hintergrundinformationen zum Natura 2000-Gebiet „Würm-Nagold-Pforte“
Die geographische Lage
Das rund 1.900 Hektar große Gebiet „Würm-Nagold-Pforte“ gehört überwiegend zum Naturraum Schwarzwald (Schwarzwald Randplatten) und berührt im äußersten Osten seiner Ausdehnung die Neckar- und Taubergäuplatten (Neckarbecken). Es umfasst damit Bereiche mit ganz unterschiedlichen Landschaftsstrukturen und Bodentypen und beherbergt deshalb auch eine bemerkenswerte Vielfalt an Arten und Lebensräumen.
Besonders prägend für das FFH-Gebiet sind vor allem die namensgebenden Flüsse Würm und Nagold sowie deren Nebenflüsse. Insbesondere die Nagold war Anfang des 20. Jahrhunderts für die Flößerei von großer Bedeutung, sodass auch heute noch wasserbauliche Maßnahmen weite Teile des Flusssystems prägen. Zwar wurde auch die Würm für die Flößerei genutzt, dennoch befinden sich zahlreiche ihrer Flussabschnitte und Zuflüsse in einem aus Naturschutzsicht hervorragenden und naturnahen Zustand.
Groppe und Koboldmoos
Dies spiegelt sich auch im Auftreten bestimmter Lebensraumtypen und Fischarten wider. So sind hier die europäisch geschützten Fischarten Groppe und Strömer sowie die Lebensraumtypen „Fließgewässer mit flutender Wasservegetation“ beziehungsweise „Feuchte Hochstaudenfluren“ beheimatet. Besonders artenreich ist auch die Amphibienfauna, die unter anderem Vorkommen von Gelbbauchunke und Kammmolch beherbergt.
Die Wälder der „Würm-Nagold-Pforte“ werden in weiten Teilen von naturnahen Laubbaummischwäldern geprägt, in denen eine geregelte forstwirtschaftliche Nutzung stattfindet. Von einer solchen Nutzung ausgeschlossen sind die Bannwälder des Gebiets, in denen sich bedeutende Vorkommen des Hainsimsen-Buchenwald sowie der Schlucht- und Hangmischwälder befinden. Sowohl die Bannwälder als auch einige naturnahe Waldbereiche sind Lebensstätte des Grünen Besen- und des Grünen Koboldmoos, Sommerlebensraum der Fledermausarten Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus sowie Lebensraum der Spanischen Flagge, einer Schmetterlingsart.
Erwähnenswert sind auch die meist von Wald umschlossenen Felsformationen des Mittleren Buntsandsteins. So finden sich entlang der Flusstäler Felsformationen, welche dem Lebensraumtyp „Silikatfelsen mit Felsspaltenvegetation“ zuzuordnen sind oder in Form von kühl-feuchten Blockhalden als Lebensstätte des seltenen Europäischen Dünnfarns dienen.
Wiesen-Vielfalt
Die Offenlandbereiche des Gebiets werden vorwiegend durch verschiedene Formen des Grünlands geprägt. Dies schließt neben einem bemerkenswert hohen Umfang an artenreichen Flachland-Mähwiesen auch seltene Lebensraumtypen wie Submediterrane Halbtrockenrasen, artenreiche Borstgrasrasen und unterschiedliche Formen der Pfeifengraswiesen ein. Letztere sind auch Lebensstätte für die seltenen Schmetterlingsarten Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling.
Informationen zum Gebiet „Würm-Nagold-Pforte“ finden sich auch auf der Projektseite auf der Homepage des Regierungspräsidiums Karlsruhe unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt5/Ref56/Natura2000/Seiten/Wuerm-Nagold-Pforte.aspx.
Weitere Informationen zu Natura 2000 sind auf den Homepages des Regierungspräsidiums Karlsruhe und der Landesanstalt für Umwelt zur Verfügung gestellt. Direkte Links: www.rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Abt5/Ref56/Natura2000 und www.lubw.baden-wuerttemberg.de.


