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Nichts mit Hamsterrad

Berufsorientierung, die Spaß macht und unterhält: Aufsteller wie die Handwerk-Heroes sind Teil der aktuellen Kampagne der Handwerkskammer Karlsruhe, mit der junge Menschen für Handwerksberufe begeistert werden sollen. FOTO: FABRY/HANDWERKSKAMMER KARLSRUHE

Nichts mit Hamsterrad

Das Handwerk hinterfragt in einer neuen Kampagne das klassische Karrierebild und reagiert damit auch auf veränderte Einstellungen junger Menschen.

Karriere

Muss Karriere immer Kälte, Hamsterrad und Ellenbogen bedeuten? Das Handwerk stellt diesem klassischen Bild einen eigenen Karrierebegriff entgegen. Es besetzt damit ein Thema, mit dem es bislang nicht unbedingt in Verbindung gebracht wird. Die aktuelle Kampagne, die auch beim Tag des Handwerks am Samstag, 19. September, auf dem Friedrichsplatz Karlsruhe zu sehen ist, steht unter dem Motto „Wir machen Karriere mit Gefühl“. 

„Die junge Generation lehnt zunehmend eine herkömmliche Karriere ,um jeden Preis‘ ab“, sagt Karsten Lamprecht, Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe. Im Handwerk sei Karriere kein kalter Wettlauf. „Das Handwerk bietet Menschen eine Form von Karriere, in der man die Ergebnisse seiner Arbeit täglich sieht – und das mit dem guten Gefühl, etwas zu schaffen, das die Gesellschaft braucht“, wird Lamprecht in der Mitteilung der Handwerkskammer weiter zitiert.

 „Im Handwerk mit seinen kleinen und mittelgroßen Betrieben ist Karriere kein Alleingang“, betont auch Walter Bantleon, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Karlsruhe. Nicht ohne Grund spreche man von der Handwerksfamilie. 

Mit seinen insgesamt 136 Berufen biete das Handwerk jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten, ihren persönlichen Weg zu finden, ohne sich dabei zu verlieren: mit Sinn, Zusammenhalt und Erfüllung. Ausgehend von der Ausbildung eröffnen sich dann unterschiedliche Karrierewege: von zahlreichen Spezialisierungen und der Meisterqualifikation bis hin zur Gründung oder Betriebsübernahme. 

Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern erkennen laut Karsten Lamprecht und Walter Bantleon zunehmend, dass das Handwerk vergleichsweise krisenfest ist. Die Arbeitslosenquote sei dort nur etwa halb so hoch als sonst. Schlagzeilenträchtige Entlassungen und Standortverlagerungen ins Ausland, wie bei Konzernen, gebe es nicht. „Künstliche Intelligenz unterstützt das innovative Handwerk. Sie ersetzt es aber nicht“, nennt Lamprecht ein weiteres Argument. 

Neben Plakaten, Anzeigen, Bewegtbildformaten sowie digitalen Ausspielungen setzt das Handwerk in seiner aktuellen Kampagne auch auf eine neue App: die „Handwerk Heroes“. Die App verbinde Berufsorientierung mit Spiel und Intuition. „Sie spricht junge Menschen vor allem emotional an, während klassische Beratungsformate eher kopflastig sind“, so Bantleon. In einer gamifizierten Erlebniswelt können Jugendliche über einen selbst erstellten Heldencharakter („Hero“) Berufe entdecken, Aufgaben und Missionen ausprobieren und sich Schritt für Schritt orientieren. Insgesamt lassen sich auf diese Weise alle 136 Ausbildungsberufe im Handwerk erkunden. Die App ist kostenlos im Apple App Store sowie im Google Play Store verfügbar. pm


FOTO: ZECHA GMBH
FOTO: ZECHA GMBH

„Werkzeugbau und Handwerk sind unverzichtbar, weil Präzision, Erfahrung und Fachwissen die Grundlage für Qualität, Innovation und Fortschritt bilden. Handwerkliche Berufe haben bei uns eine starke Zukunft, denn sie bieten vielfältige Entwicklungswege – von der Spezialisierung in Bereichen wie Laserbearbeitung oder Schleifen bis hin zu Meister, Techniker oder Studium. Moderne Technologien unterstützen dabei das Können unserer Fachkräfte und eröffnen neue Perspektiven.“

Stefan Zecha,
Geschäftsführender Gesellschafter Zecha GmbH

Mit Struktur punkten

Kl im Handwerksalltag: Warum klare Prozesse wichtiger sind als smarte Tools

Ob digitale Zeiterfassung, automatische Angebotserstellung oder KI-gestützte Einsatzplanung: Neue Tools für das Handwerk versprechen Effizienz und Entlastung. Doch in der Praxis zeigt sich: Ohne klare Prozesse bringen selbst die besten Technologien wenig. Statt echtem Fortschritt gibt es Frust, Mehraufwand und Datenchaos – gerade in Betrieben, die ohnehin stark ausgelastet sind. 

KI kann viel, aber nur, wenn der Betrieb genau weiß, was er braucht und wie Abläufe sinnvoll miteinander verzahnt sind. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum strukturierte Prozesse die eigentliche Basis für jede digitale Innovation sind und wie Handwerksbetriebe Technologie gezielt einsetzen, ohne sich im Tool-Dschungel zu verlieren. 

Das zeichnet Abläufe in Handwerksunternehmen aus

Künstliche Intelligenz verspricht zahlreiche Erleichterungen für Handwerksbetriebe. Durch die Automatisierung von Prozessen sollen Kapazitäten freigesetzt werden, um die Mitarbeiter zu entlasten und Kosten zu reduzieren. Klar, dass viele Unternehmen die vielversprechende Technologie ausprobieren möchten. Doch zuvor stellt sich die Frage, was die KI eigentlich alles kann. Das ist problematisch, denn in dieser Reihenfolge ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Implementierung von KI-basierten Tools mehr Probleme als Vorzüge schafft. 

Besser ist es, zunächst die eigenen Strukturen zu analysieren. Mit Strukturen sind dabei klar definierte Abläufe gemeint, beispielsweise das Anfertigen von Gesprächsnotizen nach einem Kundentelefonat oder das Eintragen der Ergebnisse einer Bauabnahme in das Projektmanagementprogramm. Solche Strukturen sind gut geeignet, um durch KI automatisiert zu werden. Doch gerade in kleinen Handwerksbetrieben mit wenigen Führungskräften verlaufen solche Prozesse oft eher chaotisch.

Beispiele für Kl im Handwerksbetrieb

Auch wenn KI nicht automatisch für mehr Effizienz im Handwerksunternehmen sorgt, gibt es dennoch einige vielversprechende Einsatzbereiche. Entsprechende Tools können beispielsweise standardisierte, aber dennoch individuelle Antworten für Kundenanfragen verfassen. Auch eingehende komplexe Schreiben, etwa von der Handwerkskammer oder dem Steuerberater, können von KI-Programmen inhaltlich erfasst und auf das Wesentliche reduziert wiedergegeben werden. Handwerksbetriebe müssen so deutlich weniger Zeit mit Büroarbeiten verbringen und können sich stattdessen verstärkt ihren Kernaufgaben widmen. 

Darüber hinaus lässt sich KI zur Prozessoptimierung nutzen. Sie kann beispielsweise damit beauftragt werden, sämtliche Zwischenabnahmen von Bauprojekten zu analysieren und zu ermitteln, welche Aspekte häufig beanstandet werden. Auf dieser Grundlage lassen sich anschließend Strategien entwickeln, um die Abläufe zu verbessern. Darüber hinaus kann KI auch zur Produktivitätssteigerung eingesetzt werden. Durch Vorschläge für präziser formulierte Fragen oder Aufgabenstellungen lässt sich zum Beispiel Schulungsmaterial für Mitarbeiter effizienter gestalten. dpa

Nähere Informationen zu Berufen im Handwerk gibt es online auf:

www.handwerk.de/karriere
www.handwerk.de/handwerkheroes
www.hwk-karlsruhe.de