Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. Mit Kettenbriefen ein Klima der Angst zu erzeugen, ist keine Erfindung der neuen sozialen Medien und Nachrichtentausch-Plattformen. Aber über Facebook, WhatsApp, Instagram oder TikTok gelingt es, in kürzester Zeit ein großes Publikum anzusprechen. Dabei achten die Versender offenbar nicht sonderlich auf Originalität, sondern mixen immer wieder gleiche Motive, gleiche Ansprachen, gleiche Aufgaben, gleiche Zwänge zum immer gleichen Blödsinn jenseits jeglichen Wahrheitsgehalts. Für Erwachsene kann solch ein Kettenbrief durchaus zum Test für Intelligenz und Leichtgläubigkeit werden, für manche Kinder und Jugendliche jedoch können sich Gruselfratzen und obskure Challenges (Aufgaben, Herausforderungen) zum Alltagshorror entwickeln.
Passend zum Start der Sommerferien werden die Blue Whale Challenge, die schon 2016 für Aufregung sorgte, und der wenig später entstandene Horror-Effekt der Gruselfigur Momo gemischt, nur dass jetzt ein so dämlich wie hässlich anmutendes Goofy-Cosplay aus dem Jahr 2017 zur Bewältigung von Aufgaben herausfordert. Diese diversen und sich in ihrer Intensität steigernden Challenges können für zarte und leicht zu beeinflussende Gemüter durchaus gefährlich werden. Das Hundegesicht, das mit dem Namen Jonathan Galindo oder einer ähnlich klingenden Abwandlung zum Beispiel per WhatsApp auf dem Handybildschirm auftaucht, soll vor allem Kinder und Jugendliche ängstigen und zu aberwitzigen Taten animieren.


Online-Hysterie: Tödlicher Momo-Horror auf YouTube nur Fake News
Inzwischen scheinen schon Trittbrettfahrer auf den abartigen Zug aufgesprungen zu sein, um mit Variationen des Kettenbriefs Kinder und Jugendliche zu haarsträubenden Aktionen zu bewegen. Wer steckt dahinter? Was ist das Motiv? Darüber wird offenbar noch gerätselt.
Löschen und bloß nicht teilen
Was ist zu tun, wenn man eine Aufforderung zu einem Link erhält, der sich als Mitspiel-Anfrage tarnt, was in Zeiten von Corona-und Ferienlangeweile besonders verlockend zu sein scheint? Löschen. Nicht reagieren. Wer daran glaubt, dass die Nicht-Beachtung oder das Nicht-Teilen des Kettenbriefes sich negativ auf das eigene Leben und die nahe Zukunft auswirkt, wer an damit verbundene Flüche und Schlimmeres glaubt, sollte entweder PZ-news lesen oder auf Aufklärungsplattformen wie mimikama.at recherchieren. Bei solchen „schrecklichen Folgen“ durch das Löschen handelt es sich einfach nur um inhaltslose Falschmeldungen, um reinen, aber bösartigen Unfug.
Aber was tun, wenn der Empfänger des Kettenbriefs noch im Kindesalter ist? Hier zeigt sich, ob insbesondere die Eltern schon eine gewisse Medienkompetenz aufgebaut haben und ihren Kindern vermitteln können, dass die Hundefratze nichts ist, was man fürchten muss, und dass die Challenges nichts sind, was man tun muss, schon gar nicht, wenn man davor Angst hat. Unter Umständen zeigt sich hier auch, welche Kinder und Jugendliche psychisch vielleicht etwas instabil sind, wenn sie so heftig auf solche Inhalte reagieren.
In diesem Video von saferinternet.at finden Sie Tipps, wie Sie als Eltern auf solche Kettenbriefe reagieren sollten.
Die Webseite mimika.at gibt folgende Ratschläge für Eltern:
- Nehmen Sie die Ängste der Kinder ernst. Nur so wenden sich die Kinder in solchen Fällen an Sie und können sich von Ihnen die notwendige Unterstützung holen.
- Klären Sie auf, was dahinterstehen könnte. Machen Sie Ihren Kindern deutlich, dass es sich hierbei um nichts anderes handelt als einen gruseligen Kettenbrief, der nicht wahr ist. Erklären Sie, dass Angst gerade das Ziel solcher Accounts und Nachrichten ist.
- Unterstützen Sie Ihre Kinder. Sie sind schlauer und können über solche Dinge lachen, das entspannt auch Ihre Kinder.


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