Eine Befristung läuft aus, im Betrieb wird umstrukturiert oder einem fällt die Decke auf den Kopf: Es gibt viele Gründe dafür, sich beruflich umzuorientieren. Wie geht man das Ganze am besten an? Job-Experten geben konkrete Tipps.
Wer sich beruflich verändern wolle, dürfe nicht nur auf die eigenen Stärken schauen, sondern müsse sich auch fragen: „Woher komme ich? Wo stehe ich? Wo will ich hin?“ Das sagt Tom Diesbrock, Psychologe, Coach und Autor. Konkret: Will ich in meiner Karrierelogik bleiben, vielleicht weiter nach oben – oder möchte ich mich inhaltlich neu orientieren?
Ideen entwickeln: Erst mal etwas „rumspinnen“
Denn bevor es darum geht, was man kann, geht es darum, was man will. Und wenn es dann darum geht, sich zu verändern, empfiehlt Diesbrock, sich nicht nur auf die eigenen Kompetenzen zu konzentrieren, sondern auch zu schauen:
– Wo die eigenen Interessen liegen
– Welche Werte einem wichtig sind
– Was den neuen Job eigentlich auszeichnen soll
Er nennt ein Beispiel: Viele, die etwa gerade ein Jura-Studium abgeschlossenhätten, würden auf den Arbeitsmarkt schauen und sich bei der Berufswahl am Angebot orientieren. Sinnvoller sei es jedoch, zu schauen, wie man seine Interessen mit den juristischen Fähigkeiten kombinieren könne. „Wenn mir zum Beispiel Tiere am Herzen liegen, komme ich vielleicht auf die Idee, in der Rechtsabteilung einer Behörde oder für eine Tierschutzorganisation zu arbeiten“, so der Psychologe.
Wichtig sei, einfach mal ein wenig „rumzuspinnen“, Ideen zu sammeln – und daraus dann konkrete Optionen zu entwickeln. Erst dann gehe es in die nächste Phase, in der es darum geht zu recherchieren, wie sich die Ideen umsetzen lassen und was es dafür braucht.
Warum nicht mal über eigene Erfolge nachdenken?
Und wie finde ich nun geeignete Stärken bei mir? Um diese zu erkennen, empfehlen Dorothea Assig und Dorothee Echter, die gemeinsam Topmanager beraten, eine Erfolgsbiografie zu schreiben. Inhalt: Was waren meine größten Erfolge? Welche meiner Talente haben dazu geführt? Was habe ich aufgrund einer ganz bestimmten Qualität erreicht? „Schreiben Sie Ihre Erkenntnisse in großen Worten auf“, rät Soziologin Dorothee Echter.
Wichtig sei dabei, nicht nur Wünsche und Interessen zu reflektieren, sondern auch darauf zu schauen, was einem Freude mache. „Zum Beispiel: ‚Wenn eine App nicht nur funktioniert, sondern viele Menschen erreicht, bin ich glücklich.‘ Oder: ‚Ich freue mich, wenn ich überraschend sparen kann und arbeite gern im Einkauf“, sagt Assig.
Feedback einholen - und nicht in Aktionismus ausbrechen
Außerdem kann es helfen, sich eine Einschätzung von außen zu holen – etwa von Menschen, die mit einem arbeiten oder studiert haben. „Es ist immer klug, sich ein Feedback zu holen – ich rate nur, sehr genau zu gucken, von wem“, sagt Tom Diesbrock. Die beste Freundin zu fragen, ob man sich mit seinem Lebenstraum selbstständig machen sollte, ist keine gute Idee, wenn diese ohnehin eher pessimistisch ist.
Diesbrock hat noch einen wichtigen Job für alle, die auf der Suche nach ihren Stärken sind und sich beruflich (um)orientieren wollen: „Ganz wichtig ist es, nicht in Aktionismus auszubrechen.“ Das gelte sowohl für junge Menschen, die frisch aus der Uni kommen, als auch für „alte Hasen“, die einen beruflichen Tapetenwechsel brauchen.
Wer meine, er müsse am Wochenende nur ein bisschen grübeln und dann am Montag eine Bewerbung schreiben, droht zu scheitern, so der Coach. Um wirklich etwas zu verändern, brauche es einen Zeitplan, der Raum für die einzelnen Schritte lässt.
Grober Richtwert: Um die eigenen Interessen und Werte zu ermitteln, sollte man sich einige Wochen Zeit nehmen. Ebenso wie für die fundierte Recherche und einen Umsetzungsplan. KATJA SPONHOLZ, DPA
