Enzkreis. Der neue Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, sieht in der anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie keinen Verteilungsspielraum. „Ich habe schon manchmal den Eindruck, dass die IG Metall auf Funktionärsebene sich von den Menschen in unseren Betrieben ziemlich stark entfernt hat“, kritisierte Wolf am Freitag die Gewerkschaft.
Im Gegensatz dazu zeigte sich der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger basisnah. Er kam eigens zu einer Kundgebung nach Niefern und sprach am Vormittag mit Betriebsrat, Geschäftsleitung und Beschäftigten der Firma Karl Klink. Die wehren sich gegen den Austritt des traditionsreichen Maschinenbauunternehmens aus dem Anerkennnungstarifvertrag. „Wir sind im Gegenzug zu einem teilweisen Verzicht auf das Weihnachtsgeld bereit, aber nur wenn die Geschäftsleitung wieder in die Tarifbindung zurückkehrt“, erklärte Betriebsrasvorsitzender Fatih Aygün bei der Kundgebung. Zitzelsberger machte den Beschäftigten bei Karl Klink in schwierigen Zeiten Mut. Sie hätten ihre berechtigte Forderung Ausdruck lautstark verliehen und trotzdem hohe Loyalität zur Firma gezeigt. Trotz der Krise im Maschinenbau und der damit verbundenen Angst um ihre Arbeitsplätze, hätten sie ihre Rechte eindrucksvoll verteidigt. Das mache der IG Metall Mut für die anstehende Tarifrunde.
„Manche Arbeitgeber glauben, es sei jetzt die Stunde, ihren Mitarbeitern das Fell über die Ohren zu ziehen“, so Zitzelsberger.
Durch die Corona-Pandemie würden Protestaktionen zunehmend erschwert, sagte der Bezirksleiter, der sich im Vorfeld der landesweiten Aktionen wie seine Stuttgarter Vorstandskollegen einem Coronatest unterzogen hatte. Wegen der Pandemie suche man neuen Formen der Ansprache: Bei Mapal WWS in Pforzheim, Schroff in Straubenhardt und Possehl Elektronik in Niefern wurden ausgewählte Ergebnisse der IG-Metall Beschäftigtenbefragung zu tarif- und sozialpolitischen Themen vorgestellt. Bei S &G waren Vertreter der IG Metall und des Betriebsrats an den Standorten Pforzheim, Bretten und Bruchsal unterwegs, um notwendige Umsetzungsschritte zu besprechen.


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Gänzlich ohne Kontakt – aber trotzdem mit intensiver Ansprache gingen Betriebsräte und die IG Metall auf die Beschäftigten bei G.Rau und WISI zu. Hierzu wurden mehrere Hundert Beschäftigte kontaktiert. Bei der Firma Mahle in Mühlacker und Vaihingen fanden Betriebsratssprechstunden statt. Zentrales Thema war dort der geplante Stellenabbau (die PZ berichtete). In Mühlacker wurden dazu eigens größere Zelte auf dem Parkplatz aufgebaut, um die Sprechstunden mit gebührendem Abstand und frischer Luft Coronagerecht durchführen zu können. Ebenfalls um Personalabbau ging es bei Harman Becker in Ittersbach.
Bei Albert Weber in Neuenbürg und Heckler in Ötisheim ging es um den erstmaligen Abschluss eines Tarifvertrags, wobei die Geschäftsführung in Neuenbürg ankündigte, dass sie ihrer Verpflichtung aus dem Übernahmeangebot in der Insolvenz in Eigenverwaltung nachkommen und Verhandlungen zu einem „Haustarifvertrag“ mit der IG Metall Pforzheim aufnehmen werde, erklärte Gewerkschaftssekretär Kai Müller.

