Vor dem Hintergrund der Energie- und der Klimakrise sind Energieeinsparungen dringender denn je nötig. Im Gebäudesektor können diese Einsparungen vor allem über energetische Sanierungen erreicht werden. Bisher geht es dabei nur sehr langsam voran.
Deutschland wird pro Jahr weniger als ein Prozent des Wohngebäudebestands saniert. Die bisherigen Förderprogramme alleine bieten zu wenig Verlässlichkeit für die dafür notwendigen Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten für Baumaterialien und Baukapazitäten, um die energetische Modernisierung von Gebäuden zu beschleunigen. Deshalb beriet Mitte März das EU-Parlament über neue Mindestenergiestandards, die Gebäude schrittweise erreichen müssen. Zusätzlich ist eine verbindliche Zielvorgabe für die jährliche Rate der energetischen Gebäudesanierung notwendig. So könnten vor allem einkommensschwache Haushalte nachhaltig vor Energiekostenschocks geschützt werden. Zudem könnten – wie von der Experten-Kommission Gas und Wärme empfohlen – Gaseinsparungen erreicht werden, im Jahr 2025 bereits bis zu 14 Prozent.
Das Heizen und Kühlen von Gebäuden ist für 48 Prozent des europäischen Endenergieverbrauchs, 36 Prozent der Treibhausgasemissionen und für 35 Prozent des Gasverbrauchs in der EU verantwortlich. Die energetische Sanierung von Gebäuden kann diesen Energiebedarf und damit sowohl Importe von fossilen Energieträgern reduzieren als auch die Voraussetzung dafür schaffen, dass der verbleibende Energiebedarf mit erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden kann.
Eine Umfrage unter den deutschen Herstellern von Wärmedämmungen, Fenstern und Wärmepumpen zeigt, dass die Kapazitätsauslastung mit 88 Prozent im Jahr 2019 und 94 Prozent im ersten Halbjahr 2022 konstant hoch ist. Eine Steigerung von energetischen Sanierungen ist daher nur möglich, wenn auch Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten für Baumaterialien und im Bausektor erfolgen.
Diese Investitionen sind aber bisher begrenzt - trotz der weiterhin hohen Auslastung von Produktionskapazitäten für Baumaterialien, die durch attraktive Förderprogramme bis zum Sommer 2022 ausgelöst wurden. Eine wichtige Erklärung für die Investitionszurückhaltung dürfte die anhaltende Unsicherheit über die staatliche Förderung dieser Programme sein. pm
Je jünger, desto besser
Neue Fenster verbessern die Wärmedämmung und bringen einen neuen Look ins Haus.
Die Energiepreise steigen kontinuierlich. Ein Weg, die Mehrausgaben für Heizöl oder Gas klein zu halten, ist eine Verbesserung der Wärmedämmung im Haus, denn diese mindert den Energieverbrauch und damit laufende Kosten über viele Jahre hinweg. Der Einbau von neuen Fenstern ist dafür eine bewährte Möglichkeit. Als angenehmer Nebeneffekt profitiert langfristig nicht nur der Kontostand, sondern auch die Umwelt von der Reduzierung der Heizenergie.
Trotz des aktuellen Rohstoffmangels in einigen anderen Branchen können neue Fenster in den meisten Fällen schnell realisiert werden. So steigern sie optimalerweise noch vor dem nächsten Jahr die Gemütlichkeit zu Hause und heben den Wert der Immobile an. Mit den Kosten stehen Bauherren nicht allein da: Viele Fenstertäusche sind etwa über das Programm „Energieeffizient Sanieren“ der KfW-Bank finanziell förderfähig. Jedoch gibt es hier Unterschiede von Bundesland zu Bundesland.
So kann laut Institut für Fenstertechnik (ift) in Rosenheim ein modernes, dreifachverglastes Fenster eine rund 80 Prozent höhere Dämmwirkung als ein Fenster mit Einfachglas haben. Und beim Austausch von Zweifachgläsern gegen ein solch modernes Dreifach-Fenster könne man eine Verbesserung der Dämmung von rund 70 Prozent erzielen.
Spiegelt sich nicht nur die gelbe Flamme im Glas, sondern sind andersfarbige Reflexionen zu sehen, handelt es sich um Wärmedämmglas. Es besteht nicht nur aus mehreren Scheiben, sondern auch aus wärmereflektierenden Beschichtungen und einer Edelgasfüllung zwischen den Scheiben. Das führt dazu, dass die Spiegelungen der einzelnen Scheiben jeweils farblich anders sind, zum Beispiel bläulich wirken können.
Fenster mit Zweifach-Wärmedämmglas werden üblicherweise seit circa 1980 eingebaut und dämmen gut, so der Verband. Eine noch bessere Dämmwirkung hat das Dreifach-Wärmedämmglas, das seit circa 2003 verwendet wird. In der Regel gilt: Je jünger die Fenster sind, desto besser können sie Wärme im Raum halten. djd
