Pforzheim. Europameister in den lateinamerikanischen Tänzen sind sie bereits, auch auf nationaler Ebene haben sie schon alle Titel gewonnen. Was Marius-Andrei Balan und Khrystyna Moshenska noch fehlt, ist gemeinsames Gold bei einer Weltmeisterschaft. Am 4. Dezember soll auch der WM-Titel nun endlich eingetütet werden. Aber nicht nur deswegen fiebert das Tanzpaar des Schwarz Weiss Club Pforzheim der Weltmeisterschaft entgegen. Die WM findet auch noch im CongressCentrum der Goldstadt und damit in ihrem „Wohnzimmer“ statt (Karten sind ab 2. November über das Ticketportal Reservix verfügbar). Im Interview mit der „Pforzheimer Zeitung“ sprechen Balan und Moshenska, die seit sieben Jahren zusammen tanzen und seit acht Jahren auch privat ein Paar sind, über den Heimvorteil und ihre Titelchancen.
PZ: Sie haben zusammen schon zahlreiche Titel gewonnen, was würde es für Sie bedeuten, auch noch Weltmeister zu werden?
Marius-Andrei Balan: Khrystyna ist ja schon dreimal Weltmeisterin gewesen, aber mit einem anderen Partner. Ich noch nicht. Für mich wäre das eine Belohnung für die ganze Arbeit, die wir geleistet haben, für unsere Leidenschaft und unsere Liebe zum Tanzen. Außerdem bekommt man mit dem Titel auch Anerkennung, wird in eine Liste von ehemaligen Weltmeistern aufgenommen. Das ist dann schon ehrenhaft. Wir möchten damit aber auch etwas zurückgeben an den Schwarz Weiss Club und auch an die Stadt Pforzheim. Ich bin seit 2008 im Verein, und jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um mit dem WM-Titel die Kirsche auf die Torte zu setzen.
Khrystyna Moshenska: Für mich ist es ein wichtiges Ziel. Ich war zwar schon mal Weltmeisterin, aber der Moment, in dem du den Titel holst, ist sehr kurz. Danach kommt die Frage, was machst du jetzt? Ich habe den Titel zuletzt 2014 gewonnen, und in den letzten sieben Jahren habe ich daran gearbeitet, mit Marius Weltmeister zu werden. Das ist mein Ziel. Für mich ist es okay, zu trainieren, um besser zu werden, aber der Titel zeigt dir, dass du es auch geschafft hast.
Nun ist die WM dieses Mal in Pforzheim, bedeute das für Sie mehr Druck oder mehr Vorfreude auf den Titelkampf?
Balan: Eindeutig mehr die Vorfreude.


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Moshenska: Wir freuen uns sehr auf die Weltmeisterschaft in Pforzheim. In Italien, als wir Europameisterschaft gewonnen haben, war das schon schön, aber die Halle war nicht voll. Und ich wünsche mir, dass der Saal in Pforzheim voll ist, wenn wir den Titel gewinnen. Dass die Leute klatschen und diesen Moment mit uns zusammen erleben.
Gibt es bei dieser Weltmeisterschaft so etwas wie einen Heimvorteil? Immerhin trainieren Sie ja auch nicht regelmäßig im CCP, sondern im Leistungszentrum auf der Wilferdinger Höhe.
Balan: Wir haben im CCP sechsmal den Goldstadtpokal zusammen gewonnen, einmal habe ich ihn noch mit einer anderen Tanzpartnerin geholt. Das fühlt sich schon wie Heimat an. Im Leistungszentrum organisiert man ja keine Turniere, und wenn man an Tanzturniere in Pforzheim denkt, dann verbindet man das automatisch mit dem CCP.


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Moshenska: Wir kennen uns im CCP gut aus, wissen, wo die Umkleide ist und so weiter. Man hat viel weniger Stress, wenn man nicht immer schauen muss, wo muss ich hin, und wie läuft alles ab. In Pforzheim gibt es immer viele Kellner, die mit Essen an einem vorbei laufen. Man tanzt und riecht gleichzeitig das gute Essen. Da bekommt man direkt Appetit, muss sich aber aufs Tanzen konzentrieren (lacht).
Wie sehen Sie Ihre Chancen, den WM-Titel in Pforzheim zu holen?
Balan: Ich glaube, die Chancen sind schon groß, Weltmeister zu werden. Es ist fast die gleiche Konkurrenz, die gleichen Top-Paare wie bei der Europameisterschaft. Da hatten wir einen sehr großen Punktevorsprung auf die anderen. Das haben die Wertungsrichter so entschieden. Aber auch wenn die Differenz am Ende groß war, sind das alles super Tänzer.
Durch Corona gab es eine lange Wettkampfpause. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Balan: Die ersten etwa sechs bis acht Wochen durften wir nicht trainieren. Aber als Mitglieder des deutschen A-Kaders wurden wir als Spitzensportler eingestuft und durften bald wieder trainieren. Die Bedingungen waren ein bisschen streng, aber wir haben versucht, die Zeit für uns zu nutzen. Wir haben 20 bis 25 Tage im Monat trainiert. Normalerweise durch die ganzen Reisen schaffen wir nur 18 Tage im Monat. Insgesamt sind wir in der Zeit auf 25 Prozent mehr Training gekommen – und das merkt man auch.


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Moshenska: Wir haben auf Youtube auch einen schönen Kommentar dazu bekommen. „Die tanzen so, als ob sie, als Corona angefangen hat, in die Halle gegangen sind und jetzt erst wieder herausgekommen sind“, hat jemand geschrieben. Und fast genau so war es auch. Das Gute hier in Pforzheim ist: Das Parkett ist fantastisch. Man kann den ganzen Tag trainieren und hat keine Schmerzen in den Beinen.
Lange war unsicher, wann und wie es im Tanzsport weitergeht. Hatten Sie in dieser Zeit auch mal Motivationsprobleme?
Balan: Nein, das war für uns überhaupt kein Problem. Wir tanzen in erster Linie, weil wir das Tanzen lieben und sind nicht abhängig von Veranstaltungen. Wir freuen uns aber sehr auf die Veranstaltungen und auf das Publikum.
Moshenska: Wir haben auch versucht, andere zu motivieren. Wir haben gemerkt, dass andere Tänzer den Glauben daran verloren haben, dass es nochmal möglich wird, zu tanzen. Wir haben deshalb viele Live-Streams gemacht.

