760_0900_116983_133889590.jpg
Konstantinos Mavropanos wird für die kommende Saison vom FC Arsenal an den VfB Stuttgart ausgeliehen. Er soll die Verteidigung stärken.  Foto: dpa 
760_0900_117896_133411834.jpg
Thomas Hitzlsperger, Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart: „Wenn wir weniger als 10.000 ins Stadion lassen, wird es schwierig, dass wir überhaupt noch Profit machen.“  Foto: Tom Weller/dpa 

Antrag auf KfW-Kredit: Auch der VfB Stuttgart steht wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand

Stuttgart. Die Freude über den direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga hat nicht lange vorgehalten. Zu groß sind die Schwierigkeiten, mit denen der VfB Stuttgart aktuell konfrontiert ist. Und dabei geht es keineswegs nur darum, die Corona-Krise zu meistern, Verstärkungen für die Bundesliga an Land zu ziehen und den Stadionumbau konkreter werden zu lassen. Das gravierendste aller Probleme sind die Finanzen. Der Vorstandsvorsitzende hat nicht umsonst darauf hingewiesen. „Wirtschaftlich sind wir auf keinen Fall über den Berg“, sagt Thomas Hitzlsperger. Dem Club steht das Wasser bis zum Hals, 250 Mitarbeiter in Kurzarbeit, Einstellungs- und Ausgabenstopp.

Antrag über Hausbank auf Millionenkredit

Der findige Finanzvorstand Stefan Heim redet nicht lange darum herum. „Wir haben in der Phase des Lockdowns alle Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Stabilisierung geprüft und unter anderem über unsere Hausbank einen Antrag auf KfW-Förderung gestellt, um unsere Liquidität zu sichern“, bestätigt Heim den Stuttgarter Zeitungen: „Das war eine unserer getroffenen Maßnahmen zur Wahrung des wirtschaftlichen Fortbestands des VfB in einer Zeit, in der niemand vorhersagen konnte, wann und wie es im Fußball weitergehen würde.“ Beim Stuttgarter Antrag bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) geht es angeblich um einen Kredit in Höhe von 10 bis 15 Millionen Euro.

Insolvenzen abgewendet

Ohne die Fernsehgelder wäre es in den vergangenen Wochen vermutlich zu der ein oder anderen Insolvenz gekommen. Doch die von Corona verursachten finanziellen Probleme sind immer noch allgegenwärtig, viele Clubs stehen wirtschaftlich angesichts ausbleibender Einnahmen mit dem Rücken zur Wand. Das gilt nicht nur für den VfB Stuttgart. Bei Schalke, das 2019 Verbindlichkeiten in Höhe von 198 Millionen Euro auswies, sind sogar 40 Millionen im Gespräch. Verständnis für den Antrag von Stefan Heim kam auch von Borussia Dortmund. „Ich finde, das ist nicht ehrenrührig“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Von der Bundesliga werde zu Recht erwartet, dass sie pünktlich ihre Steuern bezahlt, „aber wenn der Bund oder das Land oder wer auch immer beschließt, coronageschädigten Unternehmen beizustehen, dann gelten die gleichen Rechte für uns offensichtlich nicht“.

Der angeschlagene Traditionsclub Schalke 04 hatte kürzlich beim Land Nordrhein-Westfalen um eine Bürgschaft gebeten. Auch Werder Bremen bestätigte, Kredite bei der staatlichen KfW-Bank beantragen zu wollen. Und selbst bei der börsennotierten Borussia aus Dortmund soll es ähnliche Pläne gegeben haben, berichtete der Spiegel unlängst.

Sinnvolles Instrument

Werders Geschäftsführer Klaus Filbry hatte bereits im April betont: „Der Staat hat das Instrument KfW zur Verfügung gestellt. Und es ist sinnvoll, um diese Phase zu überbrücken und sinnvoll da rauszukommen.“ Er sehe sich in der „Pflicht, den wirtschaftlichen Fortbestand von Werder zu sichern“.

„Der Staat bietet etwas an, um Firmen nicht die Liquidität abzuwürgen. Wo da das große Problem ist, verstehe ich nicht“, sagt Watzke. Allerdings sei ein genauer Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Betroffenen nötig. „Das Land muss natürlich prüfen, ob das unverschuldet ist oder nicht, ob das wirkliche Corona-Effekte sind oder nicht“, fordert Watzke.

Schalke sei „nicht erst durch die Corona-Pandemie in die Krise geraten“, betonte Jens Ammann vom Bund der Steuerzahler im Business Insider: „Das wahre Problem des Vereins ist, dass er seit Jahren schlecht gewirtschaftet hat.“ Es dürfe nicht passieren, dass „gescheiterte Geschäftsmodelle im Fußball durch Steuergelder künstlich erhalten werden. Es kann nicht sein, dass Profigehälter am Ende womöglich mit Steuergeldern bezahlt werden.“

„Schamlos ausgenutzt“

Präsident Markus Hankammer von Zweitliga-Absteiger SV Wehen Wiesbaden reagierte wütend auf die VfB-Initiative. „Wir haben jetzt eine Situation, die schamlos ausgenutzt wird“, sagte Hankammer der FAZ. Vereine, die „über viele Jahre hinweg Misswirtschaft betrieben haben“, hätten jetzt „eine historische Chance, ihre Probleme sozusagen durch die Hintertür zu lösen. Das ist eine massive Wettbewerbsverzerrung“. Hankammer sieht Clubs bevorzugt, „die jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt haben. Das halte ich für höchst problematisch. Das sind Dinge, bei denen wir uns dann nicht wundern müssen, wenn die Menschen kein Verständnis mehr für den Fußball haben.“

Ein Grieche kommt, Badstuber bleibt, Widmayer muss gehen

Konstantinos Mavropanos ist 1,94 Meter groß, gefühlt aber trotzdem die kleine Lösung. Zumindest eine günstige. Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart leiht den Griechen für die kommende Saison vom FC Arsenal aus – und schließt damit eine wichtige Baustelle seiner Kaderplanung. Laut „Kicker“ für 250 000 Euro. „Der Wechsel zum VfB ist eine neue Herausforderung in meiner Karriere. Ich danke dem Management und dem Trainer für das Vertrauen, das sie mir entgegenbringen“, sagte der Grieche. Ob er der einzige Verteidiger ist, den die Schwaben in diesem Sommer verpflichten, bleibt offen. Das Transferbudget des VfB liegt aktuell bei nur rund fünf Millionen Euro. Der 22-Jährige, der beim VfB die Rückennummer 5 erhält, spielte das vergangene Halbjahr auf Leihbasis beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Abwehrspieler Holger Badstuber will hingegen seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2021 erfüllen. Der VfB Stuttgart hat unterdessen den Vertrag (bis 2022) mit Co-Trainer Rainer Widmayer (früher Spieler beim FCP und VfR Pforzheim) aufgelöst. Laut „Kicker“ soll die Chemie mit dem Trainer nicht mehr gestimmt haben.