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Sheldon Eberhardt führte die Bayer Giants Leverkusen als Topscorer ins Finale der ProA. Am Ende reichte es nicht ganz zum Titel. 

Basketballer Sheldon Eberhardt aus Pforzheim führt Bayer Giants Leverkusen zu Vize-Meisterschaft in ProA

Pforzheim/Leverkusen. "Wir haben einfach gezockt", fasst Sheldon Eberhardt die Ereignisse der letzten Wochen simpel zusammen. Mit den Bayer Giants Leverkusen wirbelte der Pforzheimer in fast schon märchenhafter Manier jüngst durch die Playoffs der ProA, der zweiten deutschen Basketball-Liga. Dass es am Ende nicht zum Happy End mit Meisterschaft und Aufstieg kam, lag zum einen an Final-Gegner MLP Academics Heidelberg und zum anderen an den Leverkusenern selbst.

Tatsächlich hätten selbst die Brüder Grimm kaum ein besseres Drehbuch für das, was die Giganten vom Rhein Spiel für Spiel aufs Parkett zauberten, schreiben können. Als vermeintlicher Außenseiter nahmen es die furchtlosen Leverkusener mit Drachen und Seewölfen auf, doch weder die Artland Dragons aus Quakenbrück noch die Rostock Seawolves und Science City Jena konnten Eberhardt und seine Teamkollegen auf dem Weg ins Finale aufhalten.

"Wir haben im Gegensatz zu vielen anderen Teams, die aufsteigen wollten, einfach keinen Druck gespürt. Wir hatten in den Playoffs nichts zu verlieren. Und so haben wir auch gespielt", erklärt der 25-Jährige im Gespräch mit der PZ den Schlüssel zum Erfolg.

Denn anders als Heidelberg, Jena, Quakenbrück und Rostock hatte Bayer aus finanziellen Gründen keine Lizenz für die BBL beantragt, einen eventuellen Aufstieg somit von vornherein ausgeschlossen. Den Druck unbedingt gewinnen zu müssen, konnte das Team von Headcoach Hansi Gnad folglich einfach an den jeweiligen Gegner abschieben.

Modus kommt Bayer Giants Leverkusen entgegen

Entgegen kam den Giants, welche die Hauptrunde als Fünfter beendet hatten, dabei auch der in diesem Jahr durch Corona geänderte Modus in den Playoffs. Denn statt der üblichen "Best-of-five-Serien" spielten die acht qualifizierten Mannschaften zunächst in zwei Vierer-Gruppen in einer Doppelrunde die beiden Final-Teilnehmer aus, welche sich zugleich auch das Aufstiegsrecht sichern konnten.

"Wir wussten, wenn wir das erste Auswärtsspiel bei den Artland Dragons gewinnen, haben wir eine gute Ausgangslage. Danach kamen zwei Heimspiele und daheim waren wir eine Macht. Das hat perfekt in unsere Karten gespielt", erklärt Eberhardt.

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Sheldon Eberhardt (Fünfter von links) kann sich am Ende auch über die Vize-Meisterschaft freuen.

Und tatsächlich: Mit vier Siegen in Serie setzte Bayer die aufstiegswillige Konkurrenz unter Druck und ebnete damit frühzeitig den Weg fürs Finale. Nach einer Niederlage gegen Jena in der fünften Partie mussten die Giants zwar kurzzeitig noch einmal zittern, durch eine Niederlage der Thüringer im abschließenden Spiel gegen Rostock und einem eigenen Erfolg im Duell mit Quakenbrück war der Einzug ins Finale mit der beeindruckenden Bilanz von 5:1 Siegen perfekt – auch dank eines überragenden Sheldon Eberhardt.

Eberhardt überragt in den Playoffs

Mit insgesamt 124 Punkten war der Pforzheimer nicht nur Topscorer des inzwischen seit Jahren in der zweiten Liga spielenden Rekordmeisters, sondern stellte mit 25 Zählern und sechs Rebounds im zweiten Duell mit Science City ebenso eine persönliche Bestleistung in der ProA auf wie mit seinen fünf Assists im ersten Aufeinandertreffen beider Teams. Die Belohnung für seine starken Leistungen folgte auf dem Fuße, von den Bayer-Fans wurde er gleich dreimal zum "Spieler des Spiels" gewählt, was für ihn "eine große Ehre" war.

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Sport regional

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"Ich spiele gern Play-offs, das ist eine Sache, von der ich immer geträumt habe. Ich mag es in der unterschätzten Rolle zu sein. Man hat dann etwas zu beweisen", erklärte der Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners seine herausragenden Auftritte. Die Anerkennung der Fans habe ihm zusätzlich Selbstvertrauen gegeben und sei "eine große Ehre".

Verpatztes erstes Finalspiel kostet die Meisterschaft

Im Finale am vergangenen Wochenende gegen Heidelberg setzte es dann zwar im ersten Spiel am Samstag eine deutliche 66:96-Niederlage, beim 93:93-Unentschieden im zweiten Duell tags darauf zeigten Eberhardt und Co. aber noch einmal, was in ihnen steckt.

"Heidelberg hatte vor dem Finale eine Woche länger Pause, das hat man gemerkt. Sie kamen mit viel Energie und hatten einen guten Game-Plan. Wir wurden ein bisschen überrollt. Für ein Finale haben wir im ersten Spiel nicht gut genug gespielt", erklärt er, was am Ende gefehlt hat, um auch den letzten Schritt zu gehen.

"Nichtsdestotrotz ist es ein Erfolg für uns. Keiner der Experten hat erwartet, dass wir ins Finale einziehen und uns das Aufstiegsrecht erarbeiten würden."

Sheldon Eberhadt über die Saison mit den Bayer Giants Leverkusen

Angesichts von 30 aufzuholenden Punkten war die Hoffnung, die Meisterschaft doch noch zu gewinnen, bereits vor dem Rückspiel am Sonntag in Heidelberg praktisch nicht mehr vorhanden. Dennoch überwiegt bei ihm am Ende die Freude über das Erreichte.

Zukunft von Eberhardt in Leverkusen noch ungewiss

Wie es für ihn persönlich weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. Fakt ist, dass sein Vertrag in Leverkusen ausläuft, in den nächsten Wochen wolle man sich daher zu Gesprächen zusammensetzen.

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Treffsicher: Sheldon Eberhardt erzielte in den Playoffs im Schnitt 15,5 Punkte pro Spiel.

Ein paar Wünsche für die neue Saison hat er dennoch schon: "Ich hoffe, dass wir wieder vor Zuschauern spielen können und ich mich jeden Tag steigern kann. Ich will immer besser werden."

Und wer weiß, vielleicht gibt es dann im nächsten Jahr erneut ein Märchen – nur diesmal auch mit Happy End.

Sven Sartison

Sven Sartison

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