Warum wird Handwerk unverzichtbar bleiben, trotz voranschreitender KI?
KI wird zuerst in weiten Teilen von Dienstleistungen Aufgaben übernehmen, dazu zählen beispielsweise Buchhaltungsarbeiten oder Kreativleistungen. Sicher hilft KI auch heute schon im Handwerk, Prozesse zu vereinfachen oder zu beschleunigen. Immer mehr Unternehmen im Handwerk verwenden KI etwa um Anrufe zu bearbeiten. Die tatsächliche handwerkliche Arbeit wird sicher nicht durch KI ersetzt werden können. Wie soll KI eine Heizung modernisieren, einen Ölwechsel machen oder Haare schneiden? Für all diese Arbeiten brauchen wir auch zukünftig gut ausgebildete Handwerker. Die jungen Menschen scheinen das erkannt zu haben. Die Ausbildungszahlen im Handwerk steigen seit Jahren kontinuierlich. Mein Eindruck dazu ist, dass viele befürchten, dass KI einige Berufsbilder nachhaltig verändern wird. Im Handwerk ist das bei Weitem nicht so dramatisch.
Handwerk hat also immer noch – oder wieder - den vielzitierten „goldenen Boden“?
Die Anzahl der Handwerker geht durch die Demografie viel stärker zurück als die Nachfrage nach Handwerksleistungen. Manche Leistungen wird sicher die Industrie übernehmen, jedoch mit deutlichen Qualitätsverlusten. Als Beispiel sei hier ein Backshop genannt, der industriell hergestellte Teiglinge zu so etwas ähnlichem wie Brötchen fertig bäckt. Diese Vorgehensweise kann nie mit handwerklich hergestellten, frischen Backwaren mithalten, wird jedoch Versorgungslücken schließen, die die schrumpfende Zahl der Bäckereien hinterlässt. Mein Tipp: Neben den Gewerken der Klimawende, insbesondere Heizung, Klima und Elektro, ist das Nahrungsmittelhandwerk ein Garant für einen sicheren Ausbildungs- und Arbeitsplatz.
Nicht zu vergessen: Vielfach können die Gehälter im Handwerk mit denen in der Industrie auf jeden Fall mithalten. Eine Meistervergütung liegt im Schnitt rund 200 Euro höher als die eines Bachelor-Absolventen - das hat die Agentur für Arbeit bestätigt.
Parallel dazu habe ich den Eindruck, dass Jugendliche und Schulabgänger teilweise ein Studium oder einen attraktiv bezahlten Helferjob einer Ausbildung im Handwerk vorziehen – warum ist das so?
Weil oftmals nicht weit genug gedacht wird. Ein attraktiv bezahlter Helferjob bleibt eben immer ein Helferjob, ohne Karriere Chancen. Und Studieren hört sich ja vordergründig auch attraktiv an. Doch sollte man dazu wissen, dass von den zweieinhalb Millionen Studierenden schlussendlich 50 Prozent weniger als ein Auszubildender mit Gesellenbrief verdienen. Nicht zu vergessen: Wer studieren will, kann von einer vorher absolvierten Ausbildung immer noch profitieren. Das ist nach wie vor eine gute Basis.
Multi-Talent
Ohne das Handwerk geht hierzulande nichts. Egal, ob die Brille kaputt ist, das Dach repariert werden muss oder das Auto wieder fahrbereit sein soll - jeden Tag wird irgendwo ein Handwerker gebraucht.
Das „Handwerk verbindet technologische Innovationen mit sichtbaren Ergebnissen und bietet jungen Menschen vielfältige Chancen, ihre Talente einzubringen und beruflich erfolgreich zu sein“, findet Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) mit Sitz in Berlin.
... aller Deutschen sagen einer aktuellen Trendmessung zufolge, dass das Handwerk wichtig oder sehr wichtig ist.
Ihre Eindrücke, wie es hier vor Ort und in der Region aussieht, beschreiben Catarina Haberstroh, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis, und Kreishandwerksmeister Frank Herrmann, selbst als Geschäftsführer des Handwerks-Unternehmens Spittelmeister tätig, gegenüber der PZ aus ihren jeweiligen Positionen. RALF BACHMAYER
Achtung!
Generell gilt!

Ein Ausbildungsstart ist auch nach dem 1. September noch möglich.
