Lange war kein Kontaktsport mehr möglich, vom 1. Juli an soll unter anderem Volleyball in Baden-Württemberg wieder ohne Abstandsregeln erlaubt sein.
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Sport
Fußball, Handball, Volleyball und Co in Baden-Württemberg bald wieder ohne Abstandsregeln möglich
  • Udo Koller und Christoph Lother

Stuttgart. Die frohe Botschaft kam unerwartet und bringt für die Sportvereine in Baden-Württemberg die sehnlich erwarteten Erleichterungen: Ab 1. Juli darf in Baden-Württemberg Fußball, Handball, Basketball oder Volleyball wieder ohne die bisherigen Abstandsregeln gespielt werden.

Dann ist grundsätzlich der Trainings- und Wettkampfbetrieb selbst in Mannschafts- und Kontaktsportarten wie Ringen oder Judo wieder möglich, wie das Kultus- und Sportministerium am Donnerstag mitteilte. Damit rückt der Start der neuen Saison im Herbst in greifbare Nähe.

„Dies ist ein weitreichender Schritt, der gerade unseren Mannschafts- und Kampfsportarten in Baden-Württemberg eine tolle Perspektive bietet“, sagte Sportministerin Susanne Eisenmann (CDU) der dpa.

Das muss beachtet werden:

Der Corona-Verordnung Sport zufolge, die mit dem neuen Monat in Kraft tritt, „darf von der Abstandsregel abgewichen werden, sofern das die für die Sportart üblichen Sport-, Spiel- und Übungssituationen erfordern“. Allerdings gibt es vorerst schon noch die eine oder andere Einschränkung:

■ Die Trainingsgruppen sollen möglichst nicht durchgemischt werden und maximal 20 Personen umfassen. Neben Hygiene- und Dokumentationspflichten gelten weiterhin auch die Zutritts- und Teilnahmeverbote aus der generellen Corona-Verordnung.

■ Außerhalb des Spielbetriebs gelten die Abstandsgebote. Körperkontakt, insbesondere Umarmungen und Händeschütteln, sollen vermieden werden.

■ Auch Wettkämpfe dürfen in Sportarten mit Körperkontakt wieder ausgetragen werden – mit maximal 100 Sportlerinnen und Sportlern pro Wettbewerb.

■ Ab dem 1. August (und bis einschließlich 31. Oktober) werden dann insgesamt maximal 500 Sportlerinnen und Sportler sowie Zuschauerinnen und Zuschauer zu einem Wettbewerb zugelassen.

So reagieren Sportvereine aus der Region auf die Neuerung

Die Vertreter von Sportverbänden und Vereinen aus der Region zeigen sich angenehm überrascht von der Entscheidung des Ministeriums. „Das sind gute Nachrichten, das ist toll“, sagt Dirk Steidl, der für die Oberliga-Fußballer des FC Nöttingen und die Bundesliga-Basketballerinnen des Grünen Stern Keltern zuständig ist. Während die Basketball-Bundesliga bis zum Saisonstart im Oktober noch Zeit hat (siehe Kasten) drängt in der Fußball-Oberliga die Zeit. Steidl rechnet für das baden-württembergische Oberhaus durch den fehlenden Abstieg mit 21 Mannschaften. Das bedeutet einen Terminplan mit 42 Spieltagen – ein echtes Mammutprogramm. Deshalb hält der FCN-Macher auch einen ersten Spieltag noch im August für möglich.

„Es tut sich was. Das ist gut“, zeigt sich auch Felix Wiedemann erleichtert, der beim Badischen Fußball-Verband (BFV) für den Spielbetrieb zuständig ist. Die neuen Verordnungen für Baden-Württemberg erhöhten die Chancen, „dass es am 1. September losgehen kann“. Diesen Termin hatten die BFV-Verantwortlichen als frühest möglichen Starttermin für die Saison ins Auge gefasst.

Mit Volldampf an die Planung in Pforzheim und der Region

Dass bereits am 1. Juli wieder reguläres Mannschaftstraining möglich ist, damit hatten Vereine und Verbände im Ländle eigentlich gar nicht gerechnet. „Aber es passt, weil bis zum 30. Juni die Vereine ihre Mannschaftsmeldungen abgeben müssen“, so Wiedemann. Danach könne man dann mit Volldampf an die Planung gehen. Und die Vereine hätten dann genügend Zeit, um sich auf den Spielbetrieb vorzubereiten, außerdem bleibe genügend Raum für Pokalspiele.

Erfreut hat auch Wolfgang Taafel die Neuigkeiten aus Stuttgart zur Kenntnis genommen. „Das ist eine positive Nachricht, mit der wir was anfangen können“, sagt der Handball-Abteilungsleiter der TGS Pforzheim. Für die Drittliga-Mannschaft des Vereins rechnet er aber nicht mit einem Start vor dem 1. Oktober – diesen Termin hat am Mittwoch bereits die Handball-Bundesliga als Option für den Saisonstart genannt. Das Problem: In der 3. Liga sind Mannschaften aus mehreren Bundesländern am Start. So gut die Regelungen für die Vereine in Baden-Württemberg sind, wenn die anderen Bundesländer nicht nachziehen, bringen die Lockerungen für diese Spielklasse nur wenig.

Das bestätigt auch Alexander Lipps, Trainer der SG Pforzheim/Eutingen, die gerade erst in die 3. Liga aufgestiegen ist. Gleiches gilt für die A-Jugend der SG, die in der Bundesliga spielt. „Die 3. Liga und die A-Jugend-Bundesliga starten erst, wenn in allen Bundesländern gleiche Voraussetzungen gelten“, weiß er.

Lipps hatte schon am Mittwochabend Signale empfangen, dass eine neue Verordnung für Baden-Württemberg kommt, war aber dann überrascht, wie weitreichend die Lockerungen bereits ab dem 1. Juli sind. Bevor er aber den Trainingsbetrieb für die Mannschaften seines Vereins freigibt, will sich der SG-Coach erst noch einmal über die Details der Regelungen informieren. „Für mich ist das noch nicht ganz ausdefiniert“, sagt er. Außerdem glaubt der Trainer nicht, dass es nun Sinn macht, gleich voll in den Übungsbetrieb mit Körperkontakt und Zweikämpfen einzusteigen: „Da wäre nach der langen Pause die Verletzungsgefahr einfach zu groß.“

In der Nachwuchsarbeit wollen beide Pforzheimer Handballclubs die Eltern der Spieler einbinden. Wer sich Sorgen wegen der Ansteckungsgefahr mache, werde nicht unter Druck gesetzt. „Wir setzen voll auf Freiwilligkeit“, sagt Alexander Lipps. Und Wolfgang Taafel will vorsichtshalber „das Okay der Eltern einholen“.